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Mitenand-Initiative Pioniere einer offeneren Migrationspolitik

Demonstranten mit Transparenten, auf denen Solidarität mit und gleiche Rechte für die Ausländer gefordert wurden

Die Demonstrierenden protestieren 1978 in Bern gegen den Entwurf der Regierung für ein neues Ausländergesetz. Streitpunkt ist vor allem der Status der sogenannten "Saisonniers".

(Keystone)

Vor 40 Jahren, am 28. Oktober 1978, standen 3000 Menschen auf dem Bundesplatz: Sie forderten eine menschlichere Ausländerpolitik, in welcher "der Ausländer ein Mensch gleichen Rechts wie der Schweizer ist". Organisiert wurde die Kundgebung von der schweizweiten Mitenand-Bewegung. Wie kam es dazu?

Sie galten als Konjunkturpuffer. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden sie von der Schweiz zu Hunderttausenden als sogenannte Fremdarbeiter angeworben. Sie durften sich befristet in der Schweiz aufhalten – sie waren "Saisonniers".  In Wirtschaftskrisen – so die Idee – konnte man sie wieder in ihre Heimatländer zurückschicken.

Quelle: Der Historiker Kijan Espahangizi hat die Bewegung in einem Blog-Beitragexterner Link wieder in Erinnerung gebracht. Er ist Mitbegründer des Instituts Neue Schweiz INES, eines Think Tanks, der sich für neue Perspektiven auf das Einwanderungsland Schweiz interessiert.

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Die Menschen, die bleiben konnten, sollten sich assimilieren. Doch die Zuzüger weckten Ängste, und die Angst vor "Überfremdung" wurde politisch befeuert: 1970 stimmte die Schweizer Stimmbevölkerung über die sogenannte Schwarzenbach-Initiative ab. Der Politiker James Schwarzenbach forderte, den Anteil aller Ausländer in den Kantonen auf jeweils 10% zu beschränken. Die Initiative wurde mit 54% sehr knapp abgelehnt –fast die Hälfte der Abstimmenden befürwortete die Initiative. 

Gleiche Rechte für Ausländer gefordert

Doch die Schwarzenbach-Initiative motivierte auch viele dazu, sich gegen alltägliche und behördliche Diskriminierung zu wehren. Ihre Forderung hiess "Integration" statt "Assimilation". Man wollte Ausländern gleiche Rechte zugestehen wie Schweizern und forderte, dass diesen der Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie die Bildung ebenso offen stehen sollten.

1974 wurde die Bewegung "Mitenand für eine menschliche Ausländerpolitik" ins Leben gerufen – die bald von kirchlichen, liberalen und linken Kräften, aber auch von Ausländerorganisationen unterstützt wurde. Gemeinsam lancierten sie eine Volksinitiative, die gleiche Rechte für niedergelassene Ausländer und Ausländerinnen forderte: Sie sollten mit ihren Familien hier leben können und nicht von Ausschaffung bedroht sein. Auch forderten die Initianten und Initiantinnen eine Abschaffung des Saisonnier-Status. Entscheidend war der Satz: "Die Gesetzgebung berücksichtigt die Interessen der Schweizer und Ausländer gleichermassen." 

Rezepte aus den "Ländern unserer Fremdarbeiter"

Bereits in den 1960er-Jahren wurden in verschiedenen Städten "Kontaktstellen zwischen Schweizern und Ausländern" gegründet. Man traf sich zum Essen, musizierte und feierte zusammen – aus der Mitenand-Bewegung ist auch ein Kochbuch mit italienischen, spanischen, portugiesischen, griechischen, jugoslawischen  und türkischen Rezepten entstanden – aus den "Ländern, aus denen unsere Fremdarbeiter und Fremdarbeiterinnen" stammen.

Initianten präsentieren vor den Medien ihre Mitenand-Initiative

Die Initianten der "Mitenand-Initiative" erläutern im Februar 1981 vor den Medien in Bern ihre Forderung nach einer gerechteren Ausländerpolitik.

(Keystone)

Aber es ging nicht nur um den Genuss von damals noch exotischem Essen, sondern um das Ziel, eine für alle gerechtere Schweiz zu schaffen. 1977 waren genügend Unterschriften gesammelt, um die Initiative einzureichen, 1978 demonstrierte die Bewegung auf dem Bundesplatz. Der Bundesrat und das Parlament empfahlen die Initiative zur Ablehnung und der Abstimmungstermin liess lange auf sich warten. Letztlich wurde die Initiative 1981 mit 83.8 % Nein-Stimmen brutal abgelehnt.  

In Vergessenheit geraten

Die verschwindend kleine Zustimmung zur Initiative ist wohl auch der Hauptgrund, warum sie vergessen wurde. Doch die Mitenand-Bewegung arbeitete weiter, so organisierte sie zum Beispiel Ferienlager für Kinder von Schweizern und Ausländern und engagierte sich in der Asylpolitik, die ab den 1980er-Jahren stärker zum Thema wurde. Erst 1990 löste sie sich auf.

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