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Sawiris Pläne für Skiarena stossen auf Kritik



Perfekter Tag: Wintersportler auf dem Gemsstock oberhalb von Andermatt.

Perfekter Tag: Wintersportler auf dem Gemsstock oberhalb von Andermatt.

(Keystone)

Der ägyptische Investor Samih Sawiris will Andermatt und Sedrun zu einer grossen Skiarena ausbauen. Dazu holte er das schwedische Unternehmen Skistar ins Boot. "Zu gross" und "schlecht für die Berglandschaft", sagen Kritiker.

Noch ist ausser einer Absichtserklärung nichts fix, aber die Schweden prüfen, ob und in welcher Form sie beim Projekt des ägyptischen Milliardärs einsteigen wollen.

Sawiris baut mit seiner Swiss Alps AG in Andermatt einen grossangelegten Luxus-Resort für vermögende Feriengäste. Mit 18 neuen Bahnen und Liften will der Investor das Gebiet oberhalb Andermatts und Sedruns in eine grosse Skiarena verwandeln.

Die Investitionen belaufen sich laut Sawiris auf 150 bis 200 Mio. Franken, Skistar beziffert die Kosten auf 140 Mio. Franken. Die Swiss Alps AG gehört zur Orascom Group, dem Geschäftsimperium Sawiris.  

"Vor Beginn der Entwicklungsarbeiten müssen Vereinbarungen mit den bestehenden Aktionären, Gläubigern, den Kantonen Graubünden (Sedrun) und Uri (Andermatt) sowie mit dem Bund über die jeweiligen Beiträge zu den geplanten Investitionen getroffen werden", heisst es in einer Mitteilung der Andermatt Swiss Alps AG.

  

In Andermatt sind die Arbeiten am Luxus-Resort im Gang. Bis zum Winter 2013/14 sollen sechs Hotels mit 844 Zimmern, 25 bis 30 Villen sowie 490 Wohnungen in 42 Apartmenthäusern stehen. Damit wird der Ort am Fusse des Gotthardpasses zur grössten Feriendestination der Alpen für eine gehobene Klientel.

Dazu kommt eine kommerziell nutzbare Fläche von 35'000 Quadratmetern, eingeschlossen ein Golfplatz. Sawiris gibt an, mit den Verkäufen im Plan zu liegen. In den Medien waren aber auch Stimmen zu vernehmen, die das anzweifeln.

Das einzige, was der Luxus-Feriendestination noch fehlt, ist ein grossräumiges Skigebiet.

Veraltete Bahnen 

"Heute ist die Infrastruktur in Andermatt nicht sehr komfortabel. Wenn wir für neue Gäste attraktiv sein wollen, müssen wir modernisieren", sagt Gérard Jenni, Manager von Andermatt Swiss Alps, gegenüber swissinfo.ch. Deshalb habe man die Schweden ins Boot geholt, weil diese grosse Erfahrung in der Entwicklung von Skigebieten mitbrächten. Skistar betreibt in Schweden und Norwegen fünf Skidestinationen.

Es geht einerseits um die Modernisierung der bestehenden Anlagen, andererseits um die Verbindung der beiden Skiorte Andermatt und Sedrun zu einer einzigen Arena. Neben den geplanten 18 neuen Bahnen und Liften umfasst das Projekt auch Restaurants, Schneekanonen sowie weitere Einrichtungen.

Fragen 

Mit ihren grossen Plänen stossen Sawiris und Skistar auf Kritik. Zu grosse negative Einflüsse auf die Urner und Bündner Bergwelt, monieren Umweltschutzkreise. Zu viele Hotelbetten, die chronisch unterbelegt sein werden, wenden Tourismusfachleute ein.

"Ich bin dagegen, das Skigebiet auf Vorrat auszubauen", sagte Franz Steinegger, Präsident der Andermatt Gotthard Sportbahnen gegenüber der SonntagsZeitung. Der ehemalige freisinnige Parteipräsident plädiert für etappenweise Investitionen, die sich analog zur Nachfrage richteten.

"Mit der Realisierung des Sawiris-Resorts kommen 2013/14 rund 1000 Betten dazu. Um die Kapazitäten bei den Bahnen entsprechend zu erhöhen, braucht es vorerst 25 bis 30 Mio. Franken", sagte Steinegger.

Seilziehen um jeden Skifahrer 

Ins gleiche Horn stösst Tourismusexperte Christen Baumann. "Wo saugt man die täglich rund 10'000 Gäste ab, die man zusätzlich braucht?", fragt der Chef der Zermatter Bergbahnen im Zürcher Tages-Anzeiger. Denn so viele Gäste müssten die Skiarena im Winter täglich anlocken, damit die Investitionen gedeckt würden, rechnet Baumann. Zudem müssten die Übernachtungsmöglichkeiten auch in den anderen Jahreszeiten ausgelastet sein.

Sawiris versucht die Wogen zu glätten, indem er eine etappenweise Realisierung zusichert. "Wenn wir alles ruckzuck machen, gibts keine Rendite", sagte er gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung.

Unberührte Alpenlandschaft 

Skeptisch reagiert hat auch der Schweizerische Alpenclub. Dem SAC ist insbesondere die Verbindung zwischen den beiden Skiorten ein Dorn im Auge. "Die Auswirkungen auf die Landschaft wären zu gross", sagt Thomas Gurtner, Bereichsleiter Umwelt des SAC, zu swissinfo.ch.

Das Gebiet mit Ausrichtung gegen Süden sei meist unberührt und deshalb für Skitouren und Klettern sehr beliebt. Der SAC verlange deshalb sanftere Varianten, gestützt auf die bestehende Bahnlinie.

Konkret kritisiert Gurtner die geplante zusätzliche Bahnverbindung von Hospental auf den Gemsstock, denn die bestehende Verbindung von Andermatt sei ausreichend. "Die wertvolle Landschaft mit dem St. Anna-Gletscher muss bestehen bleiben."

Gurtner begrüsst hingegen den Plan einer Bahn von Göschenen auf den Gütsch. "Das ist ein gutes Projekt, weil es eine Förderung des öffentlichen Verkehrs darstellt."

Trotz der kritischen Stimmen zeigt sich Swiss Alps-Manager Gérard Jenni optimistisch. "Alle sind eingeladen, ihre Meinung bis am 26. Mai zu äussern, damit wir uns bis Ende Monat ein Bild machen können. Dann können wir die Pläne für den Ausbau der Ski-Infrastruktur anpassen."

Das Orascom-Imperium

Das Geschäftsimperium Sawiris teilt sich in die Sparten Telekommunikation, Bau und Tourismus.

Als Leiter des Bereichs Tourismus managt Sawiris drei spezielle Ferien-Resorts am Roten Meer für insgesamt  10'000 Personen. Sie verfügen über Schulen, Spitäler und einen Flughafen 

Ähnliche Resorts sind in Ägypten, den Emiraten, Oman, Mauritius und Marokko geplant.

Im Vordergrund der Orascom-Strategie steht der Kauf von Grundstücken an bester Lage sowie Entwicklung und Betrieb von Resorts als selbstständige  wirtschaftliche Einheiten.

Infobox Ende


(Übertragen aus dem Englischen: Renat Kuenzi), swissinfo.ch


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