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Zürcher Hotels wappnen sich für Ramadan-Gäste

(Keystone)

Hoteliers in Zürich, bekannt für ihre Liebe zum Detail, haben sich in Kursen über die Verpflegung muslimischer Gäste während des Ramadan weitergebildet. Die Zahl arabischer Gäste in der Metropole hat sich in den letzten vier Jahren verdoppelt.

Dieses Jahr fällt der Ramadan auf den Monat August, also in die Sommerferien. Die Hotels wollen es ihren fastenden und ausgabefreudigen Gästen recht machen.

Deshalb traf sich Zürich Tourismus mit verschiedenen muslimischen Organisationen in der Stadt und organisiserte im Mai eine Reihe von Workshops. Weit oben auf der Prioritätenliste stand das Thema Verpflegung für Gäste, die zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang weder essen noch trinken und speziell zubereitete Mahlzeiten wünschen.

Wie Hassan Abo Youssef, Vizepräsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich, gegenüber swissinfo.ch sagte, sind die Züricher Hotels in einem anspruchsvollen Lernprozess.

"Hoteldirektoren müssen sich über die Fastenzeiten informieren, über die Essenszeiten sowie die Essensgewohnheiten", erklärt er. "Sie lernen, dass diese Gäste ihr Frühstück bei Sonnenuntergang, eine weitere Mahlzeit vor dem Sonnenaufgang einnehmen."

Zustrom aus Genf

Vorschriften über den Zeitpunkt, wann Muslime essen dürfen, genügen allerdings noch nicht. Das islamische Gesetz schreibt auch vor, welche Art von Nahrungsmitteln (Halal) erlaubt ist. Fleischfressende Tiere oder Allesfresser sind nicht zugelassen, auch müssen die Tiere geschächtet sein.

Zürich Tourismus hat eine Liste mit all jenen Hotels erstellt, welche diese kulinarischen Erfordernisse anbieten und weitere Ramadan-kompatible Dienstleistungen, so etwa die Bereitstellung von Adressen der Moscheen in der Stadt, Gebetsteppiche und Gebetsräume in den Hotels sowie arabische Zeitungen.

Laut Angaben von Zürich-Tourismus-Sprecher Maurus Lauber hat die Zahl der Übernachtungen von Besuchern aus arabischen Staaten in den letzten vier Jahren von 30'000 auf 62'000 zugenommen. Waren sie in früheren Jahren vor allem ins französischsprachige Genf gereist, kommen sie nun als Reaktion auf die jüngste Marketing-Kampagne nach Zürich.

"Sie haben entdeckt, dass Zürich als grössere Stadt ein umfangreicheres Angebot an kultureller Unterhaltung, Nachtleben und Shopping aufweist", so Lauber gegenüber swissinfo.ch.

"Viele arabische Besucher haben diese Erfahrung gemacht uns es ihren Freunden weitererzählt, und unsere Hotels haben ein grosses Interesse daran, den Bedürfnissen dieser Gäste nachzukommen."

Grosse Portemonnaies

Einer der Hauptgründe für das Engagement der Hotels ist die Kaufkraft der Feriengäste aus ölreichen und weitgehend konjunktursicheren Ländern. Arabische Touristen sind in grossen Gruppen unterwegs und geben gemäss Lauber im Durchschnitt rund 500 Franken pro Person und Tag aus.

Aus diesem Grund lohnt es sich für viele Hotels, nachts Extra-Personal einzusetzen, um sie zu verköstigen.

Solche Dienstleistungen dürften noch eine Weile anhalten, da der Fastenmonat Ramadan die nächsten sechs Jahre auf die Hauptsaison der Schweizer Sommerferien fällt. Da der islamische Mondkalender nicht mit dem christlichen Kalender übereinstimmt, wird der Ramadan jedes Jahr eine Woche nach vorne verschoben.

Aufwachen

Die Tourismusbranche in der deutschsprachigen Schweiz beginne langsam, die muslimischen Gäste wahrzunehmen, sagt Abo Youssef. Es sei allerdings noch einiges nachzuholen.

"In Genf und der Romandie überhaupt sind sie an Ramadan-Gäste gewöhnt, ebenso in den Ferienorten in den Bergen. Aber grosse Städte in der Deutschschweiz, wie Zürich, Basel oder Luzern, sind noch nicht genügend ausgestattet für diese Klienten."

Lauber gesteht ein, dass die Hotels vor sieben oder acht Jahren nicht sehr fortschrittlich waren. Er betonte aber, dass infolge der jüngsten Zunahme arabischer Besucher viele Anpassungen gemacht wurden. "Sie wollen ihre neuen Freunde nicht enttäuschen", sagt er.

Matthew Allen, Zürich, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)

Ramadan

Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. 2009 beginnt er am 22. August des christlichen Kalenders.

Die meisten Muslime befolgen das Fasten (Saum), die vierte der fünf Säulen des Islam. Der Ramadan ist auch eine Zeit für mehr Spiritualität, wohltätiges Handeln sowie Gebet und Besinnung.

Während des Ramadans nehmen viele Muslime kurz vor der Dämmerung eine grosse Mahlzeit (Suhur) zu sich. Beim Einnachten brechen die Muslime das Fasten mit Datteln und Wasser nach dem Vorbild von Prophet Mohammed, später folgt eine Mahlzeit.

Der Ramadan geht mit dem Eid-ul-Fitr-Fest zuende. Dieses beinhaltet Moschee-Besuche und Gebet sowie Zusammensein mit Familie und Gemeinde.

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