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Zwei Metropolen nähern sich an


Grosser Schulterschluss zwischen Zürich und Mailand




Ab Juni werden sich der Mailänder Dom und die Scala dem Zürcher Grossmünster etwas annähern. (swissinfo.ch)

Ab Juni werden sich der Mailänder Dom und die Scala dem Zürcher Grossmünster etwas annähern.

(swissinfo.ch)

Bald wird eine Zugfahrt von Zürich nach Mailand weniger als drei Stunden dauern; heute sind es noch vier Stunden. Diese Annäherung dürfte die Beziehungen zwischen den beiden Wirtschaftsmetropolen intensivieren und die bereits bestehende Zusammenarbeit weiter verbessern.

Mit dem neuen Gotthard-Basistunnel, der im Juni eröffnet und im Dezember 2016 in Betrieb gehen wird, rücken Mailand und Zürich näher zusammen. Nach der Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels im Jahr 2020 wird eine Zugfahrt zwischen Zürich und Mailand weniger als drei Stunden dauern. Die Mailänder sind dann fast schneller in Zürich als in Rom.

Die Beziehungen zwischen diesen beiden Metropolen spiegeln in gewisser Weise die Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien: Es sind Nachbarn, die sich wenig kennen, auch wenn die Handelsbeziehung eng sind.

"Unsere beiden Länder sind sehr unterschiedlich, unter sozialen, kulturellen und menschlichen Aspekten. Die Menschen unserer Länder wissen wenig vom anderen Land; vor allem die Italiener wissen wenig über die Schweiz", meint Giangi Cretti, Kommunikationschef der Italienischen Handelskammer für die Schweiz in Zürich.

In der Stadt Zürich ist man hingegen den Kontakt mit den Italienern gewohnt. "Wir haben in Zürich eine grössere italienische Gemeinschaft als in Lugano", betont Anna Schindler von der Direktion für Stadtentwicklung der Stadt Zürich.

Schweizer Investitionen in der Lombardei

In wirtschaftlicher Hinsicht sind die Beziehungen sehr eng. Italien ist nach Deutschland und den USA der drittwichtigste Handelspartner der Schweiz. Mit 16 Milliarden Franken gehört die Schweiz zudem zu den wichtigsten Ländern mit Direktinvestitionen in Italien. In der Rangliste steht die Eidgenossenschaft an 7. Stelle. Dies entspricht 51'000 Stellen.

Die Schweizer Betriebe konzentrieren sich vor allem auf die Lombardei, wie Philippe Praz sagt. Er ist Direktor des Swiss Business Hub Italia in Mailand. Grosse Schweizer Konzerne wie ABB, Sulzer, Schindler, Novartis, Alpiq, Axpo oder SBB Cargo, haben in der Hauptstadt der Lombardei ihre italienischen Tochterfirmen.

Für die Schweiz wiederum ist Italien bei den Importen der zweitwichtigste Handelspartner. In der Statistik der ausländischen Direktinvestitionen in der Schweiz erreicht Italien Ende 2014 einen Betrag von 5,4 Milliarden Franken (14'000 Stellen, 18. Rang in der Rangliste von ausländischen Investoren).

"Der Schweizer Markt ist für italienische Unternehmen der Lebensmittel- und Modebranche von Interesse. Wenn es darum geht, Niederlassungen in der Schweiz aufzubauen, bevorzugen kleine italienische Firmen in der Regel die Grenzgebiete. Dann gibt es Firmen, die im Bereich der Biowissenschaften tätig sind, die in den Raum Basel oder in die Genfersee-Region wollen. Wer im Bereich neuer Technologien tätig ist, interessiert sich in der Regel für den Raum Zürich", fasst Praz die Lage zusammen. Der Swiss Business Hub kümmert sich auch um die Förderung von italienischen Investitionen in der Schweiz.

Erfahrungsgemäss sind die italienischen Unternehmer, die sich an den Swiss Business Hub wenden, schon recht gut über die Schweiz informiert. "Im Allgemeinen kennen sie den Markt, beispielsweise auch die Grossverteiler", hält Praz fest. Und dasselbe gilt umgekehrt auch für Schweizer Unternehmen, die in Italien aktiv werden wollen. Beim Swiss Business Hub suchen sie Hilfe, um gewisse Schwierigkeiten sprachlicher oder bürokratischer Art zu überwinden oder ihrer Mission einen offiziellen Anstrich zu geben.

Die italienische Handelskammer in der Schweiz macht hingegen ganz andere Erfahrungen, wie Cretti berichtet: "Vor allem kleine Firmen und Kleinstunternehmen wenden sich an uns. Sie haben oft keinerlei Kenntnis vom Schweizer Markt. Sie wissen nicht, was es bedeutet, ihre Aktivitäten in die Schweiz zu verlagern. Bei einigen hat man den Eindruck, dass sie der Meinung sind, das Label 'Made in Italy' reiche aus, um Erfolg zu haben. Aber das ist nicht so."

Expo-Effekt

Seit einigen Jahren versucht Zürich, engere Beziehungen mit der lombardischen Hauptstadt Mailand zu knüpfen. Schindler betont, dass Mailand für Zürich genauso wichtig sei wie München: "Es handelt sich um drei sehr ähnliche Städte. Diese drei sind nämlich nicht die Hauptstädte ihres Landes, aber ökonomisch sehr stark sowie gleichzeitig als Kultur- und Ausbildungsstätten im Hochschulwesen sehr wichtig."

Es war folglich kein Zufall, dass Zürich bei der Weltausstellung in Mailand (Expo Milano 2015) mit einer eigenen Ausstellung im Schweizer Pavillon präsent war. Damit sollte auch ein neuer Blick auf die Schweiz und besonders Zürich geschaffen werden, der über die üblichen Klischees von Banken und Uhren hinaus reicht. Zudem traf die Zürcher Stadtpräsidenten Corine Mauch vor und während der Expo ihren Mailänder Amtskollegen Giuliano Pisapia.

Hochschulen kooperieren

Schindler von der Zürcher Stadtentwicklung erklärt, worüber die beiden bei ihren Treffen gesprochen haben: "Es ging vor allem um städtebauliche Projekte für das Expo-Gelände. Zürich hat Erfahrungen mit der Umgestaltung von Industriequartieren wie Zürich-West. Pisapia war sehr interessiert, aber es hat sich noch nichts Konkretes ergeben. Und nun müssen wir schauen, was Pisapias Nachfolger machen will. Sobald wir wissen, wer das Stadtpräsidium übernimmt (der erste Wahlgang findet am 5. Juni statt), werden wir Kontakt aufnehmen."

Neben der Städteentwicklung sieht Schindler auch Potenzial in den Bereichen Informationstechnologie oder Design. Dazu kommt das Hochschulwesen, wo bereits punktuell zusammengearbeitet wird, beispielsweise zwischen der Accademia di Belle Arti di Brera (Kunsthochschule von Mailand) und der Zürcher Hochschule für Künste, oder dem Polytechnikum von Mailand und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH). Die beiden technischen Hochschulen beteiligen sich an IDEA League, einer strategischen Allianz von insgesamt fünf führenden technischen Universitäten in Europa im Bereich der Forschung und des Studentenaustauschs.

Grenzgänger Mailand-Zürich?

Dank der schnelleren Bahnverbindung zwischen Zürich und Mailand dürften sich diese Beziehungen noch intensivieren. "Vorstellbar ist eine gewisse Pendlerbewegung im Management. Personen und Ideen nähern sich an. Von Mailand aus wird Zürich näher rücken", meint Giorgio Berner, Präsident der Schweizer Handelskammer in Italien mit Sitz in Mailand.

Schindler kann sich sogar vorstellen, dass in einigen Branchen ein neues Grenzgänger-Phänomen entsteht, bei dem die Arbeitnehmer nicht täglich, sondern wöchentlich zwischen den beiden Städten pendeln. Und Cretti hält fest: "Mailand und Zürich werden fast wie Peripherien der jeweils anderen Stadt sein."

Zahlreiche Veranstaltungen in Mailand

In Zusammenhang mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels führen die Schweizer Botschaft in Italien und das Schweizer Generalkonsulat in Mailand eine Reihe von Veranstaltungen durch.

Im Kultur- und Kinozentrum "Oberdan" von Mailand wird die Ausstellung "Countdown Gottardo" gezeigt: Modellzüge, Informationsmaterial über den Basistunnel, Installationen und eine Fotoschau über den Korridor Rotterdam-Genua. Zudem werden zwischen dem 23. Mai und 6. Juni 20 Kurzfilme gezeigt, in denen die Bahn eine Rolle spielt.

Vom 30. September bis 15. Oktober wird im Hauptbahnhof von Mailand (Milano Centrale) die Ausstellung "Gottardo 2016" gezeigt, die zur Zeit noch in Schweizer Bahnhöfen auf Tournee ist.


(Übertragen aus dem Italienischen: Christian Raaflaub)

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