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Der Autosalon: Protz und Glanz mit grünem Touch

Für das ganze Sortiment will Ferrari bis 2015 umweltfreundliche Technologien anbieten.

Show Time in Genf: Die Autohersteller setzen ein fröhliches Gesicht auf und präsentieren einmal mehr eine glitzernde Palette neuer Modelle, insbesondere Kleinwagen und Hybrid-Autos.

Mit 100 Welt- und Europa-Premieren erhoffen sich die Autohersteller, die Aufmerksamkeit der Konsumenten für den 80. Internationalen Automobil-Salon in Genf zu erhaschen. Für die Autoindustrie bleibt der Weg hin zum Aufschwung trotz Glamour aber holprig.

Über 700'000 Leute, darunter 10'000 Journalisten, dürften in den nächsten zehn Tagen an die riesige Ausstellung in den Palexpo-Hallen pilgern, um die neusten Autos zu beschauen.

"Die Atmosphäre ist ausgezeichnet", sagt Rolf Studer, Generaldirektor des Autosalons, gegenüber swissinfo.ch. "Im Gegensatz zu den Ausstellungen in Tokio oder Frankfurt konnten wir die zur Verfügung stehende Ausstellungsfläche zu 100 Prozent vermieten. Es gab sogar eine Warteliste."

Neuheiten trotz Krise

Die Budgets der Autohersteller sind zwar strapaziert, aber dennoch ist eine "Rekordernte" zu verzeichnen: So etwa der Audi A1 Supermini, lanciert von Popsänger Justin Timberlake, der Alfa Romeo Giulietta, der Nissan Juke oder der neue VW-Tuareg Offroader. Weitere Stars sind der fünftürige Mini Countryman sowie eine europäische Variante des Focus von Ford in dritter Generation.

Dazu kommt der Trend hin zu immer kleineren Wagen und neuen Technologien, da die Unternehmen sich behaupten müssen oder zumindest nicht abgehängt werden wollen.

Hybrid-Euphorie

In diesem Jahr ist eine ziemliche Begeisterung für Hybrid-Lösungen festzustellen. Der unter Beschuss stehende Autokonzern Toyota lanciert seinen Hybrid-Auris HSD neben einem Prius plug-in Hybrid. Toyota will bis 2020 zu jedem Modell eine Hybrid-Version anbieten.

Mercedes enthüllte seinen bisher ersten Diesel-Hybrid, und BMW fährt mit dem Active Hybrid auf, der Emissionen und Benzinverbrauch um bis zu 10 Prozent verringern soll. Audi, Nissan, Chevrolet und Mitsubishi haben allesamt verschiedene Hybrid- und Elektro-Autos in der Pipeline.

Sogar Supermarken wie Ferrari und Porsche bieten nun auch Hybrid-Versionen an.

"Im SUV-Segment ist die soziale Akzeptanz für Porsche-Kunden sehr wichtig", sagt Klaus Berning, zuständig für Vertrieb und Marketing bei Porsche. "Es ist absolut der richtige Moment, um diese Technologie zu lancieren."

Teurer Nischenmarkt

Nach Einschätzung von Rebecca Lindland, Analystin bei IHS Global Insight, produzieren viele Autohersteller Hybride lediglich, um ihr Image aufzupolieren. Drastische Vorschriften und höhere Benzinpreise seien vermutlich der einzige Weg, um die Konsumenten – und auch die Hersteller – - dazu zu bringen, sich vermehrt für Hybridautos zu begeistern, sagt sie.

Trotz einem gewissen Enthusiasmus bleiben Hybriden ein teurer Nischenmarkt. Zudem erhalten sie Konkurrenz von immer effizienteren Benzin- und Diesellösungen.

Im letzten Jahr betrug der Verkauf von Hybrid- oder Elektrowagen lediglich ein Prozent. Das Automobil-Institut von Pricewaterhouse Coopers erwartet bis 2015 eine geringe Zunahme auf vier Prozent.

Die hohen Preise seien das Haupthindernis für den Absatz grüner Autos, sagt Boris Vetsch von e'mobile, dem schweizerischen Verband für Elektro-Fahrzeuge. Er bedauert aber auch das Fehlen von Anreizen durch die Regierung, um so die Leute zum Kauf umweltfreundlicher Autos zu animieren.

"Umwelt- und Verkehrsminister Moritz Leuenberger hat einen philosophischen Zugang. Er steht zwar hinter dieser neuen Generation von Autos, ist aber gleichzeitig auf die Einnahmen aus der Treibstoffsteuer angewiesen", so Vetsch.

Vorsichtiger Optimismus

Trotz dem üppigen Angebot in Genf hat die Autoindustrie die Krise noch längst nicht überwunden. Auch wenn gemäss jüngsten Statistiken die Autoverkäufe im Februar in Frankreich, Italien und Spanien stark zugenommen haben, geben sich die Hersteller zurückhaltend.

Carlos Ghosn, CEO von Renault und Nissan, rechnet damit, dass der europäische Markt in diesem Jahr um 10 Prozent schrumpft. Und auch Fiat-Präsident Luca di Montezemolo spricht von einem "schwierigen Frühling" in Westeuropa.

Laut Klaus Berning von Porsche ist die Krise noch nicht vorüber. "Wir haben zwar den Tiefpunkt erreicht und es geht langsam wieder aufwärts, aber nicht so steil, wie wir es gerne hätten."

In der Schweiz brachen die Verkäufe 2009 um 7,8% ein, es gibt aber Anzeichen, dass sie wieder anheben. (+5,8% im Januar 2010).

"Wir machen uns besser auf ein weiteres schwieriges Jahr gefasst", sagt Max Nötzli, der Präsident von Auto-Schweiz.

Simon Bradley, Genf, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)

Schweizer Automarkt

Am besten verkauft sich in der Schweiz der VW Golf, gefolgt von Audi, Renault, Ford, Opel und Toyota.

2009 verkauften Schweizer Garagen 266'018 Autos, 7,8% weniger als 2008.

Im Januar 2010 stieg der Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,8%

In der Schweiz sind 4,6 Mio. Wagen zugelassen.

Seit 1970 hat die Zahl der Fahrzeuge pro 1000 Einwohner stetig zugenommen.

Die Zahl ging allerdings von 610 im Jahr 2008 auf 597 im letzten Jahr zurück.

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Automobilsalon Genf

Der Autosalon wurde am 4. März von Bundespräsidentin Doris Leuthard eröffnet.

"Ich fahre gern Auto", sagte sie in ihrer Eröffnungsrede. Für sie sei das Auto gleichbedeutend mit Freiheit. Es gelte aber, "die Gleichung zwischen unserem legitimen Bedürfnis nach Mobilität und den Auswirkungen auf die Umwelt" aufzulösen.

Die Bundespräsidentin plädierte für intelligente Autos und eine intelligente Nutzung von Fahrzeug und Infrastrukturen. Benzinverbrauch und CO2- Ausstoss üssten "signifikant" reduziert werden", forderte Leuthard, denn ein Markt der sauberen Autos sei ein Markt "voller Versprechen".

Die 80. Ausgabe der internationalen Automobil-Ausstellung dauert bis am 14. März.

Es werden rund 100 Welt- und Europapremieren präsentiert, darunter 16 Elektro-Modelle.

Es wird mit 700'000 Besucherinnen und Besuchern gerechnet.

Rund 40 Prozent kommen aus dem Ausland, ein Grossteil aus den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Italien.

Laut den Organisatoren generiert der Autosalon direkte und indirekte Erträge von 300 Mio. Franken.

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