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Wie erwartet: Sarkozy wird neuer Präsident

Nicolas Sarkozy begrüsst seine Anhänger nach der gewonnenen Wahl. Keystone

Der Konservative Nicolas Sarkozy hat die Stichwahl um die französische Präsidentschaft klar gewonnen.

Dieser Inhalt wurde am 06. Mai 2007 - 22:26 publiziert

Sarkozy kam im zweiten Wahlgang auf gut 53% der Stimmen, seine sozialistische Herausforderin Ségolène Royal auf knapp 47%. Die Wahlbeteiligung lag bei 85%.

"Das Volk hat den Aufbruch gewählt", sagte Sarkozy in seiner ersten Ansprache vor jubelnden Anhängern in Paris. "Und ich werde ihn ins Werk setzen."

Der künftige Chef im Élysée-Palast zollte seiner unterlegenen Rivalin Respekt. Millionen Franzosen hätten sich in ihren Ideen wiedergefunden. Er werde der "Präsident aller Franzosen" sein, sagte er und erhob den Kampf gegen den Klimawandel zu seiner obersten Priorität.

Zugleich bekräftigte der bürgerliche Politiker noch einmal, dass er Arbeit, Autorität, Moral und Respekt aufwerten und den Franzosen den Stolz auf ihr Land zurückbringen wolle.

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hat am Sonntagabend dem künftigen französischen Präsidenten zu seinem Wahlsieg gratuliert.

Sarkozy erreichte das beste Ergebnis eines bürgerlichen Kandidaten gegen einen linken Konkurrenten seit 1969 und zieht nun als Nachfolger von Jacques Chirac für die nächsten fünf Jahre in den Élysée-Palast ein.

Royal scheiterte mit dem Versuch, als erste Frau das höchste Staatsamt zu erobern. Kurz nach Veröffentlichung der Hochrechnungen um 20 Uhr räumte sie ihre Niederlage ein. Sie wünsche, dass sich der neue Präsident in den Dienst Frankreichs stelle, sagte sie vor tausenden Anhängern in Paris.

Zugleich meldete sie ihren Anspruch an, auch weiter eine wichtige Rolle in der Sozialistischen Partei übernehmen zu wollen.

Kein Einfluss auf Beziehungen zur Schweiz

Benedikt von Tscharner, ehemaliger Schweizer Botschafter in Frankreich, war vom klaren Resultat etwas überrascht.

"Doch die Fernsehdebatte und die letzten Tage der Wahlkampagne haben die Französinnen und Franzosen wohl davon überzeugt, dass Sarkozy seine Versprechen auch in Taten überführen wird", sagte er gegenüber swissinfo.

Die Frage, ob die Wahl einen Einfluss auf die Beziehungen zwischen Frankreich und der Schweiz habe, verneinte der frühere Botschafter: "Die Schweiz ist an einem funktionierenden Europa und einem funktionierenden Frankreich interessiert. Wir sind eng verbunden und das wichtigste ist für uns, dass sie keine Krise haben."

Jean-Pierre Capelli, Präsident der Vereinigung der Franzosen in der Schweiz und Anhänger von Ségolène Royal, zeigte sich enttäuscht: "Die populistischen Reden von Sarkozy waren wohl besser zu vernehmen. Das Erscheinen von Sarkozy erinnert mich an dasjenige von Berlusconi vor sechs Jahren", sagte er gegenüber swissinfo.

"Das Ausmass dieses Siegs überrascht mich nicht besonders", sagte Claudine Schmid, Koordinatorin der Union der Auslandfranzosen in Zürich. "Nicolas Sarkozy war ein guter Kandidat, Ségolène Royal dagegen gehörte nicht zu den Schwergewichten ihrer Partei und hatte nicht deren volle Unterstützung."

Klar rechtsgerichtetes Programm

Die Präsidentschaft bleibt nun nach dem Ende der zwölfjährigen Ära Chirac weiter in Hand der Konservativen. Der 52 Jahre alte Sarkozy, der auch Vorsitzender der Regierungspartei UMP ist, hatte den Wahlkampf mit einem dezidiert rechtsgerichteten Programm bestritten.

Es sieht Steuersenkungen, Einschnitte in Sozialleistungen, eine Lockerung der 35-Stunden-Woche und eine Verschärfung des Einwanderungsrechts vor.

Höchste Wahlbeteiligung seit 40 Jahren

Zur Stichwahl strömten die Franzosen erneut in grosser Zahl an die Urnen. Meinungsforscher schätzten die Wahlbeteiligung auf 85 bis 86%. Sollte sich dies bestätigen, wäre es einer der höchsten Werte in der 1958 gegründeten Fünften Republik.

Sarkozy ging als klarer Favorit in das Duell gegen Royal. Den ersten Wahlgang vor zwei Wochen hatte er mit 31,2% vor Royal (25,9%) und weiteren zehn Kandidaten gewonnen. Der amtierende Staatschef Jacques Chirac hatte nach zwölf Jahren im Élysée-Palast auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

swissinfo und Agenturen

DIE MITTE ENTSCHEIDET

Bei der ersten Runde hatte Nicolas Sarkozy 31,2% und Ségolène Royal 25,9% der Stimmen erhalten.

Wenn man zu den Stimmen des Kandidaten der UMP diejenigen der extremen Rechten dazu zählt (auch wenn Jean-Marie Le Pen zur Stimmenthaltung aufgerufen hat), kommt man auf 45% potentielle Wählerstimmen.

Bei der Linken kann man zu Ségolène Royals Stimmen diejenigen der kleinen grünen oder der extremen linken Parteien rechnen, was 36,4% potentielle Wählerstimmen ergibt.

Seit dem Abend der ersten Runde war klar, dass die Person gewinnen wird, der es gelingt, die Mehrheit der 18,6% Stimmen des Zentristen François Beyrou zu erhalten.

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NICOLAS SARKOZY

Der 52-jährige frühere Innenminister lag in Meinungsumfragen seit Mitte Januar vorne. Mit ihm regiert zum ersten Mal der Sohn eines Immigranten das moderne Frankreich. Sein Vater kommt aus Ungarn.

Als Konservativer der UMP (Union pour un mouvement populaire) verspricht Sarkozy einschneidende Reformen. Die Franzosen sollen mehr arbeiten, Kriminalität und Arbeitslosigkeit soll reduziert werden.

2004 rettete er als Finanzminister den Industriekonzern Alstom und unterstützte die französische Fusion von Aventis und Sanofi, um so eine Übernahme durch den Schweizer Novartis-Konzern zu verhindern.

Nachdem Sarkozy die Aufstände von Jugendlichen in den Vorstädten von Paris mit harter Hand bekämpft hatte, vermied er die armen Quartiere bei seinem Wahlkampf aus Angst vor weiteren Krawallen.

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