Wieso kein Monsun einen nassen Sommer bedeuten kann

If they don't get it, we might - no monsoons can mean wet summers elsewhere Romeo Ranoco / Reuters

Wissenschaftler müssen noch die Diebe finden, die weite Teile Europas um den Sommer 2014 gebracht haben. Das berühmteste "Jahr ohne Sommer" war 1816, und Schweizer Forscher glauben zu wissen, wieso es damals nass und kalt war.

Dieser Inhalt wurde am 21. September 2014 - 11:00 publiziert
swissinfo.ch

2014 waren die Temperaturen im Sommer niedriger als im langjährigen Durchschnitt, und es regnete mehr. Allerdings führte der gute Frühling zu hervorragenden Ernten für die Obstbauern.

Vor knapp 200 Jahren war das anders. Damals wurde die Landwirtschaft hart getroffen, es gab Hungersnöte, und auch in der Schweiz verhungerten Menschen.

Ein internationales Team des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung an der Universität Bern hat die Kette der Ereignisse identifiziert, die wahrscheinlich zu diesem katastrophalen Sommer 1816 geführt hatten.

Der Zusammenhang zwischen Vulkansausbrüchen und schlechtem Wetter ist seit Langem bekannt. Die Vulkane speien Staub in die Atmosphäre und blockieren damit die Sonnenstrahlen, was häufig zu einem Rückgang der Temperaturen in den folgenden Monaten oder Jahren führt. Neu kommt die Rolle der Monsune dazu.

"Wir glauben, dass damals Druckabfälle im afrikanischen Monsun verantwortlich waren für den regnerischen europäischen Sommer", sagt Stefan Brönnimann, der Leiter der Studie des Oeschger-Zentrums. Er und sein Team untersuchten den Zusammenhang zwischen 14 intensiven tropischen Eruptionen der vergangenen 400 Jahre und dem Klima in Europa und in den Monsunregionen.

Wieso so feucht?

Die Studie, die im vergangenen Februar publiziert wurde, verwendete Modellsimulationen, um einen Zusammenhang zwischen Vulkanausbrüchen und schwachen Monsunregen herzustellen. "Bei einem Vulkanausbruch gelangen grosse Mengen Aerosole in die Stratosphäre, mikroskopisch kleine Partikel, die das einfallende Sonnenlicht reflektieren. Die verminderte Sonneneinstrahlung nach Vulkanausbrüchen führt zu einem Temperaturabfall, der über den Kontinenten stärker ist, als über den Ozeanen. Aber wieso ist es auch feuchter?", wunderten sich Brönnimann und seine Kollegen.

"Wenn es kühler ist, sollte es auch trockener sein. Weniger Sonnenlicht bedeutet weniger Verdunstung, also sollte die Atmosphäre trockener sein, und es sollte weniger Niederschlag geben", sagt Brönnimann gegenüber swissinfo.ch.

Doch das war im Jahr 1816 überhaupt nicht der Fall, als es in der Schweiz den ganzen Sommer lang praktisch jeden Tag regnete.

Ein Jahr zuvor, im April 1815, brach der Mount Tambora Vulkan im heutigen Indonesien aus und spuckte Asche und Schwefelsäure in die Stratosphäre. Als sich das Gas langsam auf die Polarkappen zubewegte, wurde das Sonnenlicht vom Planeten weg reflektiert, was zur Folge hatte, dass die Landmassen abgekühlt wurden und der Temperaturunterschied über dem Land und dem Wasser kleiner wurde.

Verschiebung nach Süden

"Im Sommer ist es in der Regel in der Sahara-Wüste sowie über Indien und über der tibetischen Hochebene sehr heiss. Das zieht Luft an, und das ist der Monsun. Wenn aber die thermischen Gegensätze zwischen Land und Meer schwach sind, dann ist auch der Monsun schwach", sagt Brönnimann.

Wenn das passiert, werden auch die subtropischen Hochdrucksysteme schwächer. "Diese Systeme sind für unsere Sommer verantwortlich. Wenn sie schwach sind, drehen die Stürme stärker nach Süden ab und passieren die Schweiz, statt wie normalerweise Schottland und Norwegen."

Regionen beeinflussen sich

Das scheint nur dann der Fall zu sein, wenn ein tropischer Vulkan ausbricht, was lediglich etwa drei Mal in einem Jahrhundert passiert. Ausbrüche in Island etwa haben andere Auswirkungen, denn die lokalen Niederschläge befreien die Luft relativ schnell von den lästigen Materialien, bevor diese das Wetter anderswo beeinflussen können. "Die Studie zeigt auf, wie weit auseinander liegende Regionen sich gegenseitig klimatisch beeinflussen können", sagt Brönnimann.

Wie 1816 beeinflussten Vulkanausbrüche auch die Sommer 1902 (nach dem Ausbruch des Santa Maria Vulkans), 1963 (Mount Agung), 1982 (El Tizon) und 1992 (Pinatubo).

Verlorener Sommer

2013 gab keine grossen tropischen Vulkane. Was war also los im Sommer 2014, der grauer, kühler und nässer ausfiel als üblich? "In den kommenden Monaten wird es wahrscheinlich viele Artikel darüber geben. Es könnte lediglich die interne Variabilität der Atmosphäre gewesen sein. Das kommt zuweilen vor", sagt Brönnimann und verweist darauf, dass der Sommer nicht wirklich so kalt gewesen sei.

Laut dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) lagen die Durchschnittstemperaturen im Sommer 2014 weniger als ein Grad unter der zwischen 1981 und 2010 gemessenen Norm. Was die Niederschläge betrifft, verzeichneten die meisten Regionen zwischen 110 und 140% mehr Regen. Im Tessin fielen 200% der üblichen Niederschlagsmengen.

Doch, wer weiss, vielleicht löst der miese Sommer einen grossen Kreativitätsschub aus. Schliesslich fand die Schriftstellerin Mary Shelley ihre Inspiration für Frankenstein im Jahre 1816 bei düsterem Wetter am Genfer See.

Nach 200 Jahren

Vom 7. bis 11. April 2015 wird das Oeschger-Zentrum der Universität Bern Gastgeber einer Internationalen Konferenz über Vulkane, Klima und Gesellschaft sein. Es handelt sich um eine Gedenkveranstaltung zum 200. Jahrestag der Tambora Eruption.

Neben Betrachtungen der Wissenschaft über Vulkane und deren Auswirkungen auf das Klima und die Nahrungsmittelsicherheit, werden die Teilnehmer auch die kulturellen Beiträge dieser schlechten Sommer reflektieren.

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