"Volks-Befragung" und gewaltfreie Demonstrationen

Keystone

Eine Umfrage des WEF in 25 Ländern zeigt, dass eine Mehrheit im Ausdruck "Globalisierung" positive Aspekte findet. Demonstrationen in New York verliefen friedlich, derweil stürzt die WEF-Internetseite oft ab.

Dieser Inhalt wurde am 02. Februar 2002 - 22:53 publiziert

Es wurden 25'000 Personen in 25 Ländern befragt (ohne die Schweiz). Am Weltwirtschafts-Forum in New York hat man nun die Ergebnisse vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass die Globalisierung von einer Mehrheit eher begrüsst wird.

Befürworter nehmen zu

Am positivsten belegt ist das Wort "Globalisierung" in Holland. Von dort kamen 87% befürwortende Stimmen. In der Türkei dagegen finden 61% den Ausdruck negativ. Allerdings, die "Idee der Globalisierung", wie es die Studie nennt, gewinnt im Vergleich zum Vorjahr an Befürwortern.

Geht man aber in die Tiefe und fragte nach den Auswirkungen der Globalisierung, dann werden die Meinungen der Befragten differenzierter.

Mehr Steuern, weniger Arme

Eine Mehrheit der Befragten der am WEF vorgestellten Studie über die Globalisierung finden, die Globalisierung wirke sich negativ auf die Beschäftigung aus, die Armut steige und die Umwelt werde mehr belastet. "Die Leute sind beunruhigt", brachte es Rick Samans von der Direktion des WEF auf den Punkt.

Eine Mehrheit der Befragten wäre übrigens einverstanden, dass ihre Steuern leicht erhöht würden, um mit dem Erlös die Armut zu bekämpfen. Zu erwähnen ist auch, dass die Vorbehalte gegen die Globalisierung in Ländern mit wirtschaftlichen Problemen, wie Argentinien oder der Türkei, weit höher sind als in wirtschaftlich stabileren Gebieten.

Kritik

Das WEF selber sagt, dass die Studie eine Tendenz aufzeige, aber keineswegs "perfekt" sei. Etliche der Fragen seien in den Ländern auch unterschiedlich aufgefasst worden. Das sei bei solchen Umfragen immer das Risiko.

Auch Miriam Behrens, eine der Organisatorinnen von "Public Eye on Davos", der Gegenveranstaltung zum WEF in New York, bemängelt die Genauigkeit der Fragen in der Studie. "Für uns ist es ebenso wichtig, die negativen Aspekte einer Globalisierung der Welt-Wirtschaft zu sehen. Zum Beispiel die Auswirkungen auf die Umwelt."

Gewaltfreie Demonstration in New York

Mehrere tausend Globalisierungsgegner haben am Samstag in New York gegen das Weltwirtschafts-Forum demonstriert. "Wir werden Schwab und sein WEF überall hin verfolgen - bis es nicht mehr existiert", sagte ein Schweizer Demonstrant. Laut David "Detti" Böhner von der Anti-WTO-Koordination nimmt am Protestmarsch auch "eine Hand voll Schweizer" teil.

Die WEF-Gegner hatten im Vorfeld der Demonstration betont, sich nicht mit der New Yorker Polizei anlegen zu wollen. "Dies ist nicht die Zeit dazu, auf Konfrontation zu gehen", sagte Eric Laursen von der Organisation "Another World is Possible". "Dennoch werden wir laut, leidenschaftlich und sichtbar für eine gerechtere Welt eintreten."

Zu Ausschreitungen kam es bislang nicht. Die Globalisierungsgegner hatten die Genehmigung erhalten, sich bis auf wenige Häuserblocks an das WEF-Tagungshotel anzunähern. Auf Spruchbändern forderten sie "Geld für Arbeitsplätze, nicht für den Krieg" oder "Stopp dem Krieg gegen die Armen".

Während in New York bis anhin 10 Demonstrierende festgenommen wurden, zeigt sich die Bilanz einer Kundgebung am Freitagabend in Zürich höher: Bei den Ausschreitung ist ein Sachschaden von rund 300'000 Franken entstanden. 54 Personen wurden festgenommen, ein Polizist verletzt.

Die WEF-Site stürzt ab

In der Realität klappt bislang praktisch alles am Davoser Weltwirtschafts-Forum in New York. Es ist die virtuelle Ebene, welche den Organisatoren Schwierigkeiten bereitet. Die Website kann oft nicht aufgerufen werden. Verbindungen klappen nicht.

Ist es ein simpler technischer Defekt? Da ist man sich nicht ganz sicher bei den Forums-Verantwortlichen. Denn es gebe seit 1997 das "Elecronic Disturbance Theater", abgekürzt EDT. Die würden einen ganz neuen Typus von Demonstration betreiben: Demo per Mail-Kettenreaktion.

"Unser Ziel ist nicht, in ein Internetsystem einzudringen, auch nicht eine Website zu zerstören", sagt Ricardo Dominguez, einer der Begründer von EDT gegenüber swissinfo. "Unser Ziel ist das Funktionieren einer Site zu behindern."

Die Methode, die angewandt wird, ist simpel: Man installiert auf seinem Rechner ein Programm, welches eine riesige Anzahl Anfragen (Mails) ständig an die gleiche Adresse schickt. "Die wird dann überlastet und liegt ab", sagt Dominguez.

Pierre Gobet, Sonderkorrespondent New York und Agenturen

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