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Euro-Krise Franken wird immer mehr zum sicheren Hafen

Je grösser die Turbulelenzen. desto sicherer erscheint der Schweizer Franken.

Je grösser die Turbulelenzen. desto sicherer erscheint der Schweizer Franken.

(AFP)

Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen in Griechenland und wegen der Euro-Krise suchen Investoren nach sicheren Anlegemöglichkeiten. Mit der Folge, dass der Aufwertungs-Druck auf den Schweizer Franken zunimmt. Die Schweiz versucht, die Anleger draussen zu halten.

Ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro und die Angst vor dessen Folgen für andere Länder wie Spanien oder Portugal macht den Schweizer Franken zum Magneten für ausländische Investoren.

Seit dem vergangenen September verteidigt die schweizerische Nationalbank (SNB) erfolgreich einen Unterkurs von 1,20 Franken zum Euro. Nun besteht die Angst, dass diese Massnahme nicht genügen wird.

Die Nationalbank denkt offenbar über weitere Massnahmen zur Stützung des festgelegten Unterkurses nach. Die Rede ist von Kapitalverkehrs- Kontrollen und einer Besteuerung von ausländischen Investitionen in der Schweiz.

Grosse Sogwirkung

In Zeiten wirtschaftlicher Krisen neigen Investoren unweigerlich dazu, ihre Vermögen in möglichst stabilen Währungen anzulegen, auch wenn sie damit weniger Renditen erzielen können.

Der Schweizer Franken gilt global als einer der sichersten Häfen und hat deshalb eine grosse Sogwirkung auf ausländische Investoren. Diese hat seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 markant zugenommen.

Die Kehrseite ist die Abwertung anderer Währungen gegenüber dem Schweizer Franken und die damit einhergehende Verteuerung der Schweizer Exportgüter.

Wenig Alternativen

Einen zuverlässigen sicheren Hafen zu finden war in den letzten Monaten eine knifflige Aufgabe für Investoren, zumal andere Länder alles daran setzen, dass sie in dieser Hinsicht nicht zu attraktiv werden.

So hat Japan Ende des vergangenen Jahres 120 Milliarden Schweizer Franken in den Markt gepumpt, um die eigene Währung abzuwerten.

Im Fokus stehen auch die schwedische und die norwegische Krone. Doch Ängste wegen ungenügender Liquidität in Schweden und mehrere Währungsrücksetzer in Norwegen haben die Grossinvestoren von Anlagen in diesen Ländern abgehalten.

Am andern Ende der Welt gilt es immer noch als unsicher, ob sich der australische Dollar sich zu einem neuen sicheren Hafen entwickelt. Kürzlich erfolgte Abwertungen des australischen zum amerikanischen Dollar haben den Zweiflern Auftrieb gegeben.

Klassische Anlageklassen

Signale, die auf eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft hindeuten, haben dem amerikanischen Dollar in den vergangenen Wochen gegenüber anderen gewichtigen Währungen Auftrieb gegeben. Traditionell gilt der Dollar als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

Die Finanzkrise, der Kollaps der Hauspreise in den USA und andere Faktoren haben dem Ruf des Dollars in den vergangenen Jahren allerdings zugesetzt. In den letzten Wochen hat das Vertrauen der Investoren in den Dollar wieder etwas zugenommen.

In Europa war in den letzten Monaten eine Verlagerung von Vermögen aus südeuropäischen Ländern in deutsche und niederländische Anleihen, Londoner Grundeigentum und in das britische Pfund zu beobachten.

Anleihen der wirtschaftlich stabilen Länder sind "die klassische Anlageklasse in Zeiten der Rezession", sagt David Kohl, Währungsspezialist bei der Bank Julius Bär.

Widerstand Deutschlands

Der Widerstand Deutschlands, so genannte Euro-Bonds einzuführen, habe zum Ruf des Landes als sicherer Hafen im Euro-Raum beigetragen, sagt Daniel Kalt, Chef der UBS-Vermögensverwaltung.

"Falls Deutschland nachgibt und sich einverstanden erklärt, mehr Schulden der südeuropäischen Länder zu übernehmen, wird einer der grössten sicheren Häfen in Europa verschwinden", sagt Kalt gegenüber swissinfo.ch

Das britische Pfund gelte nur bedingt als sicherer Hafen, so Kalt: "Das Pfund war lange Zeit unterbewertet, doch jetzt ist das wahrscheinlich nicht mehr so."

Die Angst vor dem Sturm

Einige Beobachter gehen davon aus, dass der Aufwertungsdruck auf den Franken in den kommenden Wochen zunehmen wird. Investoren haben in den vergangenen zwei Jahren mehrere Dutzend Milliarden Euro aus Griechenland verschoben und in der Schweiz und weiteren Ländern inklusive Zypern angelegt.

Die Schweiz war bislang in der Lage, diese Geldzuwächse zu absorbieren, doch die Gefahr besteht, dass ein Austritt Griechenlands aus dem Euro zu einem Sturm auf die Banken führen könnte und dasselbe auch in Spanien, Portugal und sogar Italien geschehen könnte, wenn die Panik überhandnähme.

Unter diesen Umständen würde der Schweizer Franken zu einem unwiderstehlichen sicheren Hafen, trotz aller Bemühungen der Schweiz, genau dies zu verhindern.

Frankenkurs

Die neutrale Schweiz mit ihrem starken Finanzsektor gilt seit Jahrzehnten als sicherer Hafen.

Das galt vor allem auch für die Zeit während den beiden Weltkriegen.

Die Nationalbank (SNB) hat den Auftrag, die Preisstabilität zu gewährleisten.

In den vergangenen zwei Jahren verlor der Franken gegenüber dem Euro massiv an Wert. Von einem Wert von 1,40 Franken sank der Eurokurs bis im August 2011 praktisch auf einen paritätischen Wert.

Am 6. September 2011 kündigte die Nationalbank aufgrund der massiven Überbewertung des Frankens die Durchsetzung eines Mindestkurses von 1,20 Franken an.

Seither ist es der Nationalbank gelungen, den Mindestkurs zu halten.

Infobox Ende


(Übertragen aus dem Englischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch


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