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Zurück in einer fremden Welt

Erschöpft nach fast pausenlosem Einsatz: Schweizer Rettungskräfte ruhen sich aus.

(Keystone)

Vor einer Woche klingelte das Telefon: Einsatz in Indien mit Hund. Ein schweres Erdbeben hatte viele Häuser, ja ganze Städte zerstört. Rea Imboden flog mit der Schweizer Rettungskette nach Indien. Jetzt ist sie wieder zu Hause.

Endlich wieder schlafen. Und der Luxus einer warmen Dusche, das ist schön. "Aber ich komme jetzt aus einer ganz anderen Welt. Ich muss mich fast wieder ein bisschen akklimatisieren." Der Vergleich der Tage hier in der Schweiz mit den Tagen dort in Indien, das sind Welten, meint Rea Imboden.

Am Donnerstagabend (01.02.) ist sie von ihrem ersten Einsatz in einem Katastrophen-Gebiet zurückgekehrt. Voller Eindrücke, die noch verarbeitet werden müssen. Mit ihrem Hund suchte sie auf Schutthaufen nach Menschen - Toten oder Überlebenden.

"Das Schwierigste war das Auf und Ab der Gefühle. Diese Trauer, diese Zerstörung zu sehen, die Bevölkerung, die leidet. Aber dann auch diese Hoffnung, die wir bringen können." Sehr bewegend sei immer gewesen, wenn ein Mensch lebend geborgen wurde.

Die Freude war dann jeweils im ganzen Team gross, man umarmte sich "und es flossen auch Tränen". Vor allem als 100 Stunden nach dem Beben noch eine Frau lebend aus den Trümmern gezogen wurde.

Tage vorher schon sei ihr Team mit den Hunden über diesen Schutthaufen gegangen. Aber durch fünf bis sechs Meter Trümmer konnten die Hunde die Frau erst fast nicht orten und gaben nur schwach an.

In einer fremden Welt

Ahmedabad, die Stadt, wo Rea Imboden arbeitete, wurde durch das Erdbeben nur teilweise zerstört. Es gebe da Strassenzüge die gar nicht beschädigt seien. Aber weil vor dem Einsatz nicht klar ist, wie die Situation vor Ort ist, nehmen die Hundeführerinnen und Hundeführer Nahrungsmittel für sich und Hund aus der Heimat mit: Drei Tage muss Zwei- und Vierbeiner autonom sein - mit Wasser und allem.

Schlafen oder besser: ausruhen konnten sich die Hundeführerinnen und Hundeführer in einem Bus, "einem alten indischen Reisebus". "Irgendwann ist man so müde, dass man dann auch wirklich für eine halbe Stunde einschlafen kann."

Jahrelang hat sich Rea Imboden zusammen mit ihrem Hund auf den ersten Einsatz vorbereitet. Den Ernstfall konnte sie nie üben. Und so konnte sie auch nie die "Verarbeitung" üben. Aber mit dem Leichengeruch oder den Leichen, die sie gesehen habe, komme sie zurecht.

"Ich habe mir vor dem Einsatz immer gedacht, es werde für mich viel, viel schwieriger sein, die Trauer unter der Bevölkerung, die Not der Überlebenden zu sehen als tote Menschen." Aber die Menschen in Ahmedabad seien so froh gewesen Helferinnen und Helfer zu sehen, hätten sie beschenkt und so konnte und kann Rea Imboden auch mit der Trauer und der Not umgehen.

Rebecca Vermot

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