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Neue Chancen für Schweizer Bahnbauer

Die einst grossen Anbieter im Schweizer Bahn- und Waggonbau sind weitgehend vom Markt verschwunden. Für Nischenanbieter gibt es nach wie vor gute Chancen.

Die neue Bahntechnologie der Stadler AG macht in der Schweiz und im Ausland Furore.

Die Schweiz verfügt über eines der dichtesten Eisenbahnnetze der Welt und war bis vor kurzem eine bedeutende Kraft im Lokomotiv- und Waggonbau.

Die großen Namen wie Oerlikon, SLM, BBC und Schindler Waggon sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiven Firmenumstrukturierungen zum Opfer gefallen.

Fusionen im Lok- und Waggonbau, ein kleiner Heimmarkt und ausländische Konkurrenten haben den Schweizer Eisenbahnbauern zugesetzt. Heute wird der Markt von Grosskonzernen wie Siemens, Alstom und Bombardier dominiert.

Bahnvision mit Kopf und Verstand

Die Firma Stadler AG im thurgauischen Bussnang hat aus der Not eine Tugend gemacht und in einer Nische zwischen standardisierten Produkten der Grossanbieter und kundenorientierten Bahnwünschen ihren Platz gefunden.

Die Zugbauer aus dem Thurgau haben vom Abbau der Konkurrenten profitiert: "Verschiedene hochkarätige Fachleute anderer Bahnbauer sind zu uns gekommen", erklärt Silvia Bär, Sprecherin von Stadler gegenüber swissinfo.

Der innovative Unternehmer Peter Spuhler hat in einem Jahrzehnt einen Kleinbetrieb für Schienenfahrzeuge, das einst zwei Dutzend Personen beschäftigte, zu einem Unternehmen mit rund 1'100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entwickelt. Im Jahr 2004 erzielte die Stadler AG einen Umsatz von 530 Mio. Franken.

Züge der Stadler AG fahren zur Zeit in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, Italien, Spanien, Griechenland, Frankreich, in der Slowakei und im amerikanischen New Jersey. Produziert wird in der Schweiz und in Berlin-Pankow. Stadler setzt auf einen modularen Konstruktionsansatz.

Ein leichter FLIRT

Auf großes Interesse stößt eine Neuentwicklung von Stadler, der FLIRT. Die fünf Buchstaben stehen für Flinker, Leichter, Innovativer, Regional-Triebzug. Die Komposition besticht durch hohen Komfort und durch Wirtschaftlichkeit.

"Mit dem FLIRT bewegen wir uns im Bereich der Stadtbahn. Gefragt sind schnelle, leistungsstarke Züge mit großer Kapazität. Diese Fahrzeuge haben in der Schweiz und im Ausland gute Chancen", betont Silvia Bär von Stadler.



Ein besonderes Auge werfen die Bahnbauer aus dem Thurgau auf die Märkte Ungarns und Polens, wo der Nachholbedarf für neues Bahnmaterial gross ist.

SBB als Großkunde

Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) haben 42 FLIRT im Wert von 330 Mio. Franken bestellt mit einer Option auf 100 weitere der Niederflurfahrzeuge.

"Stadler hatte sich bei der Ausschreibung des Auftrags gegen Bombardier und Alstom durchgesetzt", hält Silvia Bär fest. Die ersten Kompositionen des FLIRT verkehren seit Ende 2004 auf dem Schienennetz der Stadtbahn von Zug.

Die SBB befördern auf einem 3000 Kilometer langen Schienennetz rund 250 Millionen Fahrgäste und 55 Millionen Tonnen Güter pro. Die SBB sind mit mehr als 27'000 Mitarbeitern die größte Reise- und Transportfirma der Schweiz.

Rollout für den Export

Die Stadler AG setzt mit den neuen Bahnprodukten namentlich auf den Export und sieht gute Chancen in Deutschland, Polen, in Ungarn und in Italien.

Die neuen Fahrzeuge sind auf die Zulassung in der Schweiz und im EU-Raum ausgelegt und können grundsätzlich in allen Stromsystemen und in verschiedenen Spurenweiten und auch als Zahnradfahrzeug betrieben werden.

Stadler wird im Bahnbau auch weiterhin ein Standbein pflegen, das vor allem in den Alpenländern von Bedeutung bleiben wird: "Im Bereich der Zahnradbahnen sind keine großen Serien gefragt. Es handelt sich mehr um interessante Einzelaufträge", so Silvia Bär.

swissinfo, Erwin Dettling

Fakten

Stadler Rail Group:

1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Verkaufsrenner:

GTW Gelenktriebwagen
Regio Shuttle RS1
FLIRT

In Kürze

Die Stadler Rail Group ist ein Schweizer Systemanbieter im Schienenfahrzeugbau.

Die Gruppe besteht aus der Stadler Altenrhein AG, der Stadler Bussnang AG, der Stadler Pankow GmbH in Berlin und aus dem eben im bayerischen Weiden erworbenen Betrieb.

Stadler setzt beim Eisenbahnbau auf eine modulare Strategie. Teile der Fahrzeuge sind standardisiert und können in verschiedenen Konfigurationen zusammengestellt werden.



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