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Tschüss "Bad Bank"


Schweizer Bankenrettung verwandelte Schrott in Profit




 (Keystone)
(Keystone)

Wenn das Kapitel UBS-Rettungsaktion im November abgeschlossen wird, wird die Bilanz die öffentliche Hand, normale Konteninhaber und kleinere Firmen als Nutzniesser ausweisen. Die Rettungsmassnahmen wurden zur Erfolgsgeschichte, die anderswo schwierig zu wiederholen war.

Entgegen den Befürchtungen verlor die Regierung mit der Rettungsaktion im Umfang von 29 Mrd. Franken (31,8 Mrd. Dollar) kein Geld, sondern verdiente damit bereits mehr als eine Milliarde Franken. Und die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte insgesamt etwa 6 Mrd. Franken einfahren.

Der ehemalige UBS-Chef Oswald Grübel hatte einst erklärt, das Rettungspaket sei "das beste Geschäft, das die Nationalbank je gemacht hat". Doch im Herbst 2008 war eine derart rosige Sicht der Dinge kaum zu erwarten.

Der Entscheid für das umfassende Darlehen wurde zum damaligen Zeitpunkt als sehr riskant betrachtet und stiess in der Politik und der Öffentlichkeit auf viel Widerstand. Als die faulen Vermögenswerte im ersten Jahr 4,8 Mrd. Dollar Verlust einfuhren, schienen die Warnungen der Schwarzseher berechtigt.

Schweden-Modell

Hauptelement des Rettungspakets war der Stabilisierungsfonds (StabFund), als so genannte "Bad Bank" (Abwicklungsbank) konzipiert, in die ein Grossteil der toxischen Vermögenswerte überführt wurden, die drohten, die UBS in den Abgrund zu reissen. Der Stabilisierungsfonds wurde am 16. Oktober 2008 ins Leben gerufen.

Die Welt war im Griff einer Finanzkrise, die einen Monat zuvor zum Kollaps von Lehman Brothers geführt hatte, einer der renommiertesten Investment-Banken der Wall Street und der ganzen Finanzwelt. Dutzende weiterer Banken standen vor dem Zusammenbruch, nicht zuletzt die UBS, deren Verlust aus dem Debakel 50 Mrd. Dollar betrug.

Regierungen und Zentralbanken rund um die Welt kauften Beteiligungen an Grossbanken auf und stellten grosse Summen an Liquiditätshilfe für Notfälle bereit, um das Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Die Schweiz entschied sich, zum Modell mit einer "Bad Bank" zu greifen, das in Schweden in den 1990er-Jahren mit Erfolg angewendet worden war. Der Stabilisierungsfonds übernahm die toxischen Vermögenswerte der UBS mit einem rapide sinkenden Buchwert von 38,7 Mrd. Dollar.

Die 25,8 Mrd. Dollar, welche die SNB einbrachte, garantierten den Löwenanteil der potenziellen Verluste des Fonds, während die Regierung – mittels Pflichtwandelanleihen – 6 Mrd. Franken in die UBS einschoss, um deren Eigenkapital zu stärken und sie mit Liquidität zu versorgen.

"Es waren die Schweden, die als erste zeigten, wie das gemacht werden konnte", erklärte Tobias Straumann, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Zürich, gegenüber swissinfo.ch.

"Sie hatten sich für den zweigleisigen Ansatz entschieden: Einerseits wurden Banken mit Staatsgeldern rekapitalisiert, andererseits 'Bad Banks' gegründet, um die ins Wanken geratenen Banken von deren toxischen Vermögenswerten zu entlasten."

"Wenn man dabei richtig vorgeht, hat man normalerweise gute Chancen, aus den roten Zahlen zu kommen, aber es ist selten, sowohl mit der Rekapitalisierung, als auch mit der 'Bad Bank' Profit herauszuholen, wie es in der Schweiz geschehen ist", so Straumann.

Die Schweizer Rettungsaktion war finanziell erfolgreicher als die kostendeckende Aktion in Schweden in den 1990er-Jahren – und es dauerte nur fünf Jahre, sie zum Abschluss zu bringen. Andere Rettungsaktionen der letzten Zeit werden sich noch über viele Jahre hinziehen, bevor bis sie ganz abgewickelt sein werden. Zudem ist ungewiss, welche Kosten den Steuerzahlern daraus entstehen werden.

Teilweise liegt der Grund des Erfolgs der Rettungsaktion in der Schweiz darin, dass die schlimmsten Probleme nur gerade eine Bank betrafen. Die Credit Suisse konnte sich selber aus dem Schlammassel befreien, da sie das drohende Verhängnis früher wahrnahm als ihre Konkurrentin.

Die Schweizer Behörden mussten deshalb nur die toxischen Vermögenswerte einer einzigen Institution auslagern (ohne dass die Bank selber aufgeteilt werden musste) und in die Bad Bank überführen, von der sie geordnet abgewickelt werden konnten. Andere Regierungen konnten zwar bestimmte toxische Vermögenswerte auch herauslösen, mussten aber als zentrales Element ihrer Rettungsbemühungen angeschlagene Banken teils verstaatlichen oder deren Verkauf an besser dastehende Konkurrenten organisieren.

Noch immer "too big to fail"

Obschon die Rettungsaktion mit dem Stabilisierungsfonds ein Erfolg war, bleibt die Anfälligkeit der Wirtschaft und die Widerstandskraft der beiden grössten Schweizer Banken gegenüber künftigen Schocks ein Grund zur Sorge.

UBS und Credit Suisse wurden mit der Einführung von strengeren neuen Kapitalvorschriften zwar gezwungen, ihr Geschäft nachhaltiger auszurichten. Doch falls sie in Zukunft erneut vor ernsthaften Problemen stünden, wären sie wohl erneut auf eine Rettungsaktion angewiesen.

Die Aufsichtsbehörden haben die Idee verworfen, diese Banken durch die Abspaltung der Vermögensverwaltung und des Kreditgeschäfts vom Investmentbereich zu verkleinern  und damit die Gefahr von Quer-Kontaminationen zu verhindern. Es wurde auch darauf verzichtet, die Banken zu zwingen, saubere Liquidationspläne für geordnete Konkurse vorlegen zu müssen, wie dies in anderen Ländern vorgeschlagen oder umgesetzt wurde.

Politiker von links und rechts haben unterdessen einen Anfang für eine neue parlamentarische Debatte gemacht, um die Problematik des "Too big to fail" nochmals anzugehen.

Ursprünglich hatten die Politiker eine Verkleinerung der Grossbanken verfolgt: Dabei sollten das Retail- und Investmentbanking in getrennte Einheiten überführt werden. Der jüngste Vorschlag sieht vor, dass Banken für den Eigenhandel nicht mehr die Einlagen ihrer Kunden nutzen dürften.

Patrick Odier, der Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung, sprach sich in einem Interview mit dem Zürcher Tages-Anzeiger gegen Pläne für Maximalgrössen von Banken aus: "Eine Limitierung wäre falsch, willkürlich und würde die Wettbewerbsfähigkeit einschränken."

Anderswo blutet der Steuerzahler

Die britische Regierung zeigte sich jüngst erfreut über den profitablen Verkauf eines Teils ihrer Anteile an der Bank Lloyds, aber der britische Rechnungshof schätzt, dass sich die Kosten zur Finanzierung der Rettungsaktionen pro Jahr auf 5 Mrd. Pfund (7,3 Mrd. Franken) belaufen. Auch wenn ein Teil dieser Kosten durch Gebühren und Zinszahlungen für die Darlehen wieder hereinkommt, lag der kumulierte Verlust für die britischen Steuerzahler Ende März 2013 bei rund 4 Mrd. Pfund.

Das Budgetbüro des US-Kongresses hatte im Mai 2013 erklärt, die amerikanischen Rettungsaktionen würden die US-Steuerzahler schätzungsweise auf rund 21 Mrd. Dollar zu stehen kommen. Im Oktober 2012 war die Schätzung noch um etwa drei Mrd. Dollar höher gelegen, und es ist möglich, dass die Belastung für die öffentliche Hand noch weiter sinken könnte.

In der Schweiz haben sich die Märkte unterdessen wieder soweit erholt, dass das SNB-Darlehen im September 2013 durch Zinserträge und den Verkauf der sich langsam erholenden Vermögenswerte getilgt war. Die UBS wird von der Option zum Rückkauf der verbliebenen ehemaligen Schrottpapiere (mit einem potentiellen Wert von heute rund 5 Mrd. Dollar) Gebrauch machen.

Die Kosten für die UBS werden ziemlich saftig sein, denn sie muss der SNB zuerst einmal eine Milliarde Dollar bezahlen, sowie die Hälfte des Werts der noch im Portfolio verbliebenen Anlagen. Deren Bewertung ist zur Zeit im Gang. Aber auf jeden Fall wird es ein sehr viel geringerer Preis sein, als bankrott zu gehen, vor allem für die Tausenden von normalen Sparern und kleineren Unternehmen, die mit der Bank Geschäfte tätigen.


(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch), swissinfo.ch



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