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"Schweizer" Abgeordneter auf Frankreichs Präsidentenagenda

Joachim Son-Forget während eines Auftritts in der Nationalversammlung. Assemblée nationale

Der gewählte Abgeordnete der Franzosen in der Schweiz und Liechtenstein nutzt sein Talent als Vermittler, um die internationale Szene zu beeinflussen. Und er begrüsst die Lehrstellen-Reform, die (etwas) vom Schweizer Modell inspiriert ist.

Dieser Inhalt wurde am 30. März 2018 - 14:00 publiziert
Mathieu van Berchem, Paris

Joachim Son-Forget hatte bei den französischen Parlamentswahlen als Kandidat von "La République en Marche" den einzigen Abgeordneten-Sitz der Franzosen in der Schweiz und in Liechtenstein gewonnen. Dieses Mandat übt der 34-Jährige auf globalisierte Art und Weise aus. Zwischen einem Aufenthalt in Südkorea zur Eröffnung der Olympischen Spiele und einem Besuch in Libanon empfängt er seine Besucher in seinem kleinen Büro im modernen Gebäude der Nationalversammlung. "Zumindest hier ist es funktioneller als im Palais Bourbon", verrät der Abgeordnete der Franzosen in der Schweiz und LiechtensteinExterner Link.


Kurz Biografie

1983 Geburt in Südkorea und Adoption in Frankreich.

2005 Master der kognitiven Wissenschaften.

2008 Fortsetzung des Medizinstudiums in der Schweiz.

2012 Er unterstützt François Hollande bei den Präsidentschaftswahlen. Sekretär der Genfer Sektion der Sozialistischen Partei Frankreichs

2016 Engagement für Emmanuel Macron.

2017 In der ersten Runde der Parlamentswahlen am 2. Juni 2017 erhielt er 63,2% der Stimmen, gegenüber 15,7% für seine Hauptkonkurrentin, die scheidende Abgeordnete Claudine Schmid, die für die Republikaner kandidierte. In der zweiten Runde erhielt er 74,94% der Stimmen.

Im November präsentierte er auf dem Kongress von "La République en Marche" eine Liste mit Kandidierenden, die eine offene und transparente Politik verfolgen. Die Liste erhielt 17,66% der Stimmen.

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An seinem Knopfloch trägt der 34-jährige Joachim Son-Forget – anders als die meisten seiner Kollegen - das goldene Abzeichen der Abgeordneten. Vielleicht als Erinnerung daran, dass er Franzose ist? Der junge Schweizer Einwohner mit koreanischer Herkunft spricht perfekt Albanisch und hat eine Leidenschaft für Afrika und den Nahen Osten.

"Freundschaftsgruppen sind ein grossartiges Instrument in der parlamentarischen Diplomatie", sagt der Abgeordnete von "La République en Marche" (der von Präsident Emmanuel Macron gegründeten Partei), Vorsitzender der Freundschaftsgruppe Frankreich-Südkorea, stellvertretender Vorsitzender von Frankreich-Israel, Frankreich-Kosovo und der Studiengruppe Nordkorea.

Günstige Zeit in Korea

Über die jüngsten Ereignisse in Korea äussert sich Joachim Son-Forget, der seine ersten Monate als Waise dort verbrachte, bevor er von einem Ehepaar aus Haute-Marne adoptiert wurde, mit helvetisch geprägter Diplomatie.

"Ich begrüsse den Versuch des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, den Konflikt durch einen Dialog zwischen den beiden Staaten zu entschärfen. Es ist ein Moment des Waffenstillstands, der durch die Olympischen Spiele begünstigt wurde und der später noch einmal überprüft werden muss. Denn es bleiben Fragen, einschliesslich des nuklearen Wettrüstens."

Für den innerkoreanischen Dialog wie für andere Themen setzt Joachim Son-Forget nicht nur auf Diplomatie. Er sieht weiter und setzt auf die Entwicklung der kognitiven Wissenschaften. "Wie funktioniert das Gehirn, was sind dessen Verzerrungen und Grenzen? Und wie kann man diesen besser Rechnung tragen?", sagt der Doktor der Medizin und Neurowissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL).

Kognitive Werkzeuge

"Ich denke darüber nach, als Teil der Denkfabrik "Global Variations", mit Büros in Lausanne, Paris und demnächst in Seoul." Das Ziel ist die Nutzung der kognitiven Wissenschaften zur Änderung der öffentlichen Politik oder des Verhaltens der Menschen, insbesondere über soziale Netzwerke.

"Dies kann sowohl für die Deradikalisierung als auch für die zwanglose Politikgestaltung nützlich sein. Im Zeitalter der 'Post-Wahrheiten' kann uns die Beherrschung dieser kognitiven Werkzeuge auch helfen, der Propaganda bestimmter Staaten entgegenzuwirken."

"Ich habe eher eine schweizerische Art, zwischen Menschen und deren Ideen zu unterscheiden.

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Nutzt der Parlamentarier die kognitiven Wissenschaften in der Nationalversammlung? Wenn er gemeinsam mit Jean-Luc Mélenchon, dem Führer "von France Insoumise" (französische Linke) die Mission "Meere und Ozeane, welche Strategie hat Frankreich" leitet? "Nein, ich habe eher eine schweizerische Art, zwischen Menschen und deren Ideen zu unterscheiden. Mit Mélenchon kommen wir gut zurecht, obwohl ich mich ihm nicht anschliesse, wenn er die Schweizer "Steueroase" angreift.

Einmal pro Woche zieht der Abgeordnete seinen Radiologen-Kittel im Waadtländer Universitätszentrum (CHUV) in Lausanne über. "Das hält meine Füsse auf dem Boden", sagt der hyperaktive Son-Forget. 

Eine grosse Reform des Lernens

Wenn es eine Schweizer Praxis gibt, um die uns Frankreich beneidet, dann ist es jene der Berufslehre. Das Interesse, das François Hollande bei seinem Besuch im Jahr 2015 bekundete, habe zu keinen überzeugenden Ergebnissen geführt", bedauert Son-Forget. Die jetzige Regierung habe nun aber in der Schweiz konkrete Inspirationsquellen gefunden. Arbeitsministerin Muriel Pénicaud, die im vergangenen Herbst die Schweiz besuchte, erläuterte Mitte Februar in groben Zügen ihre Reform.

"Es geht nicht darum, das duale Ausbildungssystem der Schweiz zu kopieren", räumt Joachim Son-Forget ein. Aber einige Aspekte machen sie zu einer wichtigen Reform: Die Finanzierung der Lehrlings-Ausbildungszentren wird vereinfacht. Die Ausbildung wird sowohl für junge Menschen als auch für Arbeitgeber gefördert. Und die Ausbildungskompetenzen werden den Branchen oder Unternehmen anstatt nur dem nationalen Bildungssystem übertragen", sagt de Abgeordnete.

Die Kritik seines "Chefs", Emmanuel Macron, der die Schweiz in ihren Beziehungen mit der EU der Rosinenpickerei bezichtigt, erklärt der gewiefte Diplomat mit wenigen Worten: sich im Binnenmarkt à la carte bedienen: "Die von Brexit geprägte Situation ist schwierig für die Schweiz. Die europäischen Institutionen wollen nicht den Eindruck erwecken, dass man nur nehmen kann, was einem gerade passt, und ablehnen, was einem stört. Angesichts der bereits abgeschlossenen bilateralen Abkommen gibt es nur noch wenige Schritte, um ein vollständiges Vertrauensverhältnis aufzubauen", will der Abgeordnete glauben.

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