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#GenerationE "In der Schweiz sind wir Spanier als Architekten geschätzt"



In Freiburg fand sie nicht nur einen Job, sondern auch die Liebe. Ihre berufliche und persönliche Zukunft sieht Henar Varela in der Schweiz, wie sie betont.

In Freiburg fand sie nicht nur einen Job, sondern auch die Liebe. Ihre berufliche und persönliche Zukunft sieht Henar Varela in der Schweiz, wie sie betont.

(swissinfo.ch)

Die Immobilienkrise in Spanien veranlasste junge und gut ausgebildete Fachleute wie Henar Varela, in der Schweiz ihr Glück zu versuchen. Hier schwimmen sie wie Fische in der renommierten helvetischen Architektur, um diese neu zu erfinden.

Weder ein Beruf mit Zukunft, noch Sprachkenntnisse und Praktiken überall halfen ihr. Henar Varela wusste 2013, dass sie als Architektin in Spanien keine Chance hatte. Die Immobilienblase als Ursache der Wirtschaftskrise traf sie wie viele junge Spanierinnen und Spanier mit voller Wucht.

In jenem Jahr nahm sie sich die Schweiz als neuen Arbeitsort vor: "Von Freunden erfuhr ich, dass spanische Architekten in der Schweiz sehr gefragt sind. Mit einem Versuch verlor ich nichts." Für sie war Geld nicht wichtig, denn sie wollte unbedingt Gebäude bauen. Varela verschickte Lebensläufe mit dem Portefeuille ihrer Arbeiten, kontaktierte unzählige Architekturbüros in der französischsprachigen Schweiz und traf ins Schwarze.

"Das bekannte Architekturbüro Dominique Rousset SA in Freiburg rief mich an, und ich konnte mich sofort vorstellen. Ich verspürte grosse Angst, aber mein Arbeitgeber machte es mir von Anfang an leicht, und wir verstanden uns schnell", erinnert sie sich.

Varela gibt zu, dass "die Ankunft nicht gerade erfreulich war. Es war Februar, sehr kalt, und es hatte ziemlich viel Schnee. Doch das Land und die Stadt Freiburg empfingen mich mit offenen Armen". Mit ihren spärlichen Französischkenntnissen, ohne Wohnung und Bankkonto war es für sie schwierig, mit einem noch laufenden Gesuch um eine Aufenthaltsbewilligung eine Miete zu finden. "Doch dank meinen neuen Arbeitskollegen schaffte ich schliesslich alles", meint sie.

Von Anfang an war ihr bewusst, dass einem in der Schweiz nichts geschenkt wird: "Das ist kein Schlaraffenland. Immer musste ich hart arbeiten und mich an ungefähr alles anpassen", fügt sie hinzu.

Die Architektur spricht Spanisch

Zwar gibt es keine offiziellen Statistiken, doch in der Schweiz arbeiten zahlreiche spanische Architekten, die sich an fast allen neuen Bauprojekten beteiligen. Die Schweizer Architekturbüros schätzen die technischen Kenntnisse, die grosse Bereitschaft und die überbordende Kreativität ihrer spanischen Kollegen.

"Wir bringen mehr als genug und fast immer an staatlichen Universitäten erworbenes Fachwissen mit und haben eine enorme Arbeitslust. Doch die Anpassung fällt uns mehr als schwer", bestätigt Varela.

"Dazu gehören die Handhabe von in Spanien nicht sehr verbreiteter Software und ein ausgiebiges Studium kantonaler Bauvorschriften. Und das zudem noch in einer anderen Sprache!", fasst sie zusammen. Dies und noch viel mehr, um auf der Höhe eines Landes zu sein, das sehr hohe Arbeitsanforderungen stellt.

"Doch heute könnte meine berufliche Stellung nicht besser sein: Ich habe gelernt, auf schweizerische Art zu bauen und mich von der hiesigen Bauqualität beeinflussen zu lassen, die sich von jener Spaniens stark unterscheidet. Weiter habe ich öffentliche Ausschreibungen gewonnen und zusammen mit einem Schweizer Geschäftspartner und Freund sogar ein eigenes Büro gegründet", erzählt sie.

Laut Varela bringen spanische Fachleute Zuverlässigkeit, Bereitschaft und sehr gute Qualifikationen mit: "Nie wirst du in der Schweiz einen demotivierten spanischen Architekten antreffen. Hier gibt es viel zu tun, und oft ergreifen wir die Initiative".

Liebe und andere Sprachen

Nur einige Monate nach ihrer Ankunft verliebte sie sich: "Wer hätte gedacht, dass zu allen Vorteilen, die dieses Land bietet, ich auch noch die Liebe finden würde! Sie lernte Rodrigo kennen, einen Spanier, der 2011 in die Schweiz gekommen war, wo seine Mutter schon fast 30 Jahre lang gearbeitet hatte.

"Es ist sicher das Beste, was mir die Schweiz gegeben hat, jedoch nicht das Einzige", gesteht die junge Frau. Zusammen mit ihm hat sie eine Lebensweise, die eher schweizerisch als spanisch geprägt ist: "Bei uns ziehen wir die Schuhe aus, wenn wir nach Hause kommen, und wir essen Fondue, wie wenn es Paella wäre."

Ihre Motivation hat aber auch mit der Zweisprachigkeit Freiburgs zu tun: "Einige Zeit nach meiner Ankunft, und weil in Freiburg zwei Sprachen gesprochen werden, beschloss ich, Schweizerdeutsch zu lernen". Stunden und Stunden des Lernens erlauben ihr nun, sich mit einem deutschsprachigen Kunden zu verständigen, ohne sich schämen zu müssen. "In einem vielsprachigen Land zu leben, stellt dich vor diese Herausforderung, und ich wollte sie voll ausnützen", meint sie.

Weit weg von zu Hause

Varela plant ihre berufliche und persönliche Zukunft in der Schweiz und könnte fast schwören, dass sie nie aus dem Kanton Freiburg wegziehen wird. Sie bestätigt, dass der Charakter der Schweizer sehr verschieden von demjenigen der Spanier ist: "Doch wenn Du einmal einen Schweizer kennenlernst, hast du einen Freund für den Rest des Lebens gefunden." Zudem glaubt sie zu wissen, wie man die lustigere Seite der Schweizer herauslockt: "Vor meiner Ankunft blieben nur wenige Kollegen noch zu einem Gin Tonic nach Feierabend, und ich glaube, zu dieser Fröhlichkeit beizusteuern", erzählt sie.

"Am schwersten zu ertragen ist, weit weg von Familie und Freunden zu leben. In meiner Geburtsstadt Madrid habe ich die Hälfte meines Lebens zurückgelassen, und es fällt schwer, zu akzeptieren, dass ich nicht zurückkehren werde", gesteht die Architektin. Doch sie fügt hinzu: "Es stimmt, dass, wenn man in einer kleinen Stadt wie Freiburg lebt, alles viel leichter ist. Aus der Freundschaft haben wir eine Familie gemacht."

Varela tun die Jahre weg von zu Hause weh: "Alles, was ich verpasse; Freunde, die ich nicht treffen kann und meine Familie, die ich sehr vermisse." Und wie fast jeden Einwanderer überwältigt sie das Gefühl, nirgendwohin zu gehören: "In Madrid fühle ich mich nicht mehr daheim. Aber in der Schweiz komme ich mir eben auch fremd vor."

Inzwischen geht das Leben weiter, und sie ist froh, in Freiburg gelandet zu sein: "Vor meiner Ankunft hatte ich keine Ahnung, wo die Stadt liegt." Heute ist sie in deren Strassen und die Architektur zutiefst verliebt.

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