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Wirtschaftskriminalität Tschechischer Milliardär Zdenek Bakala sieht sich als Erpressungs-Opfer

Stillgelegte Kohlemine in Ostrava, Tschechische Republik

Ein Industriezeuge als "Corpus delicti": Stillgelegte Kohlemine in Ostrava, Tschechische Republik.

(stockfotocz / 123rf.com)

Finanzströme der Tschechischen Republik laufen auch über Nyon: Der Bergbau- und Medienmagnat Zdenek Bakala bezeichnet sich als Opfer einer "kriminellen Organisation", die ihn bis an seinen Wohnsitz am Genfersee verfolge.

Hat der Milliardär Zdenek Bakala, der an den Universitäten der Westschweiz für Stipendien seiner karitativen Organisation bekannt ist, Zehntausende von tschechischen Bergleuten in Ostrava hintergangen? Der Betroffene streitet diese Vorwürfe äusserst energisch ab.

In einer am 21. September 2018 in den USA eingereichten Klage wirft Bakala seinen Kritikern vor, sie hätten damit gedroht, tschechische "Hooligans" vor seinem Haus in Nyon (im Kanton Waadt) aufmarschieren zu lassen. 

Sie hätten zudem ein amerikanisches Unternehmen angestellt, das auf die Organisation von falschen Protesten mit scheinbaren Aktivisten spezialisiert ist, um ihn zu diskreditieren; eine Form der Propaganda, die unter der Bezeichnung "Astroturfing" bekannt ist.

Diese Druckversuche, die nach seinen Angaben vom slowakischen Geschäftsmann Pavol Krupa orchestriert werden, zielten darauf ab, von ihm Millionen von Dollar zu erpressen. Hintergründig kritisiert der in der Schweiz lebende Milliardär damit das Vorgehen des aktuellen tschechischen Regierungschefs, des Medien- und Nahrungsmittel-Magnaten Andrej Babis.

Machtkampf in der Republik Tschechien

Der vielschichtige Streit enthüllt die Spannungen, welche die Tschechische Republik seit einiger Zeit erschüttern. Das Land, das lange als Beispiel für einen erfolgreichen Übergang zu einer freien Marktwirtschaft angeführt wurde, gerät nach und nach unter die Kontrolle einer Handvoll von Geschäftsleuten – alle durch die Privatisierungswelle der 1990er-Jahre reich geworden –, welche die Macht in Wirtschaft, Politik und Medien unter sich aufteilen.

Kohlearbeiter in den Minen Ostravas halten einen Schwatz. Bild von 1956

Bild von 1956: Kohlearbeiter der Mine Hlubina in Ostrava in der Tschechischen Republik.

(Erich Lessing / Magnum Photos)

Zdenek Bakala, der Anfang der 1990er-Jahre, nach seinem Studium in den USA, unter anderem bei der Credit Suisse First Boston arbeitete, machte sein Vermögen im Finanzbereich, bevor er das einstige Juwel der kommunistischen Tschechoslowakei aufkaufte: Die Kohleminen von Ostrava. Das Unternehmen OKD (Ostravsko-karvinské doly) war damals der grösste Arbeitgeber der Region.

Das Risiko schien es dank des Anstiegs der Kohlepreise ab 2004 wert zu sein. Der Börsengang von Zdenek Bakalas Unternehmen New World Resources, welches die Aktiven von OKD übernommen hatte, war der bedeutendste in der kurzen kapitalistischen Geschichte des Landes. Doch dann brachen die Kohlepreise ein, den OKD-Minen drohte der Konkurs, Zehntausende von Bergleuten wurden in der Folge auf die Strasse gesetzt.

Anfang 2018 wurde das Unternehmen OKD von der Regierung unter dem neuen Ministerpräsidenten Andrej Babis erneut verstaatlicht. Ein Streit mit den Bergleuten, bei dem es um das Schicksal ihrer Häuser geht, dauert jedoch an.

Beim Kauf der OKD hatte sich Zdenek Bakala verpflichtet, in der Region Ostrava 43'000 Wohnungen zu renovieren. Die Bergleute hatten erwartet, dass ihnen ein Vorzugsrecht eingeräumt werden würde, um dort auch nach ihrer Pensionierung bleiben zu können. 

Das Problem: Zdenek Bakala verkaufte die 43'000 Unterkünfte im Jahr 2015 an zwei angelsächsische Investment-Fonds, die nun jegliche Verpflichtung gegenüber den Bergleuten anfechten.

Und hier kommt der Geschäftsmann Pavol Krupa ins Spiel, der mit einem Teil der Mieter Abkommen unterzeichnete, um gerichtlich gegen Zdenek Bakala vorzugehen. Als Gegenleistung für seine Unterstützung würden sie ihm 50% der Summen überlassen, die sie allenfalls eines Tages vor Gericht zugesprochen erhalten könnten.

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ist ein von den investigativen Journalisten Marie Maurisse und François Pilet gegründeter Newsletter, der sich auf Recherchen im Bereich Wirtschaftskriminalität spezialisiert.

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Untersuchung und Proteste

Laut der Klage von Zdenek Bakala soll Pavol Krupa die amerikanische Firma Crowds On Demand LLC, die auf Proteste mit falschen Aktivisten spezialisiert ist, eingesetzt haben, um Proteste vor einer Residenz des Milliardärs in South Carolina zu orchestrieren. 

Solche Proteste soll es auch auf den Parkplätzen von Berkshire Hathaway, dem Unternehmen von Warren Buffet, das indirekt am Verkauf der Wohnungen beteiligt war.

Die Website StopBakala.org, die über die Anschuldigungen gegen den Milliardär berichtet, zeigt Fotos von Demonstrierenden, die eindeutig nicht das Profil der Bergleute aus Ostrava haben. Pavol Krupa soll weiter die Ermittlungsfirma Pinkerton beauftragt haben, die Aktivitäten des Milliardärs unter die Lupe zu nehmen.

Zdenek Bakala erklärt, Pavol Krupa habe 23 Millionen Dollar verlangt, um seine Kampagnen einzustellen. Laut Zdenek Bakala sollen die Angriffe gegen ihn von "populistischen Politikern" in Tschechien unterstützt werden, denen sein "pro-westliches" und "gegen die Korruption gerichtetes" Engagement ein Dorn im Auge seien.

Zdenek Bakala Bild eines Verteidigers westlicher Werte fusst zu einem grossen Teil auf der Familienstiftung, die er mit seiner Frau in Genf gegründet hat, der Fondation Zdenek und Michaela Bakala. Die in der Kanzlei des Genfer Steuerberatungsunternehmens Oberson Abels angesiedelte Stiftung vergibt Stipendien an schweizerische und tschechische Studierende. 

"Herr Bakalas Kampf gegen Illiberalismus und Korruption in der Tschechischen Republik hat ihn zur Zielscheibe reaktionärer Kräfte gemacht", heisst es in der Klage des Milliardärs.

Die Anspielung zielt direkt auf Regierungschef Andrej Babis, den Inhaber des Agrar- und Industriekonzerns Agrofert. Babis wird regelmässig als "tschechischer Trump" bezeichnet, der von sich sagt, er sei stolz darauf, das Land "wie seine Unternehmen" zu führen. 

Kurz vor seinem Einstieg in die Politik, im Jahr 2013, hatte er die Mediengruppe MAFRA gekauft, die unter anderem die beiden grossen tschechischen Qualitätszeitungen Mlada Fronta Dnes und Lidove Noviny herausgibt.

Zdenek Bakala selbst besitzt die Wochenzeitung Respekt, die regelmässig geheime Absprachen zwischen Wirtschaft und Politik in Tschechien anprangert. Ohne aber je auf den Streit zwischen ihrem Besitzer und den Bergleuten von Ostrava einzugehen.


(Übertragung aus dem Französischen: Rita Emch)

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