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Wie korrekt kleiden sich Schweizer?

Buchautorin und Beraterin Christine Daborn: Klasse ist lernbar.

Internationale Kontakte und Reisen nehmen zu, das Auftreten wird wichtiger. Doch korrekte, allgemein gültige Tenue-Regeln für jeweilige Anlässe scheinen zu fehlen.

Wie stilsicher bewegen sich Schweizerinnen und Schweizer im In- und Ausland? Was unterscheidet sie von anderen, will swissinfo von der Beraterin Christine Daborn wissen.

Mit der Globalisierung nimmt der Bedarf zu, genau zu wissen, wie die Dress Codes bei internationalen geschäftlichen oder öffentlichen Anlässen aussehen.

In der Schweiz ist man trotz der langen Tradition des Aussenhandels, des Vielreisens und damit der ständigen Aussenkontakte vieler Unternehmen nicht immer stilsicher, findet Christine Daborn.

Laut der Beraterin, Spezialistin für Selbstmarketing und Buchautorin werden Kleider-Fauxpas von Männern wie von Frauen, Geschäftsleuten wie Politikern, begangen: Zu lange Jackettärmel, zu dicke Nadelstreifen, bei Businessladies zu Modisches und zu Buntes senden schon im Inland falsche Signale aus – wie erst kommt das dann im Ausland an?

swissinfo: Die starke Lockerung der Kleidersitten hat viele Schweizerinnen und Schweizer des Massstabs beraubt, sobald sie sich aufs strenger reglementierte internationale Parkett begeben. Denn anderswo mag es andersrum laufen - aber wie spürt man das?

Christine Daborn: Im Ausland werden wir Schweizer als etwas exotisches Volk empfunden - und somit outfitmässig als Sonderfall erachtet.

"Hemdsärmlig, behäbig, weniger geschliffen", heisst es dann. Dieses Bild entspricht ja auch unserer Selbsteinschätzung.

swissinfo: Wie weit spiegelt sich der Nationalcharakter auch im Äusseren?

C.D.: Beispielsweise fürchten Schweizer viel mehr als andere, overdressed zu wirken - um dann de facto underdressed zu sein.

Das Understatement des Briten liegt in seiner vornehmen Zurückhaltung. Das Understatement der Schweizer zeigt sich darin, dass er Eleganz als unschweizerisch oder wenig relevant erachtet.

swissinfo: Zeigt sich darin unser demokratisches Denken? Ist dies der Grund, weshalb wir Stufen- und Hierarchie-Codes beim Outfit, wie sie anderswo vermehrt Geltung haben, als bleiern empfinden?

C.D.: Dieses Empfinden basiert auf einem Missverständnis. Das berufliche Aussehen ist Teil der Ausrüstung, nicht der Selbstdarstellung. International geht es beim Dress-Code weniger darum, wer ich bin, sondern was ich arbeite und was ich repräsentiere.

Diese Einstellung ist in der Schweiz noch wenig entwickelt: Hier meint man beim Äusseren, es drehe sich ums Ego, das eigene Gutdünken oder den subjektiven Geschmack.

Über das stufengerechte Kleiden wird in der Schweiz noch vermehrt gesprochen werden müssen. Nicht nur unter Businessleuten, auch bei Politikern. Dort spiegelt die Kleidung darüber hinaus oft auch die jeweilige politische Couleur, wobei das leicht ins Lächerliche gleiten kann.

Schon fast uniformhaft mutet es an, wie sich in der TV-Sendung Arena die auffälligen Unterschiede in der Ankleide der Vertreter der Linken zeigen. In Deutschland ist es bei den Frauen der Grünen genauso. Man sieht sofort, wes Geistes Kind sie sind.

swissinfo: Was stört an einer solchen textilen Ablesbarkeit der politischen Einstellung?

C.D.: Alles Plakative ist kontraproduktiv. Im übrigen Europa trifft man dies weniger an.

Da gibt es zum Beispiel die italienischen Armani-Kommunisten, die lassen sich ihr Äusseres nicht von der Ideologie beeinflussen. So wie sich Ségolène Royal vor der Präsidentschafts-Kampagne zuerst die Zähne hat richten lassen.

swissinfo: Was ist denn outfit-mässig in der Schweiz noch erlaubt, im Ausland jedoch schon verpönt?

C.D.: Oft meinen die Männer in der Schweiz, sie könnten zu einem Anzug Kurzarmhemden tragen. Bequemlichkeit geht ihnen über Korrektheit.

In Italien, wo es im Sommer viel heisser wird, ist das unmöglich. Gerade die sonst kompromissbereiten Italiener geben sich diesbezüglich sehr rigid: Bei Tenue-Fauxpas gibt's kein Pardon.

swissinfo: In welchen Ländern wird man auch als Schweizer tenue-mässig streng beurteilt?

C.D.: Sicher Südeuropa, USA, Japan und China. Aber auch dort werden Fehler gemacht.

Spricht man zum Beispiel vor Publikum, schliesst man das Jackett - wobei das auch für Frauen gilt.

swissinfo: Wie steht es mit dem etikettemässig schwierig einzuschätzenden Orient?

C.D.: Es ist in jedem Land eine Frage des Anstandes der Besucher vor dem Gastgeber, sich anzupassen.

In konservativen Ländern wirkt es respektlos, wenn Frauen ärmellos oder im Hosenanzug auftreten. Der Hosenanzug ist formell eine Stufe tiefer als das Kostüm und deshalb für offizielle Auftritte allgemein nicht geeignet.

swissinfo-Interview: Alexander Künzle

Fakten

Christine Daborn-Doering ist Juristin mit einer Management-Karriere in Wirtschaft, Kultur und Öffentlichem Dienst.
Sie ist Begründerin der "Personal Identity" und Autorin verschiedener Bücher.
Ihr Bestseller "Kam, sah und siegte – Klasse ist lernbar" ist soeben in 3. Auflage erschienen, auch als Hörbuch.
Darin finden sich alle internationalen Dress-Codes.

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Kleider machen Leute

So schrieb der Schweizer Autor Gottfried Keller schon im 19. Jahrhundert.

Heute geht es bei Dress Codes um Richtlinien für das äussere Erscheinungsbild einer Person, die beruflich oder öffentlich auftritt.

Wenn in der Schweiz der Krawattenzwang oft wegfällt, heisst das nicht, dass in anderen Ländern dasselbe gilt.

Wenn in der Schweiz Hosenanzüge für Frauen als elegant erachtet werden, heisst das noch lange nicht, dass das in Asien ebenfalls der Fall ist.

Die Schweiz unterscheidet sich in den Kleiderregeln dadurch von anderen Ländern, dass weniger auf äussere Etikette geachtet wird.

Dennoch ist eine korrekte Kleidung für das Ansehen entscheidend.

Da die Jungen zwar stark Modezwängen unterworfen, aber kaum noch mit Korrektheits-Zwängen konfrontiert sind, führen viele Unternehmen Kleidungs-Richtlinien ein.

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