Wie die Schweiz darum kämpft, Renten für kommende Generationen zu sichern

Corinna Staffe
Sonia Fenazzi und Corinna Staffe (Illustration)

Viele Staaten suchen nach Möglichkeiten, um einen Zusammenbruch ihres Renten- und Pensionssystems zu vermeiden. In der Schweiz gibt es für diese Sanierungsversuche eine zusätzliche Hürde: die direkte Demokratie. Das erschwert das Unterfangen für Reformen.

Die Schweiz kennt für die Altersvorsorge ein ausgeklügeltes System: Es beruht auf drei Säulen. Als erste Säule gibt es die obligatorische Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV), als zweite Säule die berufliche Vorsorge (BVG) und als dritte Säule die steuerlich begünstigte private Vorsorge.

Dank den drei unterschiedlich finanzierten Säulen trägt die Schweiz gemischte Risiken. "Die Schweiz gilt im Ausland mit ihren drei unterschiedlich finanzierten Säulen der Altersvorsorge immer als Vorbild", sagte Thomas Gächter, Professor für Sozialversicherungsrecht an der Universität Zürich, gegenüber swissinfo.ch in einem früheren Artikel. "Das Modell ist super, aber leider wurde es nicht fertiggebaut."

Dieses Modell verschafft der Schweiz sicherlich einen Vorteil gegenüber anderen Staaten, rettet das Land aber nicht vor den negativen Folgen einer alternden Bevölkerung. Gemäss Prognosen können die Renten der künftigen Generationen ohne Korrekturmassnahmen nicht mehr garantiert werden. Gächter spricht in dieser Hinsicht Klartext: "Die Bombe tickt."

Obwohl die Schweizer Regierung immer wieder darauf hinweist, dass die Zeit davonläuft, bleibt das helvetische Renten- und Pensionssystem seit Jahrzehnten eine Dauerbaustelle, deren Ende nicht absehbar ist.

Die Regierung hat von einem "globalen chirurgischen Eingriff" Abstand genommen und betreibt eine "Pflästerlipolitik" der kleinen Schritte. Diese Strategie wurde gewählt, nachdem nach 2004 alle grossen Reformvorhaben für die Altersvorsorge im Parlament oder vor dem Volk gescheitert sind.

Der Wind hat nach der 11. AHV-Reform gedreht. Bis dahin brachten alle Reformvorhaben eine Konsolidierung oder sogar eine Verbesserung des Rentensystems. Es war somit leichter, bei einer Volksabstimmung eine Mehrheit des Volkes zu überzeugen.

Seit die Reformprojekte hingegen Verschlechterungen im Rentensystem zur Folge hatten, erwies sich die direkte Demokratie als hohe Hürde. Es wurde viel schwieriger, die Vorlagen beim Volk in Abstimmungen durchzubringen.

Zu dieser Entwicklung trägt bei, dass die überwiegende Mehrheit der jungen Wahlberechtigten, welche mit einschneidenden Massnahmen verhindern wollen, dass die AHV in die roten Zahlen gerät und künftige Generationen die Zeche bezahlen müssen, gar nicht an die Urne geht. Hingegen ist die Beteiligung an den Volksabstimmungen unter älteren Menschen und denjenigen, die kurz vor der Rente stehen, sehr hoch.  Und diese wollen ihren Besitzstand wahren.

Das Renten- und Pensionssystem steht inzwischen an erster Stelle im Sorgenbarometer der Schweizerinnen und Schweizer. Zugleich ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Fähigkeit der Politiker, das Problem der Altersvorsorge zu lösen, drastisch gesunken.

Nun ist die Frage: Gelingt es den politischen Entscheidungsträgern mit der dem Parlament unterbreiteten Reform AHV 21, die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich zu scharen? Oder wird das Vertrauen in die Politiker noch weiter schwinden?

Sicher ist, dass das Projekt sehr kontrovers diskutiert werden dürfte.

Darum geht es:

Eine der umstrittensten Punkte dieses Regierungsvorschlags ist zweifellos die Erhöhung des Rentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre. Dass die Frauen bis anhin in der Schweiz ein Jahr früher in Rente gehen können als Männer, wird von einigen Seiten hart kritisiert, weil man darin auch im europäischen Vergleich ein Privileg sieht.

Die Gegner einer Erhöhung des Rentenalters entgegnen, dass die Frauen in der Schweiz während ihrer Erwerbstätigkeit in der Regel geringere Löhne haben als Männer.​​​​​​​

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