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Journalist bei der UNO in Genf


"Ein kleines Land, das grosse Schätze hütet"


Von Mohamed Cherif, Genf


 (swissinfo.ch)
(swissinfo.ch)

Er ist der erste Korrespondent aus Senegal in Genf: El Hadji Gorgui Wade Ndoye, dessen Arbeitsplatz seit 13 Jahren im UNO-Palast liegt, ist ein genauer Beobachter Afrikas, aber auch der Schweiz.

Fröhlich und elegant: Wo sich der 42 jährige Ndoye aufhält, zieht er die Blicke auf sich. Vom Palais des Nations der Vereinten Nationen in Genf aus berichtet er für zahlreiche afrikanische Zeitungen über das internationale Geschehen. Seine akademische und politische Bildung ermöglichen ihm einen kritischen, aber objektiven Blick auf die Schweizer Gesellschaft und die internationalen Organisationen.

Gorgui hatte lange zwischen Recht und Journalismus gezögert, studierte dann aber Gegenwartsgeschichte. Seine Dissertation verfasste er über den algerischen Befreiungskrieg und die Involvierung der afrikanischen Staaten.

Diese Forschungsarbeit machte ihn zum Experten für den Maghreb und den arabischen Orient. Sie erlaubte ihm auch, sich in die Geschichte Senegals und Afrikas zu vertiefen. Und er fand zu seiner ersten Liebe zurück: dem Journalismus.

Ein Traum wird wahr

Dies passierte 2000. Zum "Millennium", der Jahrtausendwende, gastierte der senegalesische Weltstar Youssou N’Dour in Genf. "Ich hatte in der senegalesischen Zeitung Sud Quotidien einen Artikel über den Sänger geschrieben, der viel Beachtung fand. Der Chefredaktor schlug mir vor, für ihn als Korrespondent in Genf weiter zu arbeiten. So rutschte ich tiefer in den Journalismus, und ich berichtete vom Sozialgipfel, der 2000 im UNO-Palast stattfand, an dem unter anderem Kofi Annan teilnahm."

Danach wurde Gorgui Korrespondent einer der grössten Zeitungen seines Landes, Le Soleil du Sénégal, sowie für Wal Fadjri. Ihm kam dabei entgegen, dass Genf und die Schweiz Schauplätze für internationale Treffen sind. So konnte er "die wichtigen weltpolitischen Ereignisse direkt mitverfolgen und die Führer des Planeten treffen", wie er erklärt.

Afrika beleuchten

Obwohl aus einer muslimischen Familie stammend und trotz seinem Bezug zur Religion wurde er in einem Milieu erzogen, das ihm erlaubte, "das Leben mit klarem Blick zu sehen, fern aller Bezüge zu Schicksal und Fatalität", wie er erzählt.

Die internationale Welt hat ihm die Augen geöffnet für die drängenden Probleme der Welt, ohne dass er jene des Schwarzen Kontinents vergessen hat.

"Über 60% aller UNO-Aktivitäten beziehen sich auf die Länder Afrikas. Spricht man hier über sie, geht es um Krankheiten, die dort grassieren und welche Mittel der Kampf gegen sie erfordert. Das hilft den Menschen in Afrika aber nicht, um aus ihren Schwierigkeiten zu finden." Dazu komme, dass die Nachrichten aus dem internationalen Genf sich vor allem an ein westliches Publikum richteten. "Die Anliegen Afrikas werden verkannt. Die Arbeit des afrikanischen Journalisten umfasst also die Beleuchtung dessen, was in diesen Informationen fehlt."

Deshalb hat Gorgui 2004 Continent premier gegründet, ein Magazin, das monatlich im Internet publiziert wird. Daran sind afrikanische Studenten und Lehrer ebenso beteiligt wie Schweizer Journalisten. Er bedauert aber, dass es in Genf, Brüssel oder New York schlicht zu wenig afrikanische Journalisten habe, um das Bild ihres Kontinents zu verbessern.

Menschenrechte und Fluchtgelder 

Wie sehen die Menschen in Afrika die Schweiz? "Als das Land der Menschenrechte, sehr reich, sehr sauber, mit integren Bürgern", erzählt Gorgui. Hier könne man internationale Beziehungen studieren und einen Arbeitsplatz bei der UNO erhalten. Dies zumindest sei das Bild der Afrikaner über die Schweiz in den 1990er-Jahren gewesen, das für einige noch heute gelte. "Allmählich aber habe ich auch begriffen, dass es das Land der Fluchtgelder von afrikanischen Staatschefs ist."

Die Schweiz habe in Afrika immer humanitäre Hilfe geleistet, anerkennt der Senegalese. Er bedauert aber, dass sie ich auf diese Rolle beschränke, während etwa China auf die wirtschaftliche Beziehungen setze.

Er befürchtet zudem das Aufkommen rechtsextremer Tendenzen in der Schweizer Politik, die das gute Image des Landes in Afrika beschädigen könnten.

Ndoye selbst wurde in der Schweiz schon mit Rassismus konfrontiert. Journalistenkollegen und Parlamentarier haben ihn unterstützt. "Ich wurde danach zu Kursen bei der Genfer Kantonspolizei und bei Schweizer Journalisten eingeladen. Ersteren sagte ich, wie sie sich gegenüber Afrikanern verhalten, letzteren, wie sie Realität des afrikanischen Kontinents verstehen sollten."

Fragen des Prinzips

Seine Erfahrungen bei der UNO in Genf haben beim Beobachter zu einer bitteren Erkenntnis geführt. "Die sehr gute Arbeit für die Menschenrechte, welche die UNO bis Mitte der letzten Dekade leistete, wird heute von geostrategischen Interessen verdrängt, die nur schwer durchschaubar sind", klagt Gorgui. Trotzdem verzweifelt er nicht. Die UNO bleibe unverzichtbar, so lange sie die Prinzipien hochhalte, für die sie gegründet worden war, ist er überzeugt.

Was beeindruckt in an der Schweiz? "Sie ist ein kleines Land, das grosse Schätze beherbergt, insbesondere die Intelligenz. Sie ist auch das Land des Dialogs, das auf soliden Institutionen beruht." All dies mache sie zu einem Vorbild. "Gegenüber der Welt müssen die Schweizer diese Qualitäten einfordern, statt immer in der Defensive zu verharren", lautet der Rat des Beobachters aus Afrika.


(Adaptation aus dem Arabischen: Ghania Adamo) , swissinfo.ch



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