Weiterer Rücktritt von Ex-Swissair-Chef Honegger

Leicht gefallen sei ihm der Rücktritt nicht, sagte Honegger in seiner Erklärung. swissinfo.ch

Anderthalb Monate nach dem Abgang bei der Swissair Group tritt Eric Honegger auch als Präsident des Verwaltungsrats der Neuen Zürcher Zeitung zurück - aus "Sorge um die Glaubwürdigkeit der Zeitung".

Dieser Inhalt wurde am 02. Mai 2001 - 09:58 publiziert

Wie die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) in ihrer Mittwochs-Ausgabe (02.05.) schreibt, begründet der frühere FDP-Regierungsrat seinen Entscheid mit der Sorge um die Glaubwürdigkeit der Zeitung.

Der 54-jährige Honegger tritt auf die Generalversammlung der AG für die Neue Zürcher Zeitung vom kommenden Samstag als Verwaltungsrat (VR) zurück. Er hatte das Gremium seit dem Frühling 1999 geleitet.

Mit NZZ verbunden

In einem Brief an die Aktionäre begründet Honegger seinen Entscheid mit der Gefahr, dass die Auseinandersetzung um die Swissair Group die publizistische Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit der NZZ tangiere und ihm zudem die Wahrnehmung seiner Aufgaben als VR-Präsident erschwere. "Um solchen Entwicklungen vorzubeugen und der spezifischen Situation des Hauses NZZ Rechnung als Medienunternehmen Rechnung zu tragen, habe ich mich zum Verzicht auf die Wiederwahl entschlossen, was mir angesichts der Verbundenheit mit der NZZ nicht leicht gefallen ist", heisst es in dem Brief Honeggers.

Weitere öffentliche Debatte programmiert

Auf Grund der jüngsten Beschlüsse der Swissair-GV sei mit einer weiteren öffentlichen Debatte um die Geschäftspolitik der Swissair Group während seiner Amtszeit als Mitglied des obersten Führungsgremiums zu rechnen.

Der NZZ-Verwaltungsrat nahm "mit Bedauern und Verständnis" vom Entscheid Honeggers Kenntnis. Damit komme die persönliche Integrität Honeggers zum Ausdruck. Die Nachfolge Honeggers als NZZ-Verwaltungsratspräsident soll noch vor der GV beraten werden.

Dem Verwaltungsrat der Swissair hatte der ehemalige Zürcher Regierungsrat Honegger seit 1993 angehört, zunächst als Vertreter des Kantons Zürich. Im Frühling letzten Jahres übernahm er von Hannes Goetz das Präsidium des Verwaltungsrats. Nach der Entlassung von Konzernchef Philippe Bruggisser am vergangenen 23. Januar wurde Honegger auch interimistischer Konzernchef. Unter steigender in- und externer Kritik musste Honegger am 16. März aber Mario Corti Platz machen. Es folgte ein Streit um die Abgangs-Modalitäten, bei dem Honegger erst zwei Tage vor der GV vom 25. April einlenkte.

NZZ ging zunehmend auf Distanz zu Honegger

Die NZZ war bereits nach dem am 9. März angekündigten kollektiven Rücktritt des Swissair-Verwaltungsrats in eine schwierige Situation geraten. Honegger setzte sich damals über den Beschluss des eigenen Verwaltungsrats hinweg, den Medien keine weiteren Auskünfte zu erteilen, und gab der NZZ ein ausführliches Interview.

Die NZZ versäumte es, auf die Rolle Honeggers im eigenen Haus hinzuweisen, und setzte sich somit dem Verdacht aus, dem Präsidenten ein Gefälligkeits-Interview zu dessen persönlicher Rechtfertigung gewährt zu haben. In den nachfolgenden Wochen ging die NZZ in ihrer Berichterstattung zunehmend auf Distanz zu Honegger und legte ihm vor der GV nahe, das Seilziehen um die Abgangsentschädigung rasch zu beenden.

Weitere Verwaltungsrats-Mandate - zum Beispiel UBS

Honegger ist vergangene Woche als Verwaltungsrats der Grossbank UBS bestätigt worden. Laut dem Verwaltungsrats-Verzeichnis sitzt der Bundesrats-Sohn noch im Verwaltungsrat der Affichage Holding, Genf. Zudem ist er Präsident des Stiftungsrats der F.-G.-Pfister-Stiftung, die das Unternehmen Möbel Pfister kontrolliert.

swissinfo und Agenturen

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