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Schweizer Pioniere im südspanischen Weinbau

Max, Marcela, Martina und Max Egolf Pfister. (von links nach rechts)

(Antonio Real Hurtado)

Ausgerechnet dorthin, wo in Spanien vor allem Industrieweine produziert werden, wanderte das Zürcher Paar Martina Pfister und Max Egolf 1998 aus. Sie kauften ein heruntergekommenes Weingut, renovierten es und produzieren seither mit wachsendem Erfolg Qualitäts-Wein.

Auf den letzten paar Kilometern führt die Strasse über einen Karrweg. Sofort überzieht eine milimeterdicke Staubschicht die Karosserie. Die Oktober-Sonne brennt, das Thermometer zeigt dreissig Grad. Seit Monaten hat es nicht geregnet.

“Wir lieben Weisswein, produzieren jedoch lediglich Rotwein“, sagen Martina Pfister und Max Egolf, die hier ihren Lebenstraum verwirklicht haben. “Heisse Regionen sind heikel für Weisswein, wegen der mangelnden Säure, die diese Weine brauchen. Im modernen Weinbau wird die Säure nachträglich eingespritzt, das machen wir nicht.“

Obschon im ganzen Land üblich, verzichten die beiden genauso auf die Bewässerung der Rebstöcke wie auf die modernen Kellertechniken. “Wir arbeiten ökologisch. Unsere Philosophie ist es, ohne technische und chemische Manipulationen auszukommen“, sagt Max Egolf.

Das heisst: Die Trauben werden von Hand gelesen und sortiert. Danach kommen sie in den Stahltank. “Nach drei bis vier Tagen geht die Spontangärung los. Wir setzen keine Zusatzhefen und Enzyme ein. Dank dem sehr günstigen Klima haben unsere Reben praktisch keine Krankheiten und sehr gesunde Trauben.“

Aus Erfahrung wissen, was gut ist

Im hoch technologisierten Weinbau Spaniens sind die beiden Schweizer eine Ausnahme. “Wir produzieren keinen australischen 'Sirup', obschon wir das hier auch machen könnten. Vielmehr pflegen wir die Säure und holen nicht künstlich Fruchtaromen hervor. Unser Ziel sind Eleganz und Finesse.“ Deshalb erfolgt der Ausbau nicht in kleinen Eichenfässern, sondern im traditionellen grossen Holzfass.

Martina Pfister und Max Egolf sind Puristen. Sie betreiben Qualitätsweinbau in der “vorönologischen Zeit“, wie Egolf die Zeit bezeichnet, als die moderne Kellertechnik und -Chemie noch nicht existierten und es noch keine Starönologen gab, die als Berater um die halbe Welt jetteten. Die beiden verstehen sich als Weinbauern und Weintrinker.

Bevor er Winzer wurde, habe er die grossen französischen Weine “des 20. Jahrhunderts durchtrinken können“, erzählt Egolf und zeigt auf die gesammelten Etiketten an der Wand. “Durch die Erfahrung haben wir das Gefühl, dass wir wissen, was gut ist.“

Zum Purismus gehört auch, dass die beiden ausschliesslich eigene Trauben verwerten und lediglich so viel Wein daraus keltern, wie sie auch verkaufen können, “also 12‘000 Flaschen. Wir verwerten in gewissen Jahren nicht alle Trauben, denn es macht keinen Sinn, zu viel zu produzieren.“

Mühsamer Umgang mit den Behörden

Das Weingut Ampelos ist ein Familienbetrieb. Ausser der Weinlese machen Martina Pfister und Max Egolf alles selber, vom Anbau der Reben bis zum Verkauf und der Administration. Ihre beiden Kinder sind hier geboren. Sie sind perfekt zweisprachig und gehen in Almansa in die Schule.

"Wir fühlen uns wohl und integriert hier, haben nette und hilfsbereite Nachbarn, aber der Staat ist unser Todfeind", sagt Egolf und erzählt vom mühsamen Umgang mit den örtlichen Behörden, deren Verhalten er als "Mischung zwischen Korruption und Schlendrian" bezeichnet.

Am Anfang – so Egolf – seien sie auf die zuständigen Ämter gegangen und hätten gefragt, was es alles brauche und was sie tun müssten, um hier Weinbau zu betreiben. "Sie haben uns ausgelacht. Sie haben nicht geholfen. Ihre Taktik besteht darin, alles zu verschleppen und zu verschlampen und uns dann die Schuld in die Schuhe zu schieben und hohe Bussen zu verhängen. Das passiert unseren spanischen Nachbarn genauso wie uns."

Fast um Existenz gebracht

Vor zwei Jahren standen plötzlich mehrere Traktoren und Anhänger vor dem Haus. Kurz vorher hatten die beiden 12 Hektaren neue Reben angebaut. Die Traktoren rissen die Reben im Wert von 240'000 Euro aus und transportierten sie ab. Die Busse belief sich auf 50'000 Euro. "Das hat uns fast umgebracht", sagt Egolf.

Hintergrund der Aktion war der Druck der EU auf Spanien, die Pflanzrechte für Reben durchzusetzen, nachdem beim Leinen-Anbau ein gross angelegter Betrug von EU-Landwirtschaftssubventionen aufgeflogen war. Die Schweizer Winzer hatten wie die meisten andern Produzenten in der Provinz keine Pflanzrechte erworben.

Inzwischen haben sie wieder neue Reben gepflanzt und das Problem mit den Pflanzrechten geregelt.

Klimaflüchtlinge

Bevor sie 1998 nach Almansa in die spanische Region Kastilien-La Mancha auswanderten, war Martina Pfister Krankenschwester, Max Egolf arbeitete als Theater- und Dokumentarfilmregisseur. “Wir bezeichnen uns als Klimaflüchtlinge. Die grauen Wintermonate in Zürich gefielen uns nicht. Wir sind viel fröhlicher, wenn es hell ist draussen.“

“Wir dachten eigentlich nicht, dass wir in Spanien landen würden“, sagt Martina Pfister. Erste Station war Südfrankreich. Dort verbrachten die beiden anderthalb Jahre auf einem Weingut, um das Handwerk zu lernen. Danach suchten sie erfolglos nach einem Objekt, das ihrem Budget entsprach, zuerst in Südfrankreich und danach “ab Landesgrenze “ immer südlicher in Spanien.

Schlechter Ruf als Chance

“Auf unserem Wunschkatalog stand ein Gut  in der Nähe eines Klosters, also in einer althergebrachten Weingegend“, sagt Egolf und zeigt auf das ehemalige Kloster mit Weinkeller in 500 Meter Luftdistanz. Almansa liegt nicht weit entfernt von den beiden Weinregionen Yecla und Jumilla, die massenweise Industrieweine produzieren, die sie im Tetrapack verkaufen.

“Almansa war für uns kein Begriff und hat bei denen, die es kennen einen schlechten Ruf. Das kommt uns zugute, denn Niemand erwartet von dieser Region gute Weine. Als Ausländer, die Wein produzieren, sind wir hier zudem allein“, sagt Max Egolf: “Wir kommen langsam in die spanische Elite hinein. Kürzlich war der spanische Gastro-Papst Raphael Garcia Santos hier und hat einen unserer Rotweine als einen der besten Weine von Kastilien-La Mancha gelobt“, so Egolf.

Bodega Ampelos

Die Bodega Ampelos liegt am östlichen Ende der kastilischen Hochebene im Hinterland von Alicante und der Costa Blanca auf 777 Meter über Meer.

Das Klima ist gemischt kontinental und mediterran. Im Winter kommen starke Winde auf, im Sommer wird es sehr heiss mit kühlen Nächten. Die sand- und kalkhaltigen Böden sind sehr gute Wasserspeicher.

Mit 12'000 Flaschen jährlich gehört das Weingut Ampelos in Spanien zu den Mikro-Produzenten. Die grossen Bodegas Spaniens produzieren teilweise mehr als 100 Millionen Flaschen, die so genannt kleinen immerhin noch zwischen 3 und 5 Mio. Flaschen.

Martina Pfister und Max Egolf keltern drei verschiedene Weine, eine Assemblage aus Grenache, Syrah und Monastrell eine weitere aus Cabernet Sauvignon und Merlot und einen Alltagswein aus der Grenache-Traube.

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