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Wilhelm Tell auf der Bühne

Im Zentrum der Fussgängerzone in Altdorf steht ein rotes Haus. Gelebt hat Wilhelm Tell hier zwar nie, doch lebt er hier regelmässig wieder auf.

Einige Schritte weiter wird die Aufführung von Friedrich Schillers Stück geübt. Jeden Sommer versetzen sich die lokalen Theater-Begeisterten in die Rolle der Protagonisten des Theaterstücks.

In Uri gehen die Wurzeln dieses Brauchs im Gedenken an Tell tief. In Altdorf wurde bereits 1512 ein Stück aufgeführt, das von seinen Heldentaten erzählt. Seither zeigt die Bevölkerung regelmässig den Gründungsakt der Eidgenossenschaft auf der Bühne.

Jedem seine Rolle

1898 verankert sich die Tradition noch tiefer im Urner Hauptort. Der Männerchor des Dorfs löst eine riesige Theatermaschinerie aus.

Alle zwei Jahre lebt Tells Epos dank einer beeindruckenden Truppe wieder auf: 150 Schauspielerinnen und Schauspieler, und ein paar Pferde. Es ist zwar immer Schillers Text, die Aufführung jedoch ist immer wieder etwas anders.

"Zu Beginn machte man aus Prestigegründen mit", erinnert sich
der pensionierte Koch Ernst Gunti, der dreissig Jahre lang den Tell verkörperte. "Die Staatsvertreter spielten die Rollen der Staatsvertreter, die Bauern stellten Bauern dar. Wie gut jemand spielen kann, spielte keine Rolle."

Heute ist diese soziale Auswahl verschwunden. "Heute verteilen die Regisseure die Rollen nach den Fähigkeiten der Darsteller."

Wandel der Zeit

Auch der Ort ist nicht mehr der gleiche. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Stück jeweils in einer Holzhütte am Ortsrand aufgeführt.

1925 kam man in den Ort zurück. Im Zentrum von Altdorf wurde ein richtiges Theater eingeweiht: das "Tellspielhaus".

Hier ist alles darauf ausgerichtet, den Wilhelm Tell aufzuführen. Es wurde sogar ein Zugang für zwei Pferde eingerichtet. Bis 1991 ritt Gessler auf seinem Streitross ein.

"Danach gab es wieder Änderungen. Das war wohl nötig", meint Gunti ein wenig bitter. "Aber es ist nicht mehr wie früher."

Nach einer langen Pause wird die Tradition 2004 für die Zweihundertjahrfeier wieder aufgenommen. Die Zeiten ändern sich. Vor einigen Jahren hat der Verein, der das Theater baute, seine Aufgaben dem Staat übergeben. Jetzt liegt die Verwaltung bei der Gemeinde Altdorf und beim Kanton Uri.

"Jetzt trägt das Theater den Namen Tellspielhaus nur noch, wenn Schillers Stück aufgeführt wird. Wir haben es in 'Theater Uri' umgetauft, um den Übergang in eine neue Ära zu verdeutlichen", erklärt Direktor Heinz Keller.

Heute werden jährlich über 200 Vorstellungen vor insgesamt 35'000 Zuschauenden gegeben. Als Spiegel einer sich wandelnden Gesellschaft steht das Theater nun auch der zeitgenössischen Kunst offen. Aber Wilhelm Tell behält seinen Platz.

swissinfo, Daniele Papacella und Alexandra Richard
(Übertragen ausa dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Seit dem 16. Jahrhundert beherrscht Wilhelm Tell die Szene in der Innerschweiz.

Zuerst waren es die Troubadoure, die in Volksliedern seine Abenteuer besangen und ihn damit zur Legende machten.

Dann lebte der Nationalheld durch das Volkstheater auf den Dorfplätzen immer wieder auf.

Nach und nach wurde sein Widerstand gegen die Staatsgewalt mit den historischen Ereignissen verbunden, die zur Unabhängigkeit der drei Urkantone führten.

Später lässt Schillers Werk die Sage wieder aufleben und bringt sie in eine abgerundete Form.

1899 wird ein Verein gegründet, der für die Tell-Aufführungen eine Holzhütte baut. Mit der Zeit werden die Aufführungen zur Tradition.

1925 erhält Wilhelm Tell in Altdorf ein richtiges Theater.

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