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Ylenia starb an Toluol-Vergiftung

Die kleine Ylenia wurde mit Nitroverdünner vergiftet.

(Keystone)

Die kleine Ylenia starb an einer Toluol-Vergiftung, einer Flüssigkeit, die in Nitroverdünner enthalten ist. Dies gaben die St. Galler Strafuntersuchungsbehörden bekannt.

Alles weise darauf hin, dass der mutmassliche Täter das am 31. Juli entführte Mädchen aus sexuellen Motiven getötet habe, lautet die Erkenntnis der Ermittler.

In den sterblichen Überresten Ylenias stellten die Mitarbeiter des gerichtsmedizinischen Instituts St. Gallen eine hohe bis sehr hohe Konzentration von Toluol fest.

Ein sexueller Missbrauch von Ylenia sei zwar rechtsmedizinisch nicht festgestellt worden. Im Entkleiden des Opfers sieht Untersuchungsrichter Erich Feineis aber einen möglichen Hinweis auf eine sexuelle Absicht des Täters.

Pädophile Neigungen verheimlicht

Dass der Entführer von Ylenia eine pädophile Veranlagung hatte, gehe aus den in Spanien sichergestellten Kinderfotos hervor, die er am Strand aufgenommen hatte.

Die Untersuchungen ergaben aber keine Beweise, dass er eine allfällige pädophile Neigung auch ausgelebt habe. Er habe diese aber gezielt vor seiner Frau verheimlicht.

Mörderischer Plan in Tat umgesetzt

Der Entführer und mutmassliche Mörder plante laut Kantonspolizei seine Tat über mehrere Wochen hinweg. Bereits am 10. Juli kaufte er in einem Zürcher Einkaufszentrum den Nitroverdünner, mit dem das Opfer betäubt werden sollte. Tags darauf beschaffte er sich eine Schaufel und eine Säge. Dies belegen Einkaufsquittungen.

Schon vor der Entführung Ylenias hatte der Mann in drei Fällen junge Mädchen in den Kantonen St. Gallen und Zürich fotografiert. Das beweisen Bilder in seiner Digitalkamera. Für Erich Feineis zeugen diese Vorbereitungshandlungen von einer klaren Tatabsicht.

Entscheidende Begegnung

Neben einem Revolver, den der Mann über eine Woche vor der Tat aus einem Schliessfach in Frauenfeld geholt hatte, führte er noch weitere Waffen mit, darunter einen selbstgebastelten "Schussapparat".

Mit dem Revolver hatte der Entführer Ylenias am 31. Juli auf einen Zeugen geschossen. Aufgrund der Spuren geht die Polizei davon aus, dass er beim Zusammentreffen mit dem Zeugen noch Spuren beseitigen wollte.

"Alles deutet darauf hin, dass der nachfolgende Suizid des Täters mit der erfolgreichen Flucht des Zeugen in Zusammenhang steht", sagte der Untersuchungsrichter weiter.

Der Mann sei ausgesprochen berechnend und kaltblütig vorgegangen. "Er war durch den wahrscheinlich unbeabsichtigten frühen Tod seines Opfers keineswegs verwirrt oder aufgewühlt", sagte Feineis.

Am 31.Juli in Appenzell entführt

Die fünfeinhalbjährige Ylenia war am 31. Juli beim Hallenbad in Appenzell entführt worden. Am 15. September wurde ihre Leiche in einem Wald bei Oberbüren von einem Informatiker aus Winterthur gefunden. Ihm wurde eine Belohnung von 22'000 Franken ausbezahlt.

Die Mutter Ylenias gründete die Stiftung "Ylenia" für Kinder in Not. Das Stiftungskapital beträgt bereits rund 100'000 Franken. Die Sonderkommission "Rebecca", welche die Fälle von in den 1980er-Jahren verschwundenen Kindern untersucht, konnte bisher keine Zusammenhänge mit dem mutmasslichen Entführer und Mörder Ylenias herstellen.

Beim mutmasslichen Entführer und Mörder von Ylenia handelt es sich um einen 67-jährigen Auslandschweizer, der seit 1990 mit seiner Frau in Benimantell in Spanien lebte und zuvor im Thurgau daheim gewesen war. An den Kleidern und den Gegenständen des kleinen Mädchens stellte die Polizei DNA-Spuren des Mannes sicher.

swissinfo und Agenturen

Aufwühlender Fall Ylenia

Die fünfeinhalbjährige Ylenia wurde am 31. Juli zum letzten Mal beim Verlassen des Hallenbades in Appenzell lebend gesehen. Am nächsten Tag wurde die Tasche des Mädchens samt Inhalt in einem Wald gefunden, 30 Kilometer entfernt.

Im selben Wald entdeckte man am 1. August die Leiche eines Mannes, der sich offenbar mit einer Pistole erschossen hatte. In seinem Lieferwagen befanden sich Sachen, die Ylenia gehört hatten. Der Mann gilt als ihr mutmasslicher Entführer und Mörder.

47 Tage später wurde Ylenias Leiche im gleichen Wald von einer Privatperson gefunden. Es wurden keine Spuren von Gewaltanwendung oder sexuellem Missbrauch festgestellt.

Am 19. November gaben die St. Galler Strafuntersuchungsbehörden bekannt, dass Ylenia von ihrem mutmasslichen Entführer vergiftet worden sei. Das Mädchen sei an einer Toluol-Vergiftung gestorben.

Die Tragödie hat eine landesweite Welle des Mitgefühls hervorgerufen. Die Familie des kleinen Mädchens hat eine Stiftung gegründet, um Kindern in Not zu helfen.

Bereits einen Monat nach der Errichtung betrug deren Vermögen 100'000 Franken. Ziel der Stiftung ist es, Projekte in Ausbildungsstätten wie Schulen oder Heimen zu unterstützen.

Die kantonalen Polizeidirektoren diskutieren zurzeit über ein nationales Alarm-Dispositiv, das bei Entführungen zum Einsatz kommen soll. Darüber soll im nächsten Frühjahr entschieden werden.

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