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Welche Zukunft für Alpenregionen?

Greina-Hochebene Anfang September 1998.

(Keystone)

Die Schweizer Alpenregionen können den Wert ihrer Landschaft noch besser nutzen. Gemäss einer Studie werden trotzdem viele Gebiete von Bundesgeld abhängig bleiben.

Damit stellt sich auch die Frage, ob die Bevölkerung in einigen Berggebieten abwandern oder verbleiben soll.

Forscher des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gehen in ihrem am Donnerstag in Flims vorgestellten Forschungsprogramm NFP 48 der Frage nach, welchen Wert die Alpenlandschaften heute haben und wie sich dieser Wert in Einkommen umsetzen lässt.

Die Verfasser der Studie kommen dabei zum Schluss, dass in den Alpenregionen einerseits noch ungenutztes Potenzial besteht. Andererseits ist dieses Potenzial in verschiedenen abgelegenen Regionen so beschränkt, dass sich die politische Frage nach deren Überlebensfähigkeit stellt.

Ein Fünftel weniger Einkommen

Gemäss der Studie wird jeder Bewohner einer Bergregion über den Finanzausgleich, Subventionen und Steuern mit 3300 Franken pro Jahr unterstützt. Auch mit diesem Ausgleich liegen die Einkommen im Alpenraum 21% unter jenen der übrigen Schweiz. Ohne Ausgleichszahlungen würde sich der Unterschied gar auf 31% belaufen.

Chancen für die Bergregionen orten die Forscher beim Tourismus, bei der Nutzung erneuerbarer Energien (Holz, Wasser, Wind) und in einer intensiveren Vermarktung der lokalen Produkte.

Erfolgversprechend: Natur und Tourismus

Als erfolgversprechend gilt dabei die Kombination von natürlichen Ressourcen und touristischen Dienstleistungen. Auch neue Naturpärke entfalteten erst eine regionalwirtschaftliche Wirkung, wenn traditionelle Nutzungen mit neuen Angeboten des sanften Tourismus oder mit Themenparks kombiniert würden.

Auch die Landschaft könne als öffentliches Gut noch optimaler genutzt werden, lautet ein weiteres Fazit. Der Schutz von (Natur-)Landschaften hat in vielen Fällen einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen, doch sind die Abgeltungen für einen Nutzungsverzicht meist gering.

Vermarktung mit Labels

Umweltfonds oder ein Markt mit Entwicklungsrechten könnten hier neue Finanzierungsformen zum Schutz der alpinen Landschaft darstellen.

Die Entwicklungschancen von Regionen liessen sich dabei durch Labels erhöhen. Sie vereinfachen die Vermarktung und können auch dazu eingesetzt werden, die öffentlichen Abgeltungen regional zu konzentrieren.

Ein rauer Wind weht im Tourismus aber für Regionen, die weder in Agglomerationsnähe liegen noch über ein konkurrenzfähiges Tourismusangebot verfügen.

SNF

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) ist eine privatrechtliche Stiftung, die im Auftrag des Bundes hauptsächlich die Grundlagenforschung in der ...

Landwirtschaft: Eher skeptisch

Eher skeptisch werden die Chancen der Landwirtschaft beurteilt. Sie könne zwar einen wichtigen Beitrag zu einer attraktiven Landschaft leisten, ihre Einkommensperspektiven seien aber mager. Daher vermuten die Autoren der Nationalfonds-Studie, dass sich der Wald im Alpenraum weiter ausbreiten wird.

Klar festgehalten wird in der Untersuchung, dass bei allen Anstrengungen viele Alpenregionen auch künftig auf direkte finanzielle Unterstützung angewiesen sein werden.

Frage der Besiedelung

Damit stellt sich für die Autoren die Frage, wie weit die heutige Besiedelung bis in jedes entlegene Tal noch erhalten bleiben soll.

Sie plädieren dafür, die Chancen und Gefahren einer selektiven, sprich lokalen Abwanderung in einer offenen politischen Diskussion zu besprechen. Eine aktive Vorwärtsstrategie verspreche dabei mehr Erfolg als passives Abwarten.

swissinfo und Agenturen

NFP48

Das Nationalfonds-Programm Landschaften und Lebensräume der Alpen" (NFP 48) hat den Auftrag, Ziel- und Handlungswissen für eine gesellschaftlich erwünschte, wirtschaftlich tragbare und politisch umsetzbare Landschaftsentwicklung zu erarbeiten.

Trends in der Landschaftsentwicklung sollen erkannt, Anforderungen und Normen für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung erarbeitet und Handlungsmöglichkeiten in den relevanten Politik- und Handlungsfeldern aufgezeigt werden.

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Neue Regionalpolitik

2005 hat der Bundesrat dem Parlament seinen Bericht zur Neuen Regionalpolitik (NRP) vorgestellt.

Sie konzentriert sich auf die Förderung der Berggebiete, weiterer ländlicher und peripherer Regionen als Wirtschafts-Standorte.

Zur Finanzierung der NRP schlägt der Bundesrat die Schaffung eines Fonds für Regionalentwicklung vor.

Dieser soll einerseits aus den Mitteln des heutigen Investitionshilfefonds für Berggebiete und anderseits aus jährlichen Neueinlagen von rund 30 Millionen Franken pro Jahr geäufnet werden.

Das Bundesgesetz über Regionalpolitik ist am Donnerstag vom Nationalrat gutgeheissen worden. Doch gibt es noch Divergenzen zum Ständerat.

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