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Zeitreise mit den Indigenen

Mann des Nuba-Stammes, 1974. Neue Zürcher Zeitung

Indigene und Urvölker auf allen Kontinenten brauchen Schutz: Der Schweizer Journalist und Ethnologe Oswald Iten hält uns mit seinen Bildern einen Spiegel vor.

Dieser Inhalt wurde am 26. Februar 2006 - 11:50 publiziert

Die Villa am Aabach in Uster zeigt, was Oswald Iten in mehr als 30 Jahren über Leben und Leiden der Indigenen gesammelt hat.

Wie nie zuvor werden heute die Kulturen der indigenen Völker der Erde durch bewaffnete Konflikte, Kriege und durch den Rohstoffhunger der Industrie- und Dienstleistungs-Gesellschaften des Nordens verdrängt und zerstört.

Dadurch verliert die Menschheit immer mehr den Blick auf Lebensweisen und Produktionsformen, die während Tausenden von Jahren in Urwäldern, Steppen und Hochländern auf allen Kontinenten überlebt haben.

Der Schweizer Journalist, Ethnologe und Fotograf Oswald Iten besucht, beobachtet und beschreibt indigene Völker seit mehr als 30 Jahren. Er trägt dazu bei, dass ihre Forderung nach Selbstbestimmung und Respekt für ihren Lebensraum nicht verloren geht.

Zeitbilder aus drei indianischen Kulturen

Jetzt hat Iten sein Fotoarchiv geöffnet. Er zeigt in der "Villa am Aabach" im zürcherischen Uster eindrückliche Bilder der Nuba aus dem Sudan, der Yanomami-Indianer aus dem brasilianischen Regenwald und von den amerikanischen Plains-Indianern.

In einer ersten Sektion der Schau zeigt Oswald Iten auf Barytpapier vergrösserte Reportagebilder, wie mehr als 20 Jahre Bürgerkrieg im Sudan das Leben der Nuba in Kao und Niaro grundlegend verändert haben. Diese Konflikte forderten Millionen von Toten und Vertriebenen.

Iten dokumentierte 1974 einen Tanz reich geschmückter und bemalter Menschen, die zu ekstatischen Trommelwirbeln den Staub unter den Feigenbäumen aufwirbeln.

Wenn Bilder nicht lügen

Fast 30 Jahre später besuchte Oswald Iten die Nuba erneut. Die Zeit hat deutlich Spuren hinterlassen: Wo einst Lebensfreude, Spontaneität und Animismus herrschte, regiert jetzt religiöse Strenge, Verschämtheit und Zucht.

Fotografierte Iten einst die Nuba beim rituellen Kampf, sind sie jetzt als Nuba-Muslime beim Gebet zu sehen. Ibrahim von der Dorfwehr von Fungor schiebt mit der Maschinenpistole Wache.

Könnten Allah und Gott eins sein?

Es scheint, dass die Nuba weit mehr als nur Pfeil und Bogen hinter sich gelassen haben. Oswald Iten schreibt, wie diesem Stamm mit seinen eigenen Religionen der Gedanke der christlichen und islamischen Missionierung fremd ist.

Niemals würde es den Nuba einfallen, jemanden zu ihrem Glauben zu bekehren. Denn sie sähen im Gott des Fremden die gleiche Urkraft wirken, die auch ihr eigenes Dasein beherrsche, schrieb Iten. Für das fünfmalige Pflichtgebet der Muslime brächten sie kein Verständnis auf, obwohl sie zugestünden, dass Allah und ihr Gott sehr wohl eins sein könnten.

Mehr Aufmerksamkeit für die Yanomami

Besser als die Nuba in Afrika scheinen sich die rund 15'000 Yanomami-Indianer im brasilianischen Dschungel ihre Welt bewahren zu können, wie der zweite Block der Ausstellung zeigt. Oswald Iten präsentiert Bilder, wie die Yanomami bis heute ihre traditionellen Cassava-Äcker bestellen, mit Pflanzengift fischen und wie eh und je im überlieferten Klanverband leben.

Es ist kaum Zufall, dass die indigenen Völker in Südamerika bessere Chancen haben, ihre Lebensart zu bewahren. Immer wieder finden auf dem Halbkontinent – und besonders in Brasilien – internationale Treffen statt, welche die Anliegen und Forderungen der Indigenen in die Welt hinaus tragen.

Bisher scheint es den Yanomami-Indianer gelungen zu sein, sich in ihrem Reservat im nordwestlichen Grenzgebiet von Brasilien und Venezuela gegen die Holzfäller und Goldschürfer behaupten zu können.

"Die Welt der Yanomami - der Indianer auf allen Kontinenten überhaupt - ist nicht heil", scheint uns Oswald Iten mit seinen Bildern zu sagen. Trotzdem sollen sie ein Recht haben, ihr geistig-kulturelles Erbe und Eigentum parallel zur rasend-mobilen Weltgesellschaft zu leben.

Bilder für die Kultur

Die Bildsprache von Oswald Iten ist diskret, klagt nicht an. Seine Optik zeigt jedoch unmissverständlich, wie sich der soziale und gesellschaftliche Wandel der Ureinwohner mit Bildern besser als mit tausend Worten darstellen lässt.

Im dritten Block der Ausstellung finden sich Bilder der nordamerikanischen Lakota Sioux und der Shoshone-Indianer. Die Wirklichkeit auf den Bildern wirkt eingefroren: Eine bankrotte Tankstelle in Süddakota, ein Gedenkritt in die Badlands für Big Foot nach Wounded Knee, mit dem die Indianer des Massakers von 1890 gedenken.

Indianer und Atommüll

Die Bilder von Oswald Iten dokumentieren, wie sich moderne und weniger entwickelte Gesellschaften mit der Lebenswirklichkeit der indigenen Völker schwer tun.

Das gilt auch für die USA, die versuchen, auf den ehemaligen Jagdgründen der Indianer Atommüll-Endlager zu errichten und Öl zu schürfen. Darüber täuschen auch die Konzessionen für Spielkasinos nicht hinweg, welche die US-Behörden den Indianern überlassen.

swissinfo, Erwin Dettling, Uster

Fakten

Die Ausstellung Zeitbilder. Fotografien von Oswald Iten präsentiert rund 50 vergrösserte Reportagebilder von den Nuba (Sudan), den Yanomami (Brasilien) und den Plains-Indianern (USA).

Die Ausstellung in Uster läuft noch bis zum 14. Mai.

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In Kürze

Oswald Iten: Geboren 1950
Seit 1971 Autor für die Neue Zürcher Zeitung.
Seit 2000 NZZ-Auslandredaktor.
Seit 30 Jahren reist Iten durch die fünf Kontinente und befasste sich in zahlreichen Reportagen mit dem Schicksal indigener Völker heute.
Jetzt hat Iten sein Fotoarchiv für die Ausstellung in der Villa am Aabach in Uster geöffnet.
Die Ausstellung zeigt Bilder der Nuba aus dem Sudan, der Yanomani aus Brasilien und der Plains-Indianer in den USA.

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