Weltmacht Auto

Ein Höhepunkt in Genf: Hybrid-Autos. Keystone

Der 72. Genfer Autosalon dauert vom 07. bis zum 17. März. Die Aussteller setzen auf Luxuslimousinen und Wasserstoffkraft als neue Energiequelle.

Dieser Inhalt wurde am 07. März 2002 - 12:01 publiziert

Hell erleuchtet und so ins beste Licht gerückt stehen die Automarken dieser Welt in der Palexpo-Halle. Auf 93'000 Quadratmetern Ausstellungs-Fläche zeigt der Autosalon in Genf seinen berühmten Gesamtüberblick über das heutige Angebot der Branche. Einer Branche, die heute unbestritten ist, ist sie doch einer der wesentlichen Arbeitgeber dieser Erde; sie beschäftigt Millionen und setzt Milliarden um. Das Auto ist - so hat es ein Salonbesucher ausgedrückt - noch das einzige Symbol, das Freiheit und individuelle Mobilität verkörpert. Staus hin, Umwelt und Unfälle her.

Trotzdem Sorgenfalten

Möglicherweise macht Erfolg träge. Die Autobauer selber sind nämlich nicht ganz zufrieden mit dem Ist-Zustand. Zwar wird das Automobil kaum mehr in Frage gestellt (Waldsterben oder Klimaerwärmung sind kein Thema mehr), aber in der Schweiz und generell in Europa sind die Märkte gesättigt.

Es herrscht Verdrängungs-Wettkampf. Ein Beispiel: Die Zahl der in Verkehr gesetzten Strassenfahrzeuge in der Schweiz hat sich stabilisiert. Der Anstieg 2001 beträgt noch rund ein halbes Prozent. Stagnation liebt die Branche, welche in den vergangenen Jahren unter Volldampf lief, gar nicht. Für 2002 sind die Hersteller ebenfalls nicht allzu optimistisch. Das bestätigen sie aber nur hinter vorgehaltener Hand.

Giganten in Not

Sämtliche von swissinfo in Genf befragten grossen Auto-Hersteller rechnen mit einem Verdrängungskampf. Man muss dem Konkurrenten Marktanteile abjagen. Trotzdem rechnet Toyota Marketing-Direktor Markus Kammermann, dass seine Marke zulegen kann: "Europa wird ein Verdrängmarkt sein. Wachsen werden wir aber in Südamerika und Asien."

Andere Topadressen haben da ganz andere Probleme. Bei Opel - lange Zeit die Nummer eins in der Schweiz - und Fiat setzt man aufs Prinzip Hoffnung. Beide Marken mussten generell Marktanteile abgeben. Bei beiden führten Qualitätsprobleme und ein wenig gelungenes Modell-Angebot zum Rückgang der Marktanteile.

Bei Opel will man die gesamte Modellpalette umkrempeln und ab jetzt alle sechs Monate ein neues Modell bringen. Aktuell in Genf wird mit dem Vectra begonnen. Er ist so etwas wie der Hoffnungsträger, muss Umsatz bringen, sonst, so die Fachleute, kriegt Opel ein Probleme innerhalb von General Motors.

Ähnlich liegen die Probleme bei Fiat. Dass der traditionelle Autosalon von Turin in diesem Jahr abgesagt werden musste, spricht Bände.

Bringen Luxuskarossen Prestige oder auch Geld?

Der Schweizer Autofahrer liebt PS-starke Autos. Basismodelle sind wenig gefragt. Oft werden sie gar nicht angeboten.

Nun aber fällt an der Genfer "Motorshow" auf, dass das Angebot im Bereich aus dem sich die Normalsterblichen abmelden, gigantisch ist. Die Karossen, die gleich viel oder mehr kosten als ein Einfamilienhaus in der (teuren) Schweiz, sind zahlreich. Wie auch bald alle Marken ihren Formel-1-Boliden am Stand ausstellen.

Nicht nur die traditionellen Sportwagen wie Ferrari, Maserati, Porsche oder Lamborghini buhlen um die ganz Reichen der Welt. Das tun bald alle Marken. Bentley und Rolls Royce lassen grüssen. Jetzt steigen auch von Volkswagen bis Peugeot und Skoda praktisch alle Hersteller in die Oberklasse ein.

Besonders aber Mercedes. Schon bis anhin keine Marke für bescheidene Budgets. In Genf kann der Besucher, die Besucherin, die Nase an einer Scheibe plattdrücken. Dahinter steht der wuchtige Maybach. Mercedes lässt die Marke - die allerdings ihre Blütezeit ausgerechnet in der Nazi-Zeit hatte - wieder aufleben und man fragt sich, wer kauft das Ding, das 450'000 Franken kosten soll, denn auch tatsächlich? Das fragt man sich generell, geht die Rechnung bei all dem Luxus, der da angeboten wird, auf. Und werden da nicht Beschlüsse der Chefetagen umgesetzt, welche in den vergangenen Boomjahren gefällt wurden und die man nicht zu stoppen wagte?

Innovationen muss man suchen

Wohin also geht die Fahrt? In diesem Jahr ist die Antwort in Genf nicht einfach zu finden. Sämtliche Hersteller bieten vor allem PS-starke Mittel- bis Oberklasswagen an. Das Auto hat eine Qualität erreicht, die nur schwer überboten werden kann.

Deshalb setzen die Hersteller vor allem auf den Innenraum. Hier wird die Elektronik und alles, was um sie herum möglich ist, ausgebaut. Vom Navigationssystem bis hin zum heizbaren Sitz. Bald lebt es sich im Auto besser als ausserhalb.

Dass die althergebrachte 12 Volt-Batterie all die Elektronik bald nicht mehr bewältigen kann, liegt auf der Hand. Fragt man allerdings nach der neuen 48 Volt-Batterie, dann weichen die Hersteller aus. Offensichtlich ist man noch nicht so weit, oder der Markt ist noch nicht bereit.

Andere Hersteller zeigen uns "Steering by wire". Da klappt das Lenkrad nach oben oder verschwindet in der Türe. Denn keine Lenksäule, sondern Sensoren steuern.

Der französische Autobauer Renault verblüfft mit Autos, die ganz anders gestylt sind: Vel Satis und Avantime heissen sie, und die Form ist wirklich gewöhnungsbedürftig.

"Wir wissen das", sagt man bei Renault. "Wir wollten nicht mit einer traditionellen Mittel- bis Oberklasselimousine die deutschen Hersteller herausfordern, da hätten wir wohl den Kürzeren gezogen. Deshalb tun wir es mit ganz neu gebauten und gestylten Modellen." Dass das eine Gratwanderung ist, weiss man bei Renault.

Ein weiterer Höhepunkt am Genfer Autosalon ist sicherlich das Hybrid-Auto von Toyota, welches dank eines neuartigen Hybridantriebes fährt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus Elektro- und konventionellem Benzinmotor.

Diesel kommt

In der Schweiz sind Dieselfahrzeuge nicht sonderlich verbreitet. Das hat auch mit dem höheren Preis des Treibstoffes gegenüber Bleifrei zu tun. Aber auch mit der Abgas-Problematik. Dieselabgase gelten als krebsfördernd.

Bis 2008 muss aber (eine freiwillige Vereinbarung zwischen Regierung und Autobauer) der Benzinverbrauch in der Schweiz um rund 20% gesenkt werden. Sonst droht die CO2-Abgabe. Da drängen sich Dieselfahrzeuge auf. Sie haben günstigere Verbrauchswerte.

Die Branche fordert eine Verbilligung, sprich eine Reduktion der Zollzuschläge, und gleichzeitig werden Partikelfilter entwickelt, welche die Abgase des Diesels reinigen. Toyota und vor allem Peugeot zeigen in Genf, dass man schon eine ausgereifte Technik serienmässig anbieten kann.

Die Frau und das Auto

Wie immer räkeln sich in Genf wieder tolle Models auf Kühlerhauben und stehen leicht bekleidet neben den Fahrzeugen. Offensichtlich geht es nicht ohne. Alfa Romeo hat die Miss Schweiz, Jennifer Ann Gerber, verpflichtet. Wie die schöne Schweizerin swissinfo anvertraute, will sie während dem Salon in Genf mindesten zwei Alfas verkaufen. "Ich werde mich voll dafür einsetzten", versprach Gerber.

Urs Maurer

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