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Wunder in der Wüste

Die Königsgräber in der Wüstenstadt Petra. Daniel Leippert

Petra gilt als eine der faszinierendsten archäologischen Stätten überhaupt. Vor genau 200 Jahren wurde die berühmte Felsenstadt in Jordanien vom Basler Orientreisenden Johann Ludwig Burckhardt wiederentdeckt. Ein Besuch bei Schweizer Archäologen in Petra.

Dieser Inhalt wurde am 09. Oktober 2012 - 08:29 publiziert
Christian Walther, Petra, Jordanien, swissinfo.ch

Khasneh, Schatzhaus, Kastell des Pharao oder einfach: Das Tor. Das monumentale Bauwerk, errichtet am Ende eines langen engen Canyons, zieht jeden in seinen Bann, der Petra besucht. Wofür oder zu wessen Ehren dieses Tor aus dem Fels geschlagen wurde, weiss man bis heute nicht. Daher die vielen Namen.

"Die Beduinen, die sich vor einigen Hundert Jahren hier niederliessen, konnten sich nicht vorstellen, dass jemand, der wie sie in Zelten lebt, so etwas Grossartiges bauen konnte", erklärt der Schweizer Ueli Bellwald, der seit über 20 Jahren in Petra arbeitet. "Das nächstgelegene grosse Bauwerk sind die Pyramiden von Gizeh bei Kairo. Die Beduinen nahmen deshalb an, dieses Bauwerk hier müsse auch von den Pharaonen stammen und diese hätten hier einen Schatz versteckt."

Stadt der Nabatäer

Einen Schatz hat man bislang nicht gefunden. Die Touristen kommen trotzdem. Eine Million Besucher waren es 2010. Petra gilt als eine der faszinierendsten und grössten archäologischen Stätten weltweit. Seine Erbauer, die Nabatäer, waren reich. Sie handelten mit den Luxusgütern der Antike: Mit Weihrauch und Myrrhe von der arabischen Halbinsel, mit Gewürzen aus Indien und Seide aus China. Ihr Glück: Petra war der Verkehrsknotenpunkt, an dem alle Karawanen vorbeikamen, bevor sie ihre wertvolle Fracht an den Mittelmeerhafen Gaza oder Richtung Europa weitertrugen.

Das oben beschriebene Tor ist nur eine von über tausend aus dem Fels gehauenen Kammern. Nicht alle sind so kunstvoll verziert und so gross wie die Khasneh, doch die antike Stadt übt eine fast mystische Faszination auf Besucher aus. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Petra autofrei ist. Besucher werden ausschliesslich mit Kamelen, Mauleseln oder Pferden transportiert. Und wer ganz Petra sehen will, braucht dazu mehrere Tage.

Scheich Ibrahim

Als Begründer des lokalen Tourismus gilt der Basler Johann Ludwig Burckhardt. Er sei in Jordanien fast ein Nationalheld, sagt Ueli Bellwald. Burckhardt studierte in Leipzig und Göttingen, bevor er 1806 nach England kam. In Cambridge lernte er Arabisch, belegte Kurse in Medizin, Archäologie und Mineralogie. Von der African Association, einer Art Think Tank einflussreicher Männer der britischen Oberschicht, erhielt er den Auftrag, den Oberlauf des Nigers zu erforschen.

Zur weiteren Vertiefung und Vorbereitung auf seine lange Reise lebte Burckhardt fast drei Jahre im syrischen Aleppo. Er gab sich als indischer Geschäftsmann aus, nannte sich Scheich Ibrahim, studierte den Koran und übersetzte unter anderem den Abenteuerroman Robinson Crusoe von Daniel Defoe ins Arabische.

Auf dem Weg nach Petra

1812 brach Burckhardt Richtung Palästina auf. Als er östlich des Toten Meeres unterwegs war, verdichteten sich die Anzeichen, dass es in der Nähe eine grosse antike Stätte geben müsse. "Ich war besonders begierig, Wadi Musa, das Tal Mose, zu besuchen, von dessen Altertümern ich die Eingeborenen mit Ausdrücken grosser Bewunderung reden gehört hatte", schrieb Burckhardt in sein Tagebuch.

Doch die Beduinen begegneten ihm mit Misstrauen. Fremde, so dachten sie, wären auf der Suche nach einem Schatz und wollten diesen rauben. Burckhardt bediente sich deshalb einer List, um nach Petra zu gelangen. Er nahm sich einen Führer, der ihn zum Grab Aarons, dem Bruder von Moses, bringen sollte. Dort wollte Burckhardt nach guter muslimischer Tradition zu Ehren Aarons eine Ziege schlachten. Der Trick gelang, und Burckhardt stand als erstem Europäer seit fast 1000 Jahren der Weg nach Petra offen.

Wasser in der Wüste

Wer Petra heute besucht, reist bequemer. Über 200 Kilometer führt die Strasse schnurgerade durch die Wüste. Doch dann verändert sich die Landschaft allmählich. Einzelne Baumgruppen sind zu sehen, terrassierte Felder mit Olivenbäumen, sogar Blumen. Wadi Musa, das Tal Mose, an dessen Ende Petra liegt, ist ein fruchtbares Tal. Vor allem im Winter und im Frühling regnet es. Die Schwierigkeit besteht darin, den Regen zu fassen und zu kanalisieren.

"Es ist vergleichbar mit der Situation, die bei uns im Gebirge herrscht", erklärt Ueli Bellwald. "Wenn es regnet, trifft das Wasser vor allem auf Fels, kann also nirgendwo versickern und türmt sich innert Minuten zu einer riesigen Walze auf, die alles vernichtet, was ihr im Wege steht. Um diese Situation in den Griff zu kriegen, haben die Nabatäer Staumauern errichtet. Ein einzigartiges System in der Antike."

Mit Hilfe lokaler Arbeiter baut Bellwald das Bewässerungssystem der Nabatäer wieder auf. Auffälligstes Merkmal sind die beidseits des Canyons angebrachten Kanäle mit Überlaufbecken. Die vielen Staumauern und –mäuerchen liegen hingegen in den zerklüfteten Seitentälern und sind für Touristen nicht zugänglich.

Schweizer in Petra

Ueli Bellwald ist nicht der einzige Schweizer in Petra. Die nabatäische Villa Az-Zantur wurde von Mitarbeitern der Universität Basel freigelegt und Teile ihrer verzierten Innenräume wieder hergestellt. Und auf einem der höchsten Berge, die Petra umgeben, arbeiten der Basler Stephan Schmid und seine Studenten der Humboldt Universität Berlin. Schmid hat 2004 Fundamente entdeckt, die inzwischen das Ausmass eines Palastes mit Badeanlage im griechisch-römischen Stil angenommen haben.

Ein Palast auf einem Berg, wo es weder Wasser noch Holz gibt? "Ja. Jeder Zweig, der verbrannt wurde, musste von weit her hochgeschafft werden. Eigentlich ein Irrsinn. Hier muss also jemand gewohnt haben, der die Macht, die Mittel und den Einfluss hatte, sich diesen Bau errichten und unterhalten zu lassen", erklärt Schmid. Seine Theorie: Dieser Palast war die Antwort der Nabatäer auf die Felsenfestung Masada im heutigen Israel.

Der erste Schweizer Besucher, Johann Ludwig Burckhardt, hat übrigens nie erfahren, ob die von ihm entdeckte Stadt tatsächlich das antike Petra war. 1817, mit 33 Jahren, starb er in Kairo an einer Durchfallerkrankung. Seine Reiseberichte erschienen erst nach seinem Tod und lösten einen wahren Boom aus. "Jeder wollte fortan in den Orient reisen", erzählt Bellwald. "Und wie Burckhardt verkleideten sich alle als Beduinen."

Ausstellung

Zum 200 jährigen Jubiläum der Wiederentdeckung von Petra präsentiert das Antikenmuseum Basel ab dem 23. Oktober die Ergebnisse der neusten archäologischen Forschungen, an denen Schweizer massgeblich beteiligt sind.

Rund 150 erstklassige Originalwerke aus Jordanien, Computeranimationen und Modelle zeigen, woher die Nabatäer kamen, wie sie schrieben und welche Götter sie verehrten.

Die Besucher erfahren, wie die Nabatäer es schafften, mitten in der Wüste eine gigantische Stadt zu errichten und zu bewässern.

Die Ausstellung zeigt auch wunderbare Kunst aus Petra: Neben Werken im bekannten griechisch-römischen Stil beeindrucken auch abstrakte Formen.

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