Weitere Konten gesperrt

Bundesanwalt Valentin Roschacher informiert über den Stand der Ermittlungen. Keystone

Im Zuge der Ermittlungen gegen das Finanznetz von Osama bin Laden haben die Schweizer Behörden weitere Konten gesperrt. Betroffen ist die Finanz-Gesellschaft Nada/Al Taqwa im Tessin.

Dieser Inhalt wurde am 09. November 2001 - 11:49 publiziert

Die Banken waren vom Bund aufgefordert worden, alle Konten der Tessiner Finanzgesellschaft und ihrer Verantwortlichen zu sperren. Um wie viele Konten und wie viel Geld es sich handelt, wisse die Bundesanwaltschaft noch nicht, erklärte der stellvertretende Bundesanwalt Claude Nicati am Donnerstag in Bern.

Gegen zwei Mitglieder des Verwaltungsrates der Nada (früher: Al Taqwa) in Lugano laufen zudem wegen mutmasslicher Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung Untersuchungen. Es handelt sich um die italienischen Staatsangehörigen Youssef Nada und Ali Ghaleb Himmat.

Mutmassliche Verbindungen zu Bin Laden

Das Verfahren im Fall Nada/Al Taqwa wurde am 24. Oktober eröffnet. Die drei weiteren Verwaltungsrats-Mitglieder, die auf der jüngsten US-Liste verdächtiger Personen und Organisationen stehen, sind bisher nicht Gegenstand des Verfahrens. Es handelt sich um Ahmed Huber, Mohammed Mansour und Zeinar Mansour-Fattouh.

Die Finanzgesellschaft Nada Management werde verdächtigt, eine über verschiedene Stationen laufende indirekte Verbindung zur Terror-Organisation Bin Ladens zu haben, sagte der stellvertretende Bundesanwalt Claude Nicati. Beweise gebe es aber nicht. Deshalb gelte noch die Unschuldsvermutung.

USA nicht Auftraggeber

Trotz der internationalen Polizeiaktion vom Mittwoch in Lugano, Campione, Vaduz und Muri (BE) gebe es weiterhin keine Anhaltspunkte dafür, dass die Schweiz bei der Vorbereitung der Attentate vom 11. September in den USA eine zentrale Rolle gespielt habe. Dies gab Bundesanwalt Valentin Roschacher an einer Orientierung über den Stand der Ermittlungen der "Task Force Terror USA" in Bern bekannt.

In Sachen Terrorismus sei die Schweiz keineswegs ein "Global Player", sagte Roschacher weiter. "Die USA sind unsere Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus. Sie sind aber nicht unsere Auftraggeber". Die schweizerischen Strafverfolgungs-Organe leisteten ihre Ermittlungsarbeit nach hiesiger Gesetzgebung.

Roschacher betonte zudem, dass die Polizeiaktion nur ein Teil der Arbeit der Strafverfolgungs-Behörden sei. Auswertungen und Analysen seien über weite Strecken langwierig und wenig spektakulär.

Aufgrund dreier Rechtshilfegesuche hätten die US-amerikanischen Behörden der Schweiz umfangreiches Aktenmaterial versprochen, sagte Roschacher. Ein erster Teil sei am Mittwoch eingetroffen und werde nun gesichtet. Bei der Aktion gegen Nada seien Dokumente sichergestellt worden, die zwei Minibusse füllten.

24 Konten gesperrt

Im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Terrorismus nach den Anschlägen vom 11. September hat die Meldestelle für Geldwäscherei laut Nicati insgesamt 78 verdächtige Konten gemeldet. Dies führte zur Blockierung von 24 Konten in Genf, auf denen sich insgesamt 12 Mio. Dollar befinden.

Die Meldungen waren auf Grund der US-Listen mit verdächtigen Personen und Organisationen erfolgt. Ein 25. Konto werde noch überprüft, sagte Nicati weiter.

Wie der Chef der Bundeskriminalpolizei, Erwin Beyeler, zudem sagte, wird dem Transit des mutmasslichen Attentäters Mohamad Atta durch den Flughafen Kloten vom 8. Juli weiter nachgegangen. Die Fahndung nach dem Umfeld Attas sei ein Schwergewicht der Polizeiarbeit. Über 800 Meldungen seien in zeitaufwendiger Arbeit zu überprüfen.

Datenschützer kritisiert

Kritik an den neuen Massnahmen des Bundesrats im Kampf gegen den Terrorismus meldete unterdessen der eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür an, und zwar wegen des Melderechts für Behörden und Organisationen. Bundesrätin Ruth Metzler gab bekannt, dass die Kantone im Auftrag des Bundesamts für Polizei Informationen über islamische Zentren sammeln - zu deren Schutz und Sicherheit, wie sie sagte.

swissinfo und Agenturen

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