Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Willkommen im Schweizer Regenwald

Bald werden die 600 bis 700 Bäume so hoch gewachsen sein, dass die Halle kaum noch zu sehen sein wird.

(Keystone)

Am Montag öffnet der Zoo Zürich die Masoala-Regenwaldhalle für die Besucher. Zu erleben ist ein nahezu authentischer Ausschnitt des Masoala Regenwaldes in Madagaskar.

Die 52 Mio. Franken teure Zoo-Anlage der Superlative wurde vollständig privat finanziert.

Atemberaubend ist sie, die neue Masoala-Regenwaldhalle im Zoo Zürich. Doch ist es nicht allein das Klima mit Temperaturen von über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent, das den Besucherinnen und Besuchern beim Durchstreifen der Halle den Atem verschlägt.

Atemberaubend ist vor allem die Üppigkeit der rund 17'000 Pflanzen, das Grün in allen Schattierungen, die Landschaft mit Bächen, Wasserfällen, Hügeln und Inseln und natürlich die schiere Grösse der Halle mit einer Fläche von fast zwei Fussballfeldern und einer Höhe von 30 Metern.

Entdeckungsreise

Die Tiere sieht man nicht unmittelbar, sie gilt es erst im vielen Grün zu entdecken. Denn Gitter gibt es im Masoala Regenwald keine, alle Tiere bewegen sich frei und haben die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.

Noch sind nicht alle Tiere eingetroffen. Doch bald werden neben den Lemuren (Halbaffen), Schildkröten, Geckos, Vögel und Insekten auch Flughunde und vielleicht sogar Fingertiere zu bestaunen sein.

Die verschiedenen Lebensräume der Halle lassen sich auf kleinen und grossen Pfaden durchstreifen. Vorbei an Rosen- und Ebenholz, dem Wasser speichernden "Baum der Reisenden", der Insekten fressenden Kannenpflanze. Die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt Madagaskars ist in der Halle direkt erlebbar.

Sensibilisierung für den Regenwald

Die Masoala-Regenwaldhalle ist für den Zoo Zürich ein wichtiger Meilenstein zur Umsetzung seines neuen Leitbildes. Es geht nicht mehr um die Zurschaustellung möglichst vieler Tierarten, sondern um die Sensibilisierung der Besucherinnen und Besucher für die Bedürfnisse der Tierwelt und der Natur.

"Erst wer selbst einmal mittendrin steht in dieser einmaligen Fülle von Pflanzen und Tieren, wird die wahre Bedeutung dieses Lebensraumes erfahren. Und erfassen können, was seine Zerstörung für unsere Erde bedeutet", erklärt Zoodirektor Alex Rübel.

Mit einem Zitat des senegalesischen Ökologen Baba Dioum bringt Rübel das Credo der modernen Zoos zum Ausdruck: "Letztlich werden wir nur das erhalten, was wir lieben. Wir lieben nur, was wir kennen. Wir kennen aber nur, was wir selbst gesehen haben." Die Regenwald-Halle wird so zur Botschafterin für den bedrohten Regenwald.

Partnerschaft mit Nationalpark

Die Masoala-Halle bietet einen nahezu authentischen Ausschnitt des Masoala Regenwaldes in Madagaskar. Die Masoala-Halbinsel im Nordosten ist eines der drei artenreichsten Gebiete der Welt.

Der Lebensraum Regenwald ist stark bedroht durch die illegale Abholzung von Edelhölzern wie Palisander oder Ebenholz durch verarmte Kleinbauern.

1997 wurde mit Unterstützung des Zürcher Zoos der Masoala Nationalpark gegründet, um die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. Der Park ist ungefähr so gross wie die Kantone Zürich und Glarus zusammen.

Technische und logistische Meisterleistung

Die Masoala-Halle ist eine der modernsten Zooanlagen der Welt und eine technische Meisterleistung. In nur drei Jahren Bauzeit wurde ein Ökosystem aufgebaut, welches sich weitgehend selbst reguliert. "Die grösste Herausforderung war, eine architektonische Form zu finden, die dem Regenwald Raum lässt", erklärt Architekt Christian Gautschi.

Damit das Klima stimmt, wurden modernste Materialien verwendet. Ein neu entwickeltes extrem lichtdurchlässiges Foliendach isoliert die Halle und ermöglicht das Überleben der sensiblen Regenwaldpflanzen. Die riesigen Stahl-Träger müssen Temperatur-Differenzen von bis zu 70 Grad standhalten.

Aber auch der Transport der Pflanzen war eine logistische Herausforderung. Laut Projektleiter Andreas Hohl wurden noch nie so grosse Bäume transportiert. Zudem mussten sämtliche Pflanzen vier bis sechs Monate in Quarantäne.

Zentrales Element der Halle ist die Beregnungs-Anlage. Pro Tag werden 80'000 Liter Wasser benötigt, um es drei Mal sintflutartig regnen zu lassen. Damit möglichst selten Trinkwasser verwendet werden muss, wird das Regenwasser gesammelt und in eine Zisterne geleitet.

Bei der Planung der Halle musste zudem auch die gesamte Öko-Bilanz berücksichtigt werden. "Wir durften keine Energieschleudern aufstellen, sonst ist der Zoo nicht mehr glaubwürdig," betont Zoo-Präsidenten Rolf Balsiger.

Wissen zum Handeln

Während in der Regenwald-Halle das Erleben im Zentrum steht, soll der Besucher im sehr gelungenen Info-Pavillons motiviert werden, selbst etwas zur Erhaltung der Natur zu tun und durch Spenden den Masoala Nationalpark zu unterstützen.

Da richtiges Handeln Wissen voraussetzt, kann sich der Besucher interaktiv über Madagaskar, den Regenwald oder über die Zusammenhänge von Weltmarktpreisen, Armut und Regenwald-Zerstörung informieren.

Der Zoo selbst möchte jedes Jahr rund 100'000 Dollar für Madagaskar sammeln: teils Spenden der Besucher der Halle, teils Gewinne aus dem Masoala-Shop und dem Restaurant. Als Gegenleistung für den Pflanzenexport hat der Zoo bisher 320'000 Dollar in Madagaskar investiert.

swissinfo, Hansjörg Bolliger

Fakten

Die Ökosystemhalle des Zoos Zürich ist das grösste Gebäude seiner Art in Europa
Breite: 90 m
Länge: 120 m
Höhe: 30 m
Fläche: 11'000 m2
17'000 Pflanzen
4000 Orchideen
2300 Bäume aus zooeigenen Baumschulen in Madagaskar
Kosten: 52 Mio. Franken, vollständig privat finanziert

Infobox Ende

In Kürze

Madagaskar ist die 4. grösste Insel der Erde (14 mal grösser als die Schweiz) und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt .

Madagaskar besitzt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Die Artenvielfalt einzelner Tiergruppen ist enorm. Es gibt über 60 Chamäleon- und 70 Schlangenarten.

Der Lebensraum Regenwald ist bedroht durch die illegale Abholzung von Edelhölzern wie Palisander oder Ebenholz durch verarmte Kleinbauern.

Infobox Ende

Neuer Inhalt

Horizontal Line


Externer Inhalt

Warum fehlt die weibliche Kunst in den Schweizer Museen?

SWI plus Banner

  • Relevante Meldungen kompakt aufbereitet
  • Fragen und Antworten für die Fünfte Schweiz
  • Diskutieren, mitreden und vernetzen

Mit einem Klick ein Plus für Sie!


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.