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Weiterhin rückläufige Handelsbilanz Schweiz - USA

Immer weniger Schweizer Touristen besuchen die USA. Diesen Trend konnte auch die Wiedereröffnung der Freiheitsstatue in New York nicht umkehren.

(swissinfo.ch)

Die Handelsströme zwischen der Schweiz und den USA sind im vergangenen Jahr erneut geschrumpft.

Die Importe aus den USA litten unter politischen Vorbehalten der Schweizer Konsumenten und brachen um 17 Prozent ein, wie die Schweizerisch-Amerikanische Handelskammer mitteilte.

US-Produkte in der Schweiz haben derzeit trotz des tiefen Dollarkurses einen schweren Stand. So gingen die Importe von US-Wein im vergangenen Jahr erneut um 9% zurück, und die Autoimporte schrumpften um weitere 7 Prozent.

Noch drastischer sind die Zahlen im Tourismus: Im vergangenen Jahr besuchten 42% weniger Schweizer die USA als noch im Jahr 2000.

Insgesamt fielen die Schweizer Importe aus den USA im vergangenen Jahr um 17,3% auf 5,4 Mrd. Dollar. Besonders gelitten haben die Fahrzeug- und die Maschinenindustrie sowie der Chemie- und Pharmasektor.

"Aufkeimender Anti-Amerikanismus"

Allein mit konjunkturellen Faktoren liessen sich diese Zahlen nicht erklären, sagte der designierte neue Leiter der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, Martin Naville. Die Importe hätten vielmehr unter dem "aufkeimenden Anti-Amerikanismus" gelitten.

Rückläufig waren die Güterströme auch in umgekehrter Richtung. Die Schweizer Exporte gingen um 3,3% auf 13,8 Mrd. Franken zurück. Chemie und Pharma konnten dabei ihre Spitzenposition halten, die Maschinenindustrie verzeichnete hingegen einen Rückgang von 13,3 Prozent.

Mit einem Anteil von 10,6% blieben die USA für die Schweizer Exportwirtschaft aber der hinter Deutschland zweitwichtigste Absatzmarkt. Angesichts des stärkeren Einbruchs bei den Importen als bei den Exporten kletterte der Handelsbilanzüberschuss der Schweiz auf den neuen Rekordwert von 8,4 Mrd. Franken.

Resistente Investitionen

Resistent gegenüber politisch-emotionalen Vorbehalten zeigten sich die Investitionen. Mit Direktinvestitionen von 112 Mrd. Dollar blieb die Schweiz der sechstwichtigste Investor in den USA. 5,1 Mrd. Dollar flossen davon als Profit zurück.

In umgekehrter Richtung ist ein starker Anstieg zu verzeichnen: Die US-Investitionen in der Schweiz stiegen um 21% auf 86 Mrd. Dollar. Damit blieb die Schweiz noch vor Deutschland und Japan das viertwichtigste Empfängerland von US-Investitionen.

Auch als Standort für den Europahauptsitz sei die Schweiz für US-Firmen nach wie vor sehr attraktiv, sagte Naville.

Für die kommenden eineinhalb Jahre erwartet die Handelskammer keine Trendwende. Im ersten Halbjahr 2004 sei der Rückgang im bilateralen Handel zwar gestoppt worden, die Aussichten seien aber verhalten, sagte Naville. Die Schweizer Exporte litten unter dem starken Franken, und US-Firmen verlagerten die Produktion zunehmend in europäische Billiglohnländer.

Kritik an Schweizer Aussenpolitik

Der abtretende Chef der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, Walter H. Diggelmann, kritisierte an seiner letzten Medienkonferenz die Schweizer Aussenpolitik. Die USA seien unter dem Strich der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner für die Schweiz, sagte Diggelmann mit Blick auf Handelsströme und Kapitalinvestitionen.

Es sei jedoch fraglich, ob die Schweizer Aussen- und Aussenwirtschaftspolitik diesem Umstand Rechnung trage. "Die Schweizer Politik müsste Amerika eine wichtigere Rolle zuordnen", forderte Diggelmann, der seinen Posten Ende September nach 35 Jahren räumt und in Pension geht.

Der Schweizer Botschafter in den USA, Christian Blickenstorfer, liess diese Vorwürfe nicht gelten. Die Schweizer Diplomatie habe die wichtige Position der USA erst an der Botschafterkonferenz vor einer Woche in Bern auch für die Zukunft bekräftigt.

Die Fragen nach den daraus zu ziehenden Konsequenzen seien allerdings noch offen, sagte Blickenstorfer und räumte gewisse Akzeptanzprobleme der Schweiz in der Administration Bush ein.

"Weil sich die Schweiz nicht in Nahost engagiert, steht sie in den USA in der Verwaltung derzeit nicht an der Spitze", sagte er. Die Schweizer Neutralität werde teilweise nicht akzeptiert.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Insgesamt sind in den USA 430'000 Beschäftigte in Schweizer Unternehmen tätig.
Die 15 grössten Firmen beschäftigen 177'000 Personen.
2003 reisten 13,2 % weniger US-Touristen in die Schweiz, seit dem Jahr 2000 beläuft sich der Rückgang auf 40%. In der Gegenrichtung gingen 9,4% bzw. 42% weniger Personen aus der Schweiz in die USA.

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