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Die Hoffnung kehrt zurück nach Burma

Die Menschen im von Nargis zerstörten Gebiet sehen ihre Zukunft inzwischen etwas heller.

(© swissaid)

Ein Jahr, nachdem das südwestliche Burma durch den Zyklon Nargis verwüstet worden ist, kehren Vögel und Hoffnung langsam in die leidgeprüfte Region zurück, berichtet Caroline Morel vom Hilfswerk Swissaid.

Am 2. Mai 2008 verwüstete der Zyklon Nargis das Irrawaddy-Delta. Über 140'000 Menschen starben und mehr als eine Million wurden obdachlos. Er war einer der verheerendsten Wirbelstürme, die Asien je heimsuchten.

Die starken Winde hatten zu einer drei Meter hohen Flutwelle geführt, die grosse Gebiete der Region überflutete. Viele Menschen suchten Zuflucht auf Bäumen. Durch die Änderung der Windrichtung fielen jedoch viele in den Tod.

Die burmesische Militärjunta hinderte zunächst ausländische Hilfsorganisationen daran, Hilfe zu leisten. Erst drei Wochen später, nach starkem internationalen Druck, willigte sie schliesslich doch noch ein.

Caroline Morel, Geschäftsleiterin der Nichtregierungsorganisation Swissaid, die nach dem verheerenden Sturm zu den ersten gehörte, die Hilfe leisteten, hat die betroffene Region kürzlich besucht.

swissinfo: Sie haben sich im Süden Burmas ein aktuelles Bild gemacht. Wie ist die Situation dort?

Caroline Morel: Ich war ziemlich beeindruckt. Die Auswirkungen des Zyklons sind noch fast überall zu sehen, aber man befindet sich auf dem Weg zur Besserung. Die Menschen sind mit dem Lebensnotwendigsten versorgt aber der Neubau vieler Häuser ist noch nicht beendet und alte befinden sich noch nicht im Zustand wie vor der Katastrophe. Es ist schmerzhaft und erschütternd, die Geschichten der Menschen zu erfahren, von denen die meisten Angehörige verloren haben.

Ein grosses Problem besteht im Ertrag der Reisfelder. Letztes Jahr wurden nur 30 bis 50% der Menge eines normalen Jahres geerntet, weil die Böden versalzen waren. Die Menschen haben grosse wirtschaftliche Probleme. Die dortigen Reisbauern hoffen, dass sich die Böden in den nächsten Jahren wieder etwas erholen werden.

swissinfo: Was für Prioritäten hat sich Swissaid für die Region gesetzt?

C.M.: Am Anfang stand die Nahrungsmittel- und Trinkwasser-Soforthilfe an die betroffenen Menschen. Dann haben wir uns auf die Wiederaufbauhilfe konzentriert und auf Massnahmen, die den Menschen wieder ein Einkommen verschaffen. Wir verteilten Saatgut, Handpflüge, da die meisten Zugtiere umgekommen waren, sowie Fischernetze und Boote.

Der Aufbau der Häuser hat nach wie vor Priorität, denn der Monsun wird bald beginnen und die Menschen müssen sich vor dem Regen schützen können. Im Lauf der nächsten zwei Jahre werden wir uns aus dieser Gegend zurückziehen, da wir normalerweise im nördlichen Teil des Landes arbeiten.

swissinfo: Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung? Sehen die Menschen optimistischer in ihre Zukunft?

C.M.: Ich war von der dort herrschenden Solidarität sehr beeindruckt. Zuerst mussten die Menschen ja zwei, drei Wochen ohne Hilfe von aussen überleben. So waren sie gezwungen, sich selbst zu helfen. Diese Solidarität gibt es auch heute noch. In den Dörfern unterstützen sich die Menschen und helfen sich gegenseitig.

Jemand hat uns erzählt, dass nach dem Zyklon Nargis alle Vögel die Region verlassen hätten. Aber nun kämen sie langsam zurück. Dies wird als gutes Zeichen für die Zukunft wahrgenommen.

swissinfo: Zu Beginn der Krise liess die burmesische Regierung keine Hilfsorganisationen ins betroffene Gebiet. Erst später hat sie diese Politik ein wenig gelockert. Wie sieht die Zusammenarbeit zwischen Nichtregierungsorganisationen und der Militärjunta heute aus?

C.M.: Heute ist es tatsächlich viel einfacher. Die NGOs müssen immer noch viel verhandeln, aber wir stellen fest, dass sich die Regierung leicht zu öffnen beginnt.

Es war hilfreich, dass die UNO und asiatische Länder im letzten Jahr Druck aufgebaut haben, welcher die burmesische Regierung zu Änderungen ihrer Politik veranlasste und zur Öffnung des Landes für internationale Hilfe.

swissinfo: Was für Aussichten sehen Sie für die betroffene Region?

C.M.: Ich denke, das meiste wird wieder hergestellt werden. Aber es gibt viele Schwierigkeiten und die menschlichen Verlust wiegen schwer.

Es ist wichtig, den Klimawandel zu beobachten, denn diese Region liegt sehr tief und sie kann von einem Nargis-Nachfolger wieder in Mitleidenschaft gezogen werden.

swissinfo: Was kann man tun, um sich vor einem nächsten schweren Sturm zu schützen?

C.M.: Wir haben festgestellt, dass einige öffentliche Gebäude wie Schulen auf Hügel gebaut wurden. Die Menschen können im Fall einer weiteren Flut dort Zuflucht suchen.

Wir sind aber auch auf der Suche nach salzresistentem Saatgut. Denn das Klima könnte die Böden und damit die landwirtschaftliche Produktion beeinflussen.

swissinfo, Isobel Leybold-Johnson
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Menschenrechtsverletzungen

Menschenrechtler verlangen von der Militärjunta in Burma die Freilassung von 21 Menschen, die wegen ihrer Hilfe für Opfer des Zyklons Nargis inhaftiert sind.

Die US-Organisation Human Rights Watch ruft Burmas Nachbarn und Geberländer auf, auf deren Freilassung zu pochen.

"Geberländer und Freunde der Militärregierung wie China sollten die Generäle drängen, Aktivisten, die den Überlebenden halfen, freizulassen."

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swissaid und Burma

Swissaid unterhält Entwicklungsprojekte in neun Ländern. Seit 1992 wirkt sie in Burma.

Die NGO arbeitet mit lokalen Partnern. Deshalb konnte sie schnell nach Nargis' Zerstörungen helfen, denn ihr Partner war mit der Gegend vertraut. Er verteilte Reis, Kleidung, sauberes Wasser und Zeltplanen für Notunterkünfte. Jetzt arbeitet man am Wiederaufbau.

Von den von der Glückskette zur Verfügung gestellten Mitteln wurden 300'000 Fr. für Soforthilfe ausgegeben und 400'000 Fr. für den Wiederaufbau. Insgesamt 65'000 Menschen wurden unterstützt.

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Burma

Burma, Birma oder Myanmar steht seit 1962 unter der Herrschaft einer Militärjunta. Jede abweichende Meinung wird unterdrückt. Gegen das Land wurden internationale Sanktionen ausgesprochen.

Die Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi verbrachte in den letzten 17 Jahren 11 Jahre unter Hausarrest. Das internationale Komitee vom Roten Kreuz durfte sie seit 2003 nicht mehr besuchen.

Am 27. April verlängerte die Europäische Union ihre Sanktionen gegen das Land und forderte die Freilassung der politischen Gefangenen, einschliesslich von Aung San Suu Kyi.

Für nächstes Jahr sind allgemeine Wahlen geplant. Laut EU-Diplomaten hat das Land aber die dafür nötigen Schritte nicht getan, um diese glaubwürdig zu gestalten.

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(swissinfo.ch)

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