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Visuelle Kommunikation Fachhochschule für Comic-Zeichner in Genf - eine Novität

Schulklasse

Bei der zweijährigen Ausbildung an der Fachhochschule für Comic und Illustration in Genf geht es neben Comics auch um Karikaturen, Animation, Drehbücher, visuelles Erzählen und journalistische Comic-Reportagen.

(Patrick Gilliéron Lopreno)

In einer Genfer Fachhochschule wird erstmals in der Schweiz ein Lehrgang für Comic-Zeichner angeboten. Die Wahl Genfs ist kein Zufall. "Die Stadt war die Heimat von Rodolphe Töpffer, dem Erfinder des modernen Comic", erklärt der Genfer Comics-Zeichner Tom Tirabosco, der sich persönlich stark für die Einführung dieser Ausbildung engagiert hatte.

Tom Tirabosco (51) gehört zu den herausragenden Protagonisten der französisch-sprachigen Welt der Comics (bandes dessinées, BD). Dieser Comic-Zeichner mit seiner humorvollen, scharfen und humanistischen Feder ist auch ein inspirierter Autor von illustrierten Kinderbüchern, von Presse-Karikaturen, Porträts und Selbstporträts, die nicht von einem Glorienschein umgeben, sondern von leicht skurrilem Humor geprägt sind.

Die Fachhochschule für Comic und Illustration (Ecole supérieure de bande dessinée et d’illustrationexterner Link) steht unter Aufsicht der Bildungsdirektion des Kantons Genf. Der Lehrgang dauert zwei Jahre.

Die Studierenden befassen sich neben Comics auch mit Karikaturen, Animation, Drehbüchern, visuellem Erzählen und journalistischen Comic-Reportagen. Der Lehrgang setzt sich aus regelmässigen wöchentlichen Kursen (Theorie und Praxis) sowie Workshops zusammen.

Der Ausbildungsplan wird in Partnerschaft mit dem Berufsverband SCAA (Swiss Comics Artists Association) und der Genfer Hochschule für Kunst und Design (Haute école d'art et de design de Genève, HEAD) erarbeitet.

Die Zulassung erfolgt auf Grundlage von Bewerbungen. Kandidaten und Kandidatinnen müssen grundsätzlich eine Lehre in Grafikberufen oder Mediendesign-Berufen abgeschlossen haben (eidg. Fähigkeitszeugnis, EFZ).

Nach Abschluss der Ausbildung erhalten die Studierenden den Titel eines diplomierten Designers FH in visueller Kommunikation.

Wer das Diplom erhalten hat und noch weiter studieren möchte, kann die Ausbildung an der Hochschule für Kunst und Design (HEAD) fortsetzen, und zwar gleich mit dem 2. Studienjahr.

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Der Schweizer italienischer Herkunft erhielt schon zahlreiche Ehrungen, darunter den angesehenen Rodolphe-Töpffer-Preis der Stadt Genf, mit dem er bereits zweimal ausgezeichnet wurde. Das zweite Mal erhielt er den Preis 2013 für seinen bemerkenswerten Comic "Kongo", der die Reise von Joseph Conrad von 1890 im Kongo nachzeichnet. Conrad selber hatte die düsteren Erfahrungen dieser Reise später zu seiner bekannten Novelle "Herz der Finsternis" verarbeitet.

Werwölfe

Geflügelte Kreaturen, Werwölfe, kleine Kobolde mit scheelem Blick, Frauen mit grossen, erotischen Busen und anderes mehr... Tirabosco schuf viele solch unerwartete Charaktere, die das Wunderbare in der Welt der so genannten neunten Kunst ausmachen. Es war daher auch nicht erstaunlich, dass dieser vielseitige und ehrgeizige Künstler sich Gedanken machte über die Gründung einer Schule, die einen Lehrgang für Comic-Zeichner anbieten würde.

Mit Unterstützung von Berufskollegen mit internationalem Renommée wie Zep, Chappatte, Exem und mit Hilfe des Verbands der Schweizer Comic-Zeichner (SCAA, Swiss Comic Artists Association) machte Tom Tirabosco es sich zu seiner Mission, den Behörden des Kantons Genf das Projekt für eine Ausbildung im Bereich visuelle Kommunikation ans Herz zu legen.

Schliesslich nahm das Projekt Gestalt an, und im letzten September öffnete die Fachhochschule für Comic und Illustration (Ecole supérieure de bande dessinée et d’illustrationexterner Link) in Genf ihre Pforten. Es ist die bisher einzige Ausbildungsstätte dieser Art in der Schweiz und eine Filiale des Genfer Berufsausbildungszentrums für Kunst (Centre de formation professionnelle arts, CFP Artsexterner Link), wo Tom Tirabosco in den letzten zehn Jahren unterrichtete. Seit Anfang September konzentriert er sich nun auf die neue Schule, wo er sein Wissen über Comics und kommerzielle Illustration vermittelt.

Motivierte Studierende

Den ersten Lehrgang belegen 18 Studierende, darunter eine Freiburgerin, der Rest kommt aus der Genfersee-Region. "Zurzeit kommen die Studierenden aus der Westschweiz", erklärt Tirabosco. "Das wird sich in Zukunft sicher ändern, wir rechnen mit Anfragen aus verschiedenen Regionen des Landes. So hat sich zum Beispiel bereits ein Journalist aus dem Tessin bei mir gemeldet, weil er wusste, dass die Ausbildung auch den Bereich Karikaturen und Pressezeichnungen umfasst."

"Die Studierenden sind sehr motiviert und lernbegierig", erklärt Tirabosco nach den ersten Unterrichtswochen. Die meisten verfügten bereits über fundierte künstlerische Kenntnisse. "Einige machen schon jetzt sehr ausgefeilte oder kodifizierte Zeichnungen", erklärt er. "Andere haben einen raffinierten Manga-Stil, mit ausdrucksvollen Charakteren. Wir versuchen aber, die Studierenden aus ihrer Komfortzone herauszulocken. Ich führe sie zum Beispiel ein in den autobiografischen Comic, ein Genre, das vor etwa 20 Jahren entstanden ist. Wie erzählt man seine eigene Geschichte, wie stellt man sich selber dar? Das ist, was ich ihnen beibringen will, unter anderem, indem ich sie ermuntere, auch Romane zu lesen."

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Der Genfer Comic-Autor Tom Tirabosco hat sich persönlich stark für die Einführung dieses Comic-Lehrgangs engagiert.

(Patrick Gilliéron Lopreno)

Wieso fiel die Wahl für diese Schule auf Genf? "Weil es die Heimat von Rodolphe Töpffer (1799-1846) war, dem Erfinder des modernen Comic. Auch andere bekannte Comic-Zeichner wie etwa Zep sind Genfer", antwortet Tirabosco. Genf mit seiner lebhaften Comic-Szene, ein Symbol. Und ein guter Ort für Kontakte zu Kulturveranstaltungen mit internationalem Charakter.

Zusammenarbeit mit Filmfestival

So plant die neue Fachhochschule in diesem Schuljahr denn auch eine Zusammenarbeit mit dem internationalen Filmfestival und Forum für Menschenrechte (Festival du film et forum international sur les droits humains, FIFDHexterner Link), das im März 2018 in Genf stattfindet. Das Festival hat jedes Jahr einen Ehrengast. Bei der kommenden Ausgabe wird dies Guy Delisle sein, ein Comic-Zeichner aus Québec, der sich in seinen Arbeiten unter anderem mit dem Thema Menschenrechte befasst.

"Wir nutzen diese Gelegenheit, um mit ihm einen Workshop durchzuführen", erklärt Patrick Fuchs, der Dekan der Schule. "Guy Delisle wird zwei Wochen mit unseren Studierenden arbeiten. Gemeinsam werden sie eine Comic-Reportage über Meyrin produzieren, eine Genfer Gemeinde, in der Fragen wie Immigration, Diversität und soziale Durchmischung aufgegriffen werden können." Die entstandenen Arbeiten werden danach am FIFDH ausgestellt.

Im Verlauf dieses ersten Schuljahrs ist ein weiterer Workshop geplant, mit dem französischen Comic-Zeichner Alfred, der seine Erfahrungen ebenfalls mit den Studierenden teilen wird. Nicht ohne Stolz sagt Patrick Fuchs zum Schluss: "Der Genfer Comic und das illustrierte Genfer Plakat gehören zum immateriellen Kulturerbe der Schweizexterner Link. Kein Wunder also, dass diese Schule in der Stadt am unteren Ende des Sees ins Leben gerufen wurde."


(Übertragung aus dem Franzöischen: Rita Emch)

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