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Willisau - Konstante in einer turbulenten Szene

Zum 30. Mal dokumentiert das Jazz-Festival Willisau Tendenzen des aktuellen Jazz. Der Free-Jazz der ersten Stunde trifft auf HipHop, World Music und Funk.

Zum Jubiläum ist ein Buch zur Geschichte des Phänomens Willisau erschienen.

Willisau folgt – im Gegensatz zu den grossen europäischen Sommerfestivals - nicht dem musikalischen Mainstream, sondern den aktuellen Jazzentwicklungen. "Für die Programm-Gestaltung bin ich alleine verantwortlich und mein persönlicher Geschmack spielt ohne Zweifel eine zentrale Rolle", sagt Gründer und Organisator Niklaus Troxler gegenüber swissinfo.

1975, am ersten Festival, spielten in Willisau Grössen des afro-amerikanischen und europäischen Free-Jazz. Trotz dem anspruchsvollen Programm wurde das Festival ein Erfolg.

Der Marktflecken im Luzerner Hinterland genoss bei den Fans bereits ein ausgezeichnetes Renommee. Troxler – im Hauptberuf Grafiker - hatte bereits 1966 mit der Organisation von Konzerten begonnen.

Die Jazz-Avantgarde hatte in Willisau eine ihrer raren, regelmässigen Plattformen: "Chic Corea spielte bei uns sein erstes Solokonzert in der Schweiz. Keith Jarrett war mehrmals da. Radio DRS 2 hat die Konzerte übertragen, und es erschienen die ersten Schallplatten", so Troxler.

Weniger Stammgäste – jüngeres Publikum

In den ersten zehn Jahren überlebte das Jazz-Festival Willisau auch dank seinen treuen Stammgästen. "Diese machten mindestens zwei Drittel der Besucherinnen und Besuchern aus", erzählt Meinrad Buholzer im Gespräch mit swissinfo.

Buholzer, Autor des zur 30. Auflage des Festivals erschienen Buches "Jazz in Willisau", stellt fest, dass sich die Publikums-Struktur in den vergangenen Jahren verändert hat.

Die Zahl der Stammgäste sei stark zurückgegangen. "Es ist Troxler jedoch gelungen, ein neues, jüngeres Publikum anzuziehen."

Neben den freien Spielarten des Jazz habe sich das Festival auch für verwandte Musikrichtungen geöffnet. "World Music, HipHop und Funk haben heute in Willisau ihren festen Platz, verleugnen aber ihre Verbindung zum Free-Jazz nicht", so Buholzer.

Breitgefächertes Programm

Die Öffnung gegenüber verschiedenen Crossover-Tendenzen mit Bezügen zum Free-Jazz ist auch im Programm des 30. Jazz-Festivals erkennbar.

Der von seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Tom Waits bekannte Gitarrist Marc Ribot ist ein Grenzgänger zwischen den Stilen.

In Willisau wird seine "Spiritual Unity" Kompositionen des 1970 im Alter von 34 Jahren verstorbenen Free-Jazz-Saxophonisten Albert Ayler spielen.

Der Bassklarinettist und Saxophonist Michel Portal, mehrfacher Preisträger in der Sparte Klassik und einer der Väter der französischen Free-Jazz-Bewegung, bringt seine Funk-orientierte "Minneapolis Band" mit der Rhythmusgruppe von Prince (Sonny Thompson, Michael Bland) nach Willisau.

Virtuoser Wohlklang und eine Big Band

Der Tenorsaxophonist Fred Anderson war nach 1960 Mitgründer des Musikerkollektivs AACM in Chicago. In Willisau spielt er zum ersten Mal mit der europäischen Free-Music-Pionierin Irène Schweizer zusammen.

"Anderson ist ein lang gehegter Wunsch von mir. Irène war bereits 1975 am ersten Festival dabei. Ich habe ihr deshalb das Projekt mit Anderson vorgeschlagen und denke, das wird spannend", freut sich Organisator Troxler.

Dem virtuosen Wohlklang verpflichtet ist das Trio "E.S.T." aus Schweden, das am Eröffnungsabend auftritt. Für das Schluss-Feuerwerk ist das "Vienna Art Orchestra" mit der Premiere seines neuen Programms "Big Band Poesie" mit verfremdeten Zitaten aus der Geschichte der grossen Big-Bands zuständig.

Gesucht: Hauptsponsor

Willlisau ist längst eine Institution im europäischen Festival-Kalender und in Jazzkreisen auf der ganzen Welt ein Begriff. Die öffentliche Hand unterstützt den Anlass mit mehr als 200'000 Franken.

Trotzdem kämpft Troxler immer wieder mit finanziellen Problemen. Vor einem Jahr ist der Hauptsponsor ausgestiegen. Ein neuer ist noch nicht gefunden.

"Verschiedene kleinere Sponsoren haben dieses Mal ihre Beiträge erhöht, so dass wir am Programm keine Abstriche vornehmen mussten", hält Troxler. fest. "Aber für die Ausgabe 2005 brauchen wir wieder einen oder zwei Hauptsponsoren."

swissinfo, Andreas Keiser

In Kürze

Das 30. Jazzfest Willisau findet vom 26. – 29. August 04 statt.

Das Hauptprogramm umfasst 6 Konzerte mit insgesamt 14 Gruppen.

Im Nebenprogramm treten Gruppen aus der Region auf.

Organisator Niklaus Troxler erwarte mehr als 7000 Besucherinnen und Besucher.

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