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Wirtschaftsminister-Treffen

UNO-Generalsekretär Kofi Annan: Grussbotschaft per Video.

(swissinfo.ch)

In Thun ging am Freitag abend das Swiss Economic Forum zu Ende. Das SEF gilt als das "Davos" der kleinen und mittleren Unternehmen. Am Freitag trafen sich dort auch drei Wirtschaftsminister.

Im Berner Oberland trafen sich am 2. Tag des Swiss Economic Forum (SEF) die Wirtschaftsminister von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Werner Müller, Martin Bartenstein und Pascal Couchepin diskutierten in Interlaken über Wirtschaftsstrukturen und mittelständische Unternehmen.

In seiner Rede kritisierte Couchepin im Einklang mit der OECD gewisse Strukturen in der Schweiz, bei denen das Land im Vergleich zur EU im Verzug sei. Es müssten bedeutende Reformen im Bereich des Wettbewerbs unternommen werden: Balsam für die Jungunternehmer und "Mittelständler", die ihm zuhörten und von denen sich wohl mehr als nur einer an den historisch gewachsenen Wettbewerbsschranken und Monopolen rieb.

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) beschäftigen in der Schweiz über 2 Mio. Personen, zwei Drittel aller Arbeitnehmer. Sie sind das Rückgrat der schweizerischen, aber auch der europäischen Wirtschaft.

Am SEF, am Donnerstag in Thun eröffnet, trafen während zwei Tagen "Mittelständler", Gewerbler und dynamische "Entrepreneurs" mit Prominenz aus Wirtschaft und Politik zusammen - und "networken", wie man auf neudeutsch sagt.

Lifestyle-Experten wie Tyler Brûlé, Verhaltensforscher und Trend-Profis zeigen den (Jung-)Unternehmern die neuen Rahmenbedingungen und Perspektiven. Ohne diese begriffen zu haben, lässt sich heute nicht mehr effizient wirtschaften.

Simon Ammann als "Surprise Guest"

Über Video schaltete sich am 1. Forumstag UNO-Generalsekretär Kofi Annan mit einer Willkommens-Ansprache ein (siehe Video im Link). Annan erinnerte die Schweizer "Business Community" daran, dass ihr Land ein gutes Beispiel werden müsse, jetzt da es UNO-Mitglied werde.

Ganz aus Fleisch und Blut hingegen war Simon Ammann, der Schweizer Goldmedaillengewinner im Skispringen. Er kam als Überraschungsgast ans Forum. Obwohl noch nicht ganz 21jährig, machte er dem Forumspublikum in Sachen "Human Networking" viel vor: Zwischen den Altprofis Erich Gysling, der moderierte, und alt-Bundesrat Adolf Ogi, der erzählte, bewegte sich Ammann mit seinem Humor problemlos auf dem Parkett.

Alte Strukturen aufbrechen

Neben Couchepin beschäftigten sich auch die KMU-Forumsgäste mit den Kritiken an der Schweiz. Diese prangern wie der jüngst erschienene OECD-Bericht etliche traditionell noch geschlossene Märkte und Monopolsituationen in vielen inländischen Bereichen an. Modernisierungen sind hier angesagt - auch wenn es sich um schweizerische "heilige Kühe" handeln sollte.

Andere alte Schweizer Strukturen sind offenbar auch an solchen modernen Events nicht wegzukriegen: Deutschschweizer Männer dominieren, der Ausdruck Jungunternehmerinnen erscheint in Thun recht deplatziert. Jungunternehmerinnnen und Jungunternehmer aus der Romandie und dem Tessin finden sich selten.

Networking gegen Alltags-Isolation

Neben dem Holen von Inspirationen wurde am Forum auch fleissig "genetworkt". Vielleicht traf der mit hohen Risiken behaftete Jungunternehmer auf den Kreditbanker, der an ihn glaubt. Fürs Kontaktieren haben die Organisatoren des 5. Forums sogar ein Ausflugsschiff gemietet, inklusive Smokers- und Whisky-Lounge und musikalischer Abendunterhaltung.

Das SEF sei aber nicht als Einbahn-Kontaktbörse gedacht, sondern als ein bedeutendes Wirtschaftstreffen. "KMU-Manager bleiben oft im Alltag gefangen. Sie sollen von den Keynotes auch neue Impulse erhalten", meint Forums-Mitbegründer Peter Stähli.

KMU gibt's in den verschiedensten Branchen

Die provisorischen Zahlen der Betriebszählung 2001 des Bundesamtes für Statistik (BFS) zeigen, dass in der Schweiz 60% aller Arbeitnehmer in einem Betrieb mit weniger als 50 Angestellten arbeiten. Insgesamt entspricht das der beachtlichen Summe von 2,1 Mio. Personen - von fast zwei Dritteln der landesweit 3,6 Mio. Arbeitnehmenden.

Der grösste Anteil entfällt - laut der definitiven Betriebszählung 1998 - auf KMU aus der Handels- und Reparaturbranche (93'025), gefolgt von den Bau-(36'996) und Gastgewerblern (28'282).

Keineswegs rein schweizerisch

Auch in Europa nehmen KMU einen wichtigen Platz innerhalb der Volkswirtschaften ein. So beschäftigen in Deutschland über 3,5 Mio. Betriebe jeweils durchschnittlich nur 8 Personen, in Frankreich fast 2,5 Mio. Unternehmen je 7 Angestellte, in Österreich 225'000 Betriebe je 10 Personen und in Italien gibt es 4,1 Mio. Unternehmen, in denen durchschnittlich 10 Leute arbeiten (Quellen: Eurostat, Statistisches Amt der EU, für das Jahr 2000).

EU-Mitglieder investieren aktiv in die KMU ihrer Volkswirtschaften und fördern sie. In Deutschland beispielsweise sorgt sich ein 30-köpfiger sogenannter "Mittelstandsbeirat" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie um die Zukunft der KMU.

"In Frankreich gibt es sogar eine eigene Direktion für die Förderung der KMU", sagt Christian Weber, Leiter der Taskforce KMU beim Staatssekretariat für Wirtschaft (seco). In Paris untersteht die "Direction des Entreprises Commerciales, Artisanales et de Services" dem Wirtschafts-Ministerium.

Innovations-Preise am Freitag abend

Höhepunkt des SEF bildete die Verleihung des Swiss Economic Award am Freitag Abend. Die drei Förderpreise sind mit insgesamt 75'000 Franken dotiert und zeichnen herausragende unternehmerische Leistungen von Unternehmen aus, die vor nicht länger als sechs Jahren gegründet wurden.

Den Sprung auf das Podest schafften folgende drei Firmen: Chemspeed Ltd. aus Augst BL (Geräte für automatische, chemische Synthesen), IDS Integral Drive Systems aus Zürich (Energie-Umwandlungssysteme) und Prionics AG, Zürich-Schlieren (Schnelltest für BSE-Erreger, Porträts siehe Links)

"Wir wollen die Begeisterung wecken, besser zu werden", wünscht sich SEF-Mitgründer Stähli.

Philippe Kropf und Alexander P. Künzle aus Thun


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