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Direkte Demokratie Wie Brasilien, Spanien und Deutschland das WM-Viertelfinale verpassten

A Swiss fan at a World Cup football match

In einem alternativen Match - einem direktdemokratischen - wäre die Schweiz Weltmeisterin.

(Keystone)

Was wäre, wenn die Weltmeisterschaft nicht durch Fussball entschieden würde – sondern durch die Qualität der direkten Demokratie eines jeden Landes? Ein Gedanken-Experiment.

Die 32 Mannschaftenexterner Link haben sich mit unterschiedlichen Leistungen qualifiziert, die jetzt bei der Weltmeisterschaft der direkten Demokratie zählen. Dieses Turnier wird durch freie und faire Wahlen, Rechtsstaatlichkeit und umfassende Formen der partizipativen und direkten Demokratie entschieden.

Wir zeigen Ihnen, wie sich ein solcher Wettbewerb mit 32 Ländern in 8 Gruppen und einem 16-Mannschaften-Playoff abspielen würde.

Gruppe A: Die Schöne und die Biester

Uruguay ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein Pionier und langjähriger Praktiker der direkten Demokratie. Aber wer gewinnt den zweiten Platz? Das von Demokratie weit entfernte Russland, mit einem gut ausgearbeiteten, wenn auch wenig genutzten Referendumswerkzeug aus Sowjetzeiten. Es lässt die noch weniger demokratischen Länder Ägypten und Saudi-Arabien weit hinter sich. {1. Uruguay, 2. Russland, 3. Ägypten, 4. Saudi-Aarabien}

Gruppe B: Ein regionaler Wettbewerb mit einem Gast

Drei Nachbarländer kämpfen hier um den ersten Platz. Portugal und seine starke demokratische Tradition schaffen es nur knapp vor Spanien. Dieses punktet mit einer wachsenden direkten Demokratie, die aber durch das problematische katalanische Referendum besudelt wird. Auf dem dritten Platz folgt Marokko, das versucht hat, einige demokratische Instrumente aufzubauen. Die persischen Gäste sind ein weit abgeschlagener Vierter. {1. Portugal, 2. Spanien, 3. Marokko, 4. Iran}

Gruppe C: Globalistischer Kampf der Monarchisten und Republikaner

Das alte Königreich Dänemark gewinnt in dieser Gruppe, während das sehr demokratische Australien, das in Bezug auf die direkte Demokratie etwas ambivalent ist, den zweiten Platz einnimmt. Frankreich, mit seinem Engagement für den imperialen Republikanismus, ist ein entfernter Dritter, während Peru, trotz einer Geschichte der Abberufung lokaler Bürgermeister, den letzten Platz einnimmt. {1. Dänemark, 2. Australien, 3. Frankreich, 4. Peru}

Gruppe D: Wikinger wieder mal zuvorderst

Islands demokratische Geschichte und die Bemühungen um eine hochgradig partizipative Verfassung lehren die Konkurrenten aus Europa, Südamerika und Afrika das Fürchten. Argentinien, mit einer starken Wahlinfrastruktur, belegt den zweiten Platz. {1. Island, 2. Argentinien, 3. Kroatien, 4. Nigeria}

Gruppe E: Gewinnen wie ein Uhrwerk

Brasilien war Favorit, weil es ein Pionier für partizipative Budgetierung ist, aber das Land hat seinen demokratischen Vorsprung verloren. Und so gewinnt die robustere Demokratie Costa Ricas den zweiten Platz. Die Schweiz, die erfahrenste direkte Demokratie der Welt, dominiert das Feld und gewinnt den ersten Platz. {1. Schweiz, 2. Costa Rica, 3. Brasilien, 4. Serbien}

Gruppe F: Die Todesgruppe

Wow, hier geht es hoch zu und her! In der am meisten umkämpften Gruppe dieses Turniers gewinnt das Land von Angela Merkel, das in den letzten 30 Jahren eine starke Verbreitung der direkten Demokratie in allen 16 Staaten erlebt hat. Mexiko, mit starken partizipativen Prozessen, die jetzt vor allem in Umweltfragen eingesetzt werden, schlägt die anderen beiden Länder, die ihre Demokratien ebenfalls vorangebracht haben, nur knapp. {1. Deutschland, 2. Mexiko, 3. Schweden, 4. Südkorea}

Gruppe G: Der arabische Frühlingswunderjunge

Tunesien, die einzige Demokratie, die vom arabischen Frühling übriggeblieben ist, machte trotz Schwierigkeiten unverkennbare Fortschritte beim Aufbau einer neuen Demokratie, auch mit starker lokaler Beteiligung. Das brachte dem Land in dieser Gruppe den Sieg über zwei europäische Monarchien sowie Panama. {1. Tunesien, 2. Belgien, 3. England, 4. Panama}

Gruppe H: Erst ein Nobelpreis, dann die Weltmeisterschaft

Kolumbiens Friedensvertrag und der damit verbundene Nobelpreis machten das Land zum Sieger dieser Gruppe. Japan liegt knapp hinter zwei anderen Wahldemokratien mit autokratischen Tendenzen an zweiter Stelle. {1. Kolumbien, 2. Japan, 3. Polen, 4. Senegal}

Die ersten beiden Finalisten in jeder der 8 Gruppen kommen in die zweite Runde.

(swissinfo.ch)

Diese Runde der 16 ergibt klare Siege (Portugal gegen Russland und die Schweiz gegen Mexiko), aber auch überraschende Niederlagen für grosse Demokratien wie Deutschland (das vom sehr demokratischen Costa Rica besiegt wird) und Australien (das gegen Island verliert).

Im Viertelfinale trifft Argentinien auf den direkten Demokratie-Meister Uruguay. Island besiegt Portugal knapp, Costa Rica besiegt das demokratisch weniger entwickelte Kolumbien, und die Schweiz besiegt ein hartnäckig demokratisches Tunesien.

Im Halbfinale besiegt Uruguay die Wikinger aus Island in einem hart umkämpften Spiel in St. Petersburg, während die Schweiz im WM-Hauptstadion (Kapazität 81'000 Zuschauer), dem Luschniki, einen klaren Sieg über Costa Rica davonträgt.

Damit steht in Moskau ein Finale an zwischen Uruguay, dem grossartigen kleinen direktdemokratischen Land Amerikas, und der Schweiz, dem europäischen Pendant.

Es ist ein spannender Match. Beide Länder verfügen über umfassende partizipative und direktdemokratische Rechte und Praktiken, und sie erzielen jeweils zwei Tore, was das Spiel in die Verlängerung treibt. Aber die Stürmer der Schweiz aus Bürgern führen das Land zum Pokal.

"Am Ende haben unsere grösseren Erfahrungen mit Initiativen und Referenden den Unterschied gemacht", sagt einer der Schweizer Spieler, der in Albanien geboren wurde und nun die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt.

Joe Mathews ist ein kalifornischer Kolumnist und Innovationsredaktor am Zócalo Public Square in Los Angeles und Co-Präsident des Global Forum on Modern Direct Democracy. Er lebt mit seiner Familie in der Stadt South Pasadena, wo er die Lugnuts leitet, ein sehr erfolgreiches Jugend-Baseballteam.

Bruno Kaufmann ist swissinfos globaler Demokratie-Korrespondent. Er begann seine journalistische Karriere als Sportreporter bei einer Schweizer Lokalzeitung über die Fussball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Er lebt mit seiner Familie in Arboga/Schweden. Mathews und Kaufmann leiten gemeinsam das Global Forum on Modern Direct Democracyexterner Link.

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(Übertragung aus dem Englischen: Sibilla Bondolfi)

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