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Pestizide Burkina Faso nimmt Syngenta ins Visier



Afrikanische Landwirte sind meist Kleinbauern.

Afrikanische Landwirte sind meist Kleinbauern.

(swissinfo.ch)

Ein Pestizid, das der Basler Agrochemie-Konzern vermarktet, führt in Burkina Faso zu gesundheitlichen Problemen. Das Land will erreichen, dass das Produkt auf die Liste der giftigen Produkte der Rotterdam-Konvention aufgenommen wird.

Hautverletzungen, Fieber, schmerzende Knochen nach einem Hautkontakt, Atmungsschwierigkeiten: Diese und andere Beschwerden könne das Pestizid Paraquat auslösen, das Syngenta unter dem Namen Gramoxone kommerzialisiert.

Zu diesem Schluss kommt eine Pilot-Studie, welche die Behörden von Burkina Faso zusammen der Rotterdam-Konvention durchgeführt haben. Die Konvention – ein Regelwerk der UNO, dem die meisten Länder angehören – regelt den Umgang mit gefährlichen Chemikalien und Pestiziden. Ihre Hauptaufgabe besteht im Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt.

Die Studie untersuchte 650 Landwirte aus drei verschiedenen Regionen in Burkina Faso. Dabei haben sie 296 Fälle von Vergiftungen festgestellt, die auf die Anwendung von Pestiziden zurückgehen. In 20% dieser Fälle besteht der Verdacht, dass Paraquat, das in Graxomone vorhanden ist, der Auslöser ist.

Laut den Forschern verfügen die Landwirte oft weder über entsprechendes Material, noch über das nötige Geld, um solche Produkte sachgemäss einsetzen zu können. Sie fordern nun, dass Paraquat in die Konvention von Rotterdam aufgenommen wird. Auch die Regierung von Burkina Faso hat sich dieser Forderung angeschlossen.

Auch andere Staaten klären Verbot ab

Eine Expertengruppe wird das Dossier Ende März begutachten. Im Falle eines positiven Gutachtens wird sich die Generalversammlung der Rotterdam-Konvention im Jahr 2013 mit der Frage befassen, ob Paraquat in die Liste der giftigen Stoffe aufgenommen wird.

Auf Anfrage von swissinfo.ch wollten weder das Landwirtschafts-Ministerium von Burkina Faso noch der Leiter der Pilotstudie die Frage beantworten, welchen Weg das Dossier aus ihrer Sicht nehmen wird.

François Meienberg, Geschäftsleitungsmitglied der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern, ist nicht überzeugt, dass Paraquat effektiv in die Liste aufgenommen wird. Das Gutachten der Expertengruppe werde ein erster Hinweis zur Beantwortung der Frage sein, so Meienberg. Zudem seien neun Staaten der Sahelzone daran, ein mögliches Verbot von Paraquat abzuklären.

Liste käme Importverbot gleich

Grundsätzlich sind die giftigen Produkte nicht verboten. Es geht vielmehr um die richtige Handhabung. Ein Import in ein Land setzt voraus, dass der Staat vorgängig eine Erklärung unterzeichnet, wonach über die Risiken und Gefahren des Produkts im Bild sei.

Meienberg sieht in einem Verbot eine Chance für all die Länder, die nicht über die Mittel verfügen, um selbst ein Dossier zusammenzustellen oder einen mit allen Details untermauerten Entscheid zu fällen.

Eine Aufnahme in die Liste der giftigen Produkte der Rotterdam-Konvention würde verhindern, dass gewisse Länder Paraquat weiterhin importieren könnten, so Meienberg.

Die Position von Syngenta

Syngenta war auch nach mehrmaliger Nachfrage nicht bereit, gegenüber swissinfo.ch zur Problematik ihres Produktes Stellung zu nehmen. Auf der Website beschreibt der Basler Agrochemie-Konzern Paraquat als "entscheidendes Hilfsmittel, um der wachsenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln, Fasern und Treibstoffen aus der Landwirtschaft gerecht zu werden".

Der Einsatz von Paraquat sei "in der bodenschonenden Landwirtschaft, die mehr Kohlendioxid im Boden bindet als die traditionelle Landwirtschaft, weit verbreitet", so Syngenta weiter.

Der Konzern verfüge über "umfassendes Datenmaterial, das die Sicherheit von Paraquat für Anwender, Verbraucher und die Umwelt belegt". Zudem setzt sich Syngenta laut der eigenen Website "für eine sichere Anwendung seiner Produkte einschliesslich Paraquat ein und bietet dafür umfassende Stewardship- und Trainingsprogramme an. Im Jahr 2007 haben wir weltweit über 3,4 Millionen Bauern im sicheren Umgang mit Pflanzenschutzmitteln geschult".

Neue Strategie

Der Basler Agrochemie-Konzern Syngenta rüstet sich mit einer neuen Strategie für die Zukunft:

Die Zusammenlegung des Pflanzenschutz- und des Saatgutgeschäfts soll den Bauern in aller Welt nützen und dem Konzern zugleich zu Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe verhelfen.

Syngenta-Chef Mike Mack stellte die neue Strategie bei der Präsentation des Ergebnisses für 2010 vor: Während der Umsatz um 6% auf 11,6 Mrd. Dollar anstieg, verharrte das operative Ergebnis des Weltmarktführers bei 1,97 Mrd. Dollar.

Der Reingewinn sank um 1% auf 1,4 Mrd. Dollar. Besonders schnell war die Expansion letztes Jahr laut Mack in den Schwellenländern.

Die Pflanzenschutz- und die Saatgut-Division sollen bis 2012 zusammengelegt werden.

Infobox Ende


(Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser), swissinfo.ch


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