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Zusammenarbeit trotz Meinungsverschiedenheiten

Pamela Willeford, die scheidende Botschafterin der USA in der Schweiz

(swissinfo.ch)

Pamela Pitzer Willeford, abtretende US-Botschafterin in der Schweiz, erzählt im Gespräch mit swissinfo über Hochs und Tiefs ihrer zweieinhalbjährigen Amtszeit in Bern.

Willeford kehrt zurück in die Vereinigten Staaten, wo sie ein gemeinnütziges Projekt übernehmen wird.

Willeford, eine enge Freundin der Familie Bush, wurde 2003 als politische Quereinsteigerin zur Botschafterin nach Bern berufen. Zuvor war sie vor allem im Bildungs- und Gemeindewesen tätig gewesen.

Anfang Mai verlässt sie die Bundeshauptstadt Bern und kehrt nach Texas zurück, um ein Projekt der "Laura Bush Foundation for America's Libraries" zu leiten. Es geht dabei um die Unterstützung von Schulen in den Südstaaten der USA, die im letzten Jahr von Wirbelstürmen zerstört oder beschädigt worden waren.

Während Willefords Amtszeit in Bern war ein geplantes Freihandels-Abkommen zwischen den beiden Staaten infolge Uneinigkeiten in Landwirtschaftsfragen fehlgeschlagen.

Die CIA-Affäre, in der die USA angeblich Terrorismus-Verdächtige durch den Schweizer Luftraum beförderten, führte ebenfalls zu Missstimmungen.
Die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey rief jüngst zu engeren Beziehungen mit den USA auf. Dabei erklärte sie, die beiden Staaten hätten "die gleichen Werte, interpretieren diese Werte aber unterschiedlich", vor allem wenn es um Menschenrechte, Demokratie und Wirtschaft geht.

swissinfo: Sie hielten sich zweieinhalb Jahre in der Schweiz auf. Mit welchen Eindrücken verlassen Sie das Land?

Pamela Pitzer Willeford: Die Zeit ist sehr schnell verstrichen, und es war mir eine grosse Ehre, mein Land in einem so kultivierten und interessanten Land wie der Schweiz zu vertreten.

Ich traf viele interessante Menschen - Mitglieder der Schweizer Regierung, Schweizer Bürger und andere Diplomaten. Von ihnen und ihren unterschiedlichen Anschauungen habe ich viel gelernt, ebenso von den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.

Es gibt natürlich vieles, das verbessert werden sollte. Alles in allem sind die Beziehungen aber positiv und es bestehen viele Ebenen, auf denen wir zusammenarbeiten.

swissinfo: Während Ihrer Zeit in Bern gab es Hochs und Tiefs in den schweizerisch-amerikanischen Beziehungen. Vor kurzem scheiterten die Verhandlungen über ein mögliches Freihandels-Abkommen. Wie sehr waren Sie als Befürworterin enttäuscht darüber?

P.P.W.: Wir waren enttäuscht, die Gespräche waren jedoch produktiv. Wir haben viel Zeit mit der Prüfung gemeinsamer Interessen verbracht. Schliesslich entschied die Schweiz, die Hürden für den Freihandel in der Landwirtschaft seien zu schwierig zu überwinden.

Etwas Gutes ist bei all dem jedoch herauskommen: Das Kooperationsforum für Handel und Investionen USA – Schweiz. Dort werden wirtschaftliche Fragen besprochen, die für beide Seiten von Interesse sind.

Das Forum ist kein Freihandels-Abkommen ohne den Agrarbereich, sondern es ermöglicht eine bessere Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen.

swissinfo: Gespräche über die Differenzen betreffend Landwirtschafts-Subventionen sind fehlgeschlagen. Können diese wieder ins Lot gebracht werden?

P.P.W.: Wir hoffen es. Die Schweiz sagte, für sie sei ein Freihandels-Abkommen möglich. In dem Gerüst, das der Kongress vorgelegt hat, ist ein umfassendes Freihandels-Abkommen vorgesehen, das die Landwirtschaft einschliesst.

Für uns gibt es verschiedene Möglichkeiten, zum Freihandel im Bereich Landwirtschaft zu kommen. Und hoffentlich wird die Schweiz einmal in der Lage sein, eine dieser Möglichkeiten zu ergreifen. Doch das wird kaum in unmittelbarer Zukunft sein.

swissinfo: Eine weitere Kontroverse betrifft die mutmasslichen CIA-Überflüge des Schweizer Luftraums mit Terrorismus-Verdächtigen. Hat dies dem Image Ihres Landes in der Schweiz geschadet?

P.P.W.: Zuallererst: Die USA dulden, erlauben und verüben keine Folter. Und wir halten uns an unsere Verfassung, unsere Gesetze und an internationale Abkommen.

Die Berichterstattung und die daraus resultierenden Vermutungen haben dem Image sicher sehr geschadet und für viele sensationelle Schlagzeilen in diesem Land gesorgt.

Doch der Umgang mit Gefangenen ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Wir sind für den Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger verantwortlich. Es muss sich nicht unbedingt bei allen Überflügen um Gefangenentransporte handeln, wie behauptet wurde. Aber wir sind offen für Hinweise anderer Länder, wie wir diesem Problem begegnen können.

Wir werden oft kritisiert für die Art und Weise, wie wir das handhaben. Doch meistens sind es nicht konstruktive Vorschläge, wie man dies anders machen könnte.

swissinfo: Die Schweiz hat jüngst eine Werbekampagne in den USA lanciert - das Swissroots-Projekt. Kann eine solche Aktion auch die bilateralen Beziehungen verbessern?

P.P.W.: Das Programm wird das Profil der Schweiz in den USA verbessern. Es wird Amerikaner mit Schweizer Abstammung dazu ermuntern, ihre Schweizer Wurzeln zu erforschen.

Dabei wird hoffentlich ein gegenseitiger Dialog entstehen, der das Verständnis und die Wertschätzung füreinander erhöhen wird.

swissinfo: Haben Sie eine Abschieds-Botschaft?

P.P.W.: Ich hoffe, dass wir weiterfahren können, Bereiche gemeinsamer Interessen sowie Wege der Zusammenarbeit zu finden. Und dass, wenn wir nicht gleicher Meinung sind, wir in anderen Gebieten der Kooperation nicht vom Weg abkommen.

Die USA haben viel anzubieten. Wir sind seit vielen Generationen gute Weltbürger, und diese Botschaft gilt es, hinauszutragen.

swissinfo-Interview: Isobel Leybold-Johnson
(Übertragen aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein und Christian Raaflaub)

Fakten

Pamela Pitzer Willeford wurde 1950 in Texas geboren und studierte an der University of Texas in Austin.
Die enge Vertraute der Bush-Familie war zuvor u.a. in verschiedenen wohltätigen Organisationen tätig. Sie wurde im Oktober 2003 nach Bern berufen.
Anfang Mai tritt sie zurück, um in den USA die "Laura Bush Foundation for America's Libraries" zu leiten.

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In Kürze

Die Schweiz und die USA unterhalten seit 1850 diplomatische Beziehungen.

Die Schweiz vertritt die Interessen der USA im Iran (seit 1980) und in Kuba (seit 1961); ausserdem vertritt sie seit 1991 auch die kubanischen Interessen in den USA.

Die Zusammenarbeit Schweiz-USA besteht aus zahlreichen bilateralen Abkommen und Absprachen, in Gebieten wie der Doppelbesteuerung oder der beidseitigen Unterstützung in der Verbrechens-Bekämpfung.

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