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Cuba Real: Geschäftsidee mit Wachstumsperspektiven


Kuba will die Tourismusströme mit eigenen Agenturen kanalisieren. Das Schweizer Unternehmen Cuba Real Tours ist in der sozialistischen Planwirtschaft ein wichtiger Player geworden. Andrea Büchel arbeitet seit 3 Jahren in Havanna für Cuba Real.

Der Arbeitsplatz von Andrea Büchel liegt im geschichtsträchtigen Art-Deco-Bacardi-Gebäude in Havanna. Der ehemalige Firmensitz der Rum-Dynastie wurde 1930 gebaut und ist heute das Geschäftszentrum von "Cuba Real Tours", einem Schweizer Reiseveranstalter, der vor zehn Jahren in Kuba seinen Betrieb aufnahm.

Die Beziehung von Andrea Büchel zu Kuba begann mit einer Reise. Die Tourismusfachfrau erfuhr von einer Kollegin, dass "Cuba Real Tours" in Havanna eine Reisespezialistin suchte: "Die Frist für die Bewerbung war schon abgelaufen", erzählt die junge Schweizerin gegenüber swissinfo.ch.

"Ich meldete mich trotzdem, bekam den Job und musste mich rasch entscheiden, die Zelte in der Schweiz abzubrechen." Seither sind drei Jahre vergangen, "Cuba Real Tours" zählte damals 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, heute sind es zusammen mit jenen in der Schweiz mehr als dreissig.

Die Geschäfte mit den Fremden, die Kuba auf spezielle Art kennen lernen wollen, florieren, und Andrea Büchel musste sich an verschiedene Eigenheiten der strikt geregelten kubanischen Tourismusindustrie gewöhnen, an Regeln, die auch den persönlichen Bereich betreffen.

"Jedes Mal, wenn ich hier als Schweizerin ausreisen will, muss ich bei den Behörden eine Bewilligung einholen. Das kann gut und gern drei Wochen dauern. Spontane Reiseentscheide sind nicht möglich."

Wenn teurer besser ist

Andrea Büchel hat in Kuba gelernt, dass die Mentalität der lokalen und der europäischen Tourismus-Partner unterschiedlich sein kann. Dieses Gefälle zwischen den Auffassungen über das Reisegeschäft nutzt "Cuba Real Tours" aus.

"Unsere Kunden aus der Schweiz, aus Deutschland, Österreich - und neuestens auch aus England - verstehen, dass wir etwas teurer sind. Die Reisenden aus Europa können sich aber darauf verlassen, dass unsere Programme funktionieren", meint die Schweizerin.

Im kubanischen Massentourismus kann auch fast 20 Jahre nach der Öffnung für die Fremden noch immer einiges schief gehen, wie Andrea Büchel erzählt.

"Wir müssen jede einzelne Leistung bei den kubanischen Partnern mehrmals bestätigen und absichern. Das beginnt beim Bus, der unsere Kunden punktgenau abholen soll, und endet beim Tischgedeck in den guten Hotels, das dem Anspruch unserer Kunden im höheren Preissegment genügen muss."

Reisende, die Kuba im Luxus-Segment erleben wollen, erwarten, "dass wir authentische Programme anbieten, die anderswo nicht zu haben sind.

Sie möchten das spezielle Flair von Kuba - Mangelwirtschaft einerseits, Luxus andererseits, Sozialismus hier, karibische Lebensfreude dort – erfahren, das es sonst so nirgendwo in ganz Lateinamerika gibt", sagt Andrea Büchel.

Reisen ist Kulturvermittlung

Ob eine Reise im High-End-Tourismus gelingt, hängt nicht zuletzt von der kubanischen Reiseleitung ab, die gehalten ist, den Besuchern die offizielle, revolutionäre Sicht des autoritären Staates und seiner Wirklichkeit zu vermitteln.

Das sei nicht immer konfliktfrei: "Wir müssen unseren Gästen erklären, dass Reiseleiter aus Europa, welche die von uns vermittelten Gruppen begleiten, in Kuba jeweils einen zusätzlichen lokalen Reiseleiter mitnehmen müssen. Wenn er seinen Spielraum ausreizt, kann er eine Bereicherung für das Reiseerlebnis der Gäste sein. Wenn nicht, kann er zur Belastung für das Programm werden."

Andrea Büchel erlebt in Havanna, dass ein ausgewogener Mix von lokalen und europäischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Kuba-Tourismus zielführend ist.

"Cuba Real Tours" zählt in Havanna rund 10 europäische und etwa 15 kubanische Mitarbeiter. Die kubanischen Mitglieder des Teams können wir nicht selbst auswählen. Sie werden gemäss unseren Anforderungsprofilen vom kubanischen Staat gestellt.

Beziehungsnetze helfen

Die lokalen Angestellten bei "Cuba Real Tours" sind nicht nur Vermittler zwischen verschiedenen Reisekulturen, wie Andrea Büchel zu schätzen weiss.

"Sie haben vor allem ausserhalb der Hauptstadt das richtige Beziehungsnetz, das hilft, wenn zum Beispiel beim Essen nicht alles rund läuft. Denn in den Provinzen gilt immer noch: Auf den Tisch kommt, was es am Markt gibt: Reis, Bohnen, Huhn und Fisch; das ist nicht unbedingt das, was wir im Menuplan bestellt haben."

Wenn Mangel aus Prinzip herrscht

Wer in Kuba bekommt im Alltag direkt oder indirekt immer wieder das Handelsembargo zu spüren, das die USA gegen Kuba seit fast 50 Jahren aufrecht halten.

"Kuba ist kein Konsumparadies. Plötzlich finde ich Insektenspray, mit dem ich gegen Ameisen in meiner Wohnung vorgehe. Dann gibt es vielleicht ein halbes Jahr keinen mehr – die Ameisen aber bleiben. Das gleiche gilt für WC-Papier. Wenn es einmal hat, kauft man Reserven, für rollenfreie Zeiten am Markt".

Wie entwickelt sich der kubanische Tourismus? Entwickelt er sich überhaupt? Andrea Büchel hat einen zwiespältigen Eindruck: "Wir hören immer wieder von grossen Projekten, von denen ich aber bisher nicht viel gesehen habe. Wir können Vorschläge machen für Verbesserungen. Die Regeln im Tourismus geben jedoch die kubanischen Behörden vor."

Es gibt ein Sprichwort: Kuba soll sich der Welt und die Welt soll sich Kuba öffnen. Ist Kuba im Tourismus auf eine solche Öffnung, auf einen Ansturm von Fremden vorbereitet?

"Eine Öffnung wäre für den Tourismus positiv. Der Kampf um jedes Fremdenzimmer wird dann zunehmen. Ob es bei einer Öffnung zu einem touristischen Massenansturm aus den USA kommt, weiss hier niemand mit Sicherheit."

Erwin Dettling, Havanna, swissinfo.ch

Tourismuszahlen

Im ersten Semester 2010 haben 1,4, Millionen Touristen Kuba besucht.

Die Tourismusbehörde informiert, dass die Zahl der Besucher aus Europa sinke (Spanien -16,4%, Italien -8,1%, England -4,8%, Kanada - 2,1%).

Gleichzeitig hätten im ersten Semester Touristen aus anderen Märkten zugelegt: Argentinien verzeichnet einen Besucherzuwachs von +10,5%.
Im ersten Semester 2010 strömten auch mehr Touristen aus Peru, Brasilien, Chile und Venezuela nach Kuba. Russland verzeichnete einen Zuwachs von 25%.

Besondere Hinweise

Seit 1. Mai 2010 müssen Besucher bei der Einreise nachweisen können, dass Ihre Kranken- oder Reiseversicherung für allfällige medizinische Kosten in Kuba aufkommt.

Es empfiehlt sich bei der Einreise den Nachweis für eine Versicherungspolice, eine Versicherungskarte einer Krankenkasse oder den Beleg einer Reiseversicherung bei sich zu haben.

Wer den Nachweis nicht erbringen kann, muss bei der staatlichen kubanischen Assistance-Gesellschaft Asistur eine Versicherung abschliessen.

Diese Regelung betrifft alle Personen mit Wohnsitz ausserhalb Kubas.

"Cuba Real Tours"

Das Schweizer Reiseunternehmen wurde von Reto Rüfenacht im Jahr 2000 gegründet und hat sich in zehn Jahren zur grössten privaten Reiseagentur in Kuba entwickelt.

Der operative Hauptsitz der Firma ist in Havanna, das administrative Hauptquartier in Baden, Schweiz.

"Cuba Real Tours" beschäftigt 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 25 davon in der kubanischen Hauptstadt.

Das grösste Wachstum hat das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren erzielt.

Im Jahr 2009 hat "Cuba Real Tours" 7500 Gäste aus dem vorwiegend deutsprachigen Europa betreut.



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