Besondere Allianz kämpft gemeinsam gegen Malaria

Diese Mückenart macht der Menschheit grosse Sorgen. Keystone

Seit drei Jahren treten so unterschiedliche Partner wie die Pharmaindustrie, die Forschung, Nichtregierungs-Organisationen und der Bund als Swiss Malaria Group auf. Einzeln leisten sie viel gegen die Krankheit, doch die Allianz steckt noch in den Kinderschuhen.

Dieser Inhalt wurde am 26. Juli 2011 - 15:28 publiziert
Sarah Forrer, InfoSüd und swissinfo.ch

Die Stechmücke sieht aus wie viele andere Insekten. Doch sie verfügt über eine tödliche, effiziente Waffe: Den Malaria-Erreger in Form eines unsichtbaren Parasiten. Noch immer stirbt alle 45 Sekunden ein Kind in Afrika an Malaria, 700'000 sind es jedes Jahr.

Jährlich erkranken 200 Millionen Menschen. Malaria ist mit ein Grund dafür, dass die Wirtschaft in den betroffenen Ländern lahmt. Der volkswirtschaftliche Schaden wird allein in Afrika auf rund 15 Milliarden Franken pro Jahr geschätzt.

Die Swiss Malaria Group (SMG) hat nun in Bern eine Ausstellung lanciert, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Dies ist eine der wenigen grösseren Aktionen der Allianz, die hochkarätige Mitglieder aus Privatwirtschaft, Nichtregierungs-Organisationen (NGO) und Forschungsstellen vereint.

Die Federführung der Gruppe hat die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza).

Potenzial vorhanden

Als die Allianz vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde, waren die Absichten weit höher. "Anfänglich planten wir durch Anregung der Deza gemeinsame Auslandprojekte in Mozambik, Benin und Liberia", sagt Marcel Tanner vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel.

Tanner ist seit der ersten Stunde mit von der Partie und hat viele Diskussionen über die Ausrichtung und die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Mitglieder miterlebt. Eines ist ihm inzwischen klar geworden: "Die Entwicklung braucht Zeit. Die SMG steckt noch immer in den Kinderschuhen."

Zwar werden untereinander viele Synergien genutzt. So bezieht beispielsweise das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) günstiger Malaria-Medikamente vom Pharma-Unternehmen Novartis. Oder die Grosskonzerne profitieren von den praktischen Erfahrungen der NGO in den von Malaria betroffenen Gebieten.

Die SMG beschränkt sich bis heute aber vor allem auf die Öffentlichkeitsarbeit und das Lobbying in der Schweiz.

Schweiz an zweitletzter Stelle

Für Tanner geht dies zu wenig weit. "Was uns fehlt, sind gemeinsame Projekte und die dazu nötigen Gelder." Die Allianz finanziert sich bisher weitgehend selbst. Wenn ein Projekt wie eine derzeit in Bern laufende Ausstellung geplant wird, wirft jedes Mitglied so viel wie möglich in den Topf. Dass Grosskonzerne dabei ungleich mehr einzahlen als die kleinen NGO, liegt auf der Hand.

Dieses System funktioniert zwar gut, aber für eine nachhaltige Finanzierung von Malaria-Projekten braucht es mehr Geld. "Es müssen dringend mehr öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden", sagt Thomas Achard, Malariaspezialist vom SRK.

Die Ausgaben der Schweiz für medizinische Hilfe und Gesundheitsförderung in Entwicklungsländern betragen pro Jahr 0,025 Prozent des Bruttoinland-Einkommens. Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die auf Zahlen der OECD beruhen.

Damit liegt die Schweiz im europäischen Vergleich an zweitletzter Stelle. Nur Italien zahlt noch weniger. "Für ein Land wie die Schweiz ist dies schon recht knauserig", sagt Achard.

Unterschiedliche Welten

Neben dem Geld sorgen die verschiedenen Horizonte der Allianzmitglieder immer wieder für Gesprächsstoff. "Trotz des gemeinsamen Ziels ist die Zusammenarbeit eine Herausforderung. Die NGO vertreten andere Interessen als die Pharmakonzerne", sagt Helena Zweifel von Medicus Mundi Schweiz.

Evelin Stettler von der Deza stimmt zu: "Manchmal ist es schwierig, die unterschiedlichen Ansichten unter einen Hut zu bringen."

Gerade hier sieht der Basler Chemiekonzern Syngenta die Chancen. "Es ist interessant und wichtig, die verschiedenen Ansätze zu diskutieren und voneinander zu lernen", sagt Mediensprecher Michael Isaac.

Ähnlich sieht es Tanner: "Nur mit vereinten Kräften kommt man weiter. Schliesslich geht es uns allen um das Gleiche: Die Ausrottung von Malaria."

In den letzten Jahren konnten schon bemerkenswerte Fortschritte erzielt werden. In elf afrikanischen Ländern sanken beispielsweise die Erkrankungsraten durch Sumpffieber um mehr als 50 Prozent.

Und Tanner traut der SMG weitere wichtige Schritte zu: "Die Allianz verfügt über alle nötigen Erfahrungen und Expertisen. Da sehe ich sehr viel Potenzial."

Ausstellung in Bern

Vom 27. April bis zum 7. Mai zeigt die Swiss Malaria Group SMG in Bern im "Le Cap" die Ausstellung "Gemeinsam gegen Malaria". Es ist ihre dritte grössere Aktion.

Zur Gruppe gehören elf Schweizer Partner unter Leitung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza): das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut, die Stiftung Medicines for Malaria Venture (MMV), die Chemiekonzerne Novartis, Mepha, Syngenta und der Mückennetz-Hersteller Vestergaard Frandsen. Zudem gehören SolidarMed, das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), Medicus Mundi Schweiz (MMS) und die Novartis Stiftung für Nachhaltige Entwicklung der Allianz an.

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DDT gegen Malaria umstritten

Vergangene Woche war Malaria auch in Genf ein Thema: Die 122 Vertragsstaaten der Stockholmer Konvention diskutierten über ein generelles Verbot des umstrittenen Insektengifts DDT. Die Delegierten lehnten dies jedoch ab.


In den meisten Ländern ist DDT verboten, da es die Gesundheit der Menschen und Tiere gefährdet. Der Einsatz des Insektizides im Kampf gegen Malaria wird jedoch erlaubt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte sich in Genf für DDT ein, da es wenig effiziente Alternativen gebe und die lange Wirkungsdauer ein Vorteil sei.


Für die Schweizer Stiftung Biovision ist dieser Entscheid jedoch "eine Farce". Das Sprayen von DDT berge ein ernsthaftes Risiko für die menschliche Gesundheit.

In Gebieten Südafrikas, in welchen das Insektizid seit einigen Jahren wieder gegen Malariamücken eingesetzt werde, käme es vermehrt zu Aborten, Missbildungen bei Neugeborenen, sowie Schüttelkrämpfen und sogar zu Todesfällen bei Kindern.

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