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Brasilien 2014


Schweizer Unternehmen schnuppern WM-Luft


Von Dalen Jacomino


Die Konstruktion des Stadions Arena Fonte Nova, in Salvador de Bahia, ist eines der vier Stadien, die von der Zurich versichert sind. Hier wird die Schweiz am 20. Juni gegen Frankreich spielen. ()

Die Konstruktion des Stadions Arena Fonte Nova, in Salvador de Bahia, ist eines der vier Stadien, die von der Zurich versichert sind. Hier wird die Schweiz am 20. Juni gegen Frankreich spielen.

Mit der bevorstehenden Fussball-Weltmeisterschaft und dem riesigen Bedarf an Investitionen, vor allem in der Infrastruktur, figuriert Brasilien mehr denn je auf dem Radar von Schweizer Firmen. Viele von ihnen bemühen sich um die zahlreichen Möglichkeiten, die das Land bietet.

Zur Zeit sind etwa 350 Schweizer Unternehmen in Brasilien tätig. Insgesamt schaffen sie für 106'000 Personen Arbeit und haben einen Jahresumsatz von rund 10 Milliarden Dollar (9 Milliarden Franken). Einige können auf eine lange Geschichte zurückblicken, wie etwa Nestlé oder ABB. Andere sind erst seit ein paar Jahren in diesem Markt, insbesondere dank der grösseren wirtschaftlichen und politischen Stabilität im Land.

In vielen Fällen können sich die Schweizer Firmen dort einbringen, wo die brasilianischen Unternehmen nicht so stark sind, wie etwa bei der Ausrüstung, bei Know-how und Hightech sowie der Qualitätsgarantie.

Der Grossteil dieser Firmen kam nicht nur nach Brasilien, um von den günstigen Gelegenheiten zu profitieren, die durch Sportanlässe wie die WM oder die Olympischen Spiele (2016) erzeugt werden, sondern mit Fokus auf eine langfristige Perspektive.

Ihre Tätigkeitsfelder sind ziemlich breit gefächert: Baugewerbe, Ingenieurwesen, Sicherheit, Finanzen, Lebensmittel, Luxusartikel… Neben der Schweizer Herkunft haben diese Unternehmen noch etwas anderes gemeinsam: es ist ihnen gelungen, in einem Land Fuss zu fassen, das punkto Wirtschaft, Politik und Steuern schwierig ist.

Rekordpublikum dank Schweizer Firma

Die Fussballspiele der WM 2014 in Brasilien dürften insgesamt von rund 3,2 Milliarden Fernsehzuschauern weltweit verfolgt werden, ein Rekord.

Verantwortlich für die Produktion und Übertragung ist das Schweizer Unternehmen Host Broadcast Services (HBS), das seit Jahren mit der FIFA zusammenarbeitet. Die HBS gehört zur Gruppe Infront Sports & Media mit Sitz in Zug, die rund 500 Personen beschäftigt und in 10 Ländern tätig ist.

Während der WM 2014 wird HBS zirka 5000 Stunden lang Bilder übertragen – Spiele, Interviews und Material aus Trainingscamps.

In Brasilien bleiben

Die Zurich, seit 1982 in Brasilien ansässig, ist die viertwichtigste Versicherungsgruppe des Landes und verantwortlich für die Sicherheit beim Bau von vier Stadien: Itaquerão in São Paulo, Maracanã in Rio de Janeiro, Brasília Arena in Brasilia und Fonte Nova Arena in Salvador de Bahia.

Ferner sei der Schweizer Versicherer in diverse andere Infrastruktur-Projekte involviert, die mit der WM in Zusammenhang stehen, sagt Werner Stettler, Geschäftsführer der Zurich-Filiale in Brasilien. Aus Gründen der Vertraulichkeit will er keine Zahlen über den Wert dieser Verträge preisgeben.

Die Zurich, die in Brasilien 1300 Personen beschäftigt, kümmert sich laut Stettler auch – direkt und indirekt – um Projekte, die mit den Olympischen Spielen zu tun haben, so etwa mit dem Bau der Metro oder Sanierungsarbeiten.

Die Erweiterung der Zurich begann schon vor ein paar Jahren. 2008 erwarb das Schweizer Unternehmen die Versicherungsgesellschaften Minas Brasil und la Minas Brasil Vida e Previdência. 2011 kaufte die Zurich 51% des Sektors Leben und private Vorsorge von Generalversicherungen von Santander in Brasilien, Mexiko, Chile und Uruguay. "Die Zurich glaubt an die Möglichkeiten, welche dieses Land bietet", betont Werner Stettler.

Im Bausektor liefert die Geobrugg AG, die zur Gruppe Brugg mit Sitz im Kanton Aargau gehört, unter anderem Stahlstrukturen für das Stadiondach im Maracanã-Stadion, aber auch Schutzsysteme für verschiedene Infrastrukturprojekte im Umfeld der WM. Die Gruppe Brugg ist seit 20 Jahren in Brasilien präsent. Die erste Installation von Geobrugg-Systemen geht auf die Jahre 2004/2005 zurück.

Maria Teresa Soares, verantwortlich für die Geobrugg-Filiale in Brasilien, bestätigt, dass das Wachstum des Unternehmens in den letzten 10 Jahren graduell geschah. "Im Land gibt es eine grosse Nachfrage für Infrastruktur-Arbeiten. Deshalb war Brasilien für unsere Tätigkeiten und unsere Investitionen prioritär", sagt sie.

Elektronische Schlüssel

Die Kaba-Gruppe mit Sitz in Rümlang, Kanton Zürich, hat ihrerseits im Jahr 1999 eine Filiale in Brasilien eröffnet und sich damit auf dem Markt von Schlüsseln, elektronischen Schlössern für Hotels und Online-Kontrollsystemen für Industrie und Residenzen positioniert.

Die Kaba ist nicht nur an grossen Projekten im Zusammenhang mit der Fussball-Weltmeisterschaft beteiligt, sondern hat sich via die Shenzhen Probuck Technologies (chinesische Gesellschaft, die Kaba 2013 gekauft hat) auch den Auftrag für die Lieferung von biometrischen Zutrittssystemen im olympischen Dorf von Rio de Janeiro gesichert.

"Auch wenn unser Umsatz in Brasilien relativ tief ist, konzentrieren wir unsere Kräfte in diesem Markt", erklärt die Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Ein Schritt in diese Richtung war der Kauf der brasilianischen Firma Task Sistemas de Comunicação im Februar, welcher Kaba den Ausbau ihres Verteilnetzes ermöglicht.

Zu ihren Kunden zählt Kaba neben 1000 Hotels auch den Flughafen Guarulhos in São Paulo, wo eine umfangreiche Renovation im Gang ist. Dort ist auch Sulzer, eine weiteres Schweizer Grossunternehmen tätig, das Ende 2013 den Auftrag für ein Pumpsystem erhalten hat. Dieser Flughafen, einer der meistgenutzten in Lateinamerika, wird seine Kapazitäten verdoppeln und künftig 60 Millionen Reisende pro Jahr abfertigen.

Die Schweizer Gruppe ist mit Sulzer Chemtech auch im Chemietechnik-Sektor tätig. "Wir rechnen mit einem Anstieg des Energieverbrauchs (Benzin und Gas), was eine Erhöhung der Investitionen in brasilianische Raffinerien bedeutet", erklärt Verena Gölker, Kommunikationsverantwortliche bei Sulzer.

Luxus und WM

Der Schweizer Uhrenfabrikant Parmigiani in Fleurier im Kanton Neuenburg ist einer der offiziellen Sponsoren des Brasilianischen Fussballverbands (CBF). Der 2011 unterzeichnete Vertrag ist fünf Jahre gültig. Das Unternehmen hat eine exklusive Kollektion lanciert, welche vom brasilianischen Fussball inspiriert war, die CBF-Kollektion.

Anlässlich der WM wird Parmigiani 500 geladene Gäste der Marke empfangen, die an zwei Spielen in zwei verschiedenen Städten dabei sein können.

Die Firma, die Luxusuhren herstellt, hat im zweiten Halbjahr 2013 in São Paulo eine neue Boutique eröffnet.

Auch Messer und Schokolade

Victorinox mit Sitz in Ibach, Kanton Schwyz, prüft ebenfalls neue Strategien, um ihre Präsenz in Brasilien zu festigen. Die Gesellschaft, die weltweit für ihre Schweizer Messer bekannt ist, hat bereits vor 20 Jahren dort eine Zweigstelle eröffnet.

"Es ist jedoch das erste Mal, dass wir in Brasilien investieren, um unsere Marke besser bekannt zu machen", heisst es von Unternehmensseite. In den kommenden Jahren will Victorinox spezielle Produkte entwickeln, wie etwa eine Sonderkollektion von Messern mit Bildern der touristisch bekanntesten Orte im Land.

Nestlé, seit über 90 Jahren in Brasilien tätig, ist durch Garoto, die verbreitetste Schokoladenmarke im Land, Sponsor der Fussball-WM. Um zur "offiziellen Schokolade" des Confederations-Cups 2013 und der WM 2014 zu werden, liess das Unternehmen 200 Millionen Reais springen (80 Millionen Franken), das ist der bislang höchste Werbebeitrag für diese Marke.


(Übersetzung und Adaption: Gaby Ochsenbein), swissinfo.ch



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