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25 Jahre im Dienst der Gleichstellung

Gewerkschafterinnen am 21. Juni 2001 in Bern - zum Zehnjahrestag des Frauenstreiks von 1991.

(Keystone)

1979 ist das erste kantonale Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau eröffnet worden. Die Büros halten weiterhin den Kurs, obschon der Wind nun von rechts weht.

In der Schweiz ist die Gleichstellung immer noch kein prioritäres Ziel, auch wenn es seit 1981 in der Bundesverfassung figuriert.

Als 1981 der Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung vom Volk angenommen wurde, bildete dies die Grundlage für den Auftrag der Gleichstellungsbüros. Doch der Kanton Jura hatte sein Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau schon 1979 eröffnet – zwei Jahren früher.

Heute – 25 Jahre später - verfügen 14 Kantone und 4 Halbkantone über Gleichstellungs-Stellen. 1981 schuf der Bund eine verwaltungsinterne Stabsstelle für Frauenfragen, und 1988 gründete der Bundesrat das Büro für die Gleichstellung.

Gleichstellungsbüro in jurassischer Kantonsverfassung verankert

Was 1979 eine Pionierleistung war, gilt heute in vielen Kantonen trotz Spardruck und Angriffen der Schweizerischen Volkspartei (SVP) als Selbstverständlichkeit.

Die Nominierung der ersten Frauenbeauftragten im Kanton Jura hatte 1979 da und dort noch ein herablassendes Lächeln ausgelöst. Ein Vierteljahrhundert später hat sich das Gleichstellungsbüro des jüngsten Schweizer Kantons jedoch einen festen Platz geschaffen, wie dessen Leiterin Karine Marti Gigon sagt.

Laut der Ökonomin hat das Büro des Kantons Jura gegenüber den vergleichbaren Stellen in anderen Kantonen einen gewichtigen Vorteil: Es ist in der Kantonsverfassung verankert und kann damit nur durch eine Volksabstimmung abgeschafft werden.

Im Kanton Zug wurde das Gleichstellungsbüro 1996 aufgelöst. In der Stadt St. Gallen lehnte das Volk 1998 eine städtische Gleichstellungs-Stelle ab.

1991 kam es zum nationalen Frauenstreiktag

Politisch ist die Gleichstellung seit 1981 im Verfassungsartikel "Gleiche Rechte für Mann und Frau" verankert. Zehn Jahre nach der Verankerung in der Verfassung kam es 1991 zum Frauenstreiktag vom 14. Juni. Die Frauen protestierten in der ganzen Schweiz gegen die mangelhafte Umsetzung des Artikels und legten die Arbeit nieder.

Wirtschaftlich hat der Arbeitgeberverband laut seinem Direktor Peter Hasler drei Schwerpunkte vorangetrieben: "Die Lohngleichheit, die Vereinbarkeit von Familie und Karriere, Frau und Karriere", sagt Hasler gegenüber swissinfo.

Gesellschaftlicher Wandel notwendig

"Ein Erfolg hat sich noch nicht eingestellt." Hasler sagt, dass diese Ziele nicht einfach technisch machbar seien oder nicht, sondern eine gesellschaftliche Änderung im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger voraussetzten.

"Für die Gleichstellung ist ein Wandel in der Einstellung notwendig, und das ist anspruchsvoll." Hasler sagt, die Arbeitgeber können zwar die Gesellschaft nicht ändern, sondern nur bessere Voraussetzungen dazu schaffen.

"Wir können weder die Frauen zur Karriere zwingen noch die Männer zur Beteiligung am Haushalt."

SVP macht Gegendruck

Im Schweizer Vergleich gute Voraussetzungen scheinen in Genf vorhanden zu sein. Dennoch kommt das Gleichstellungsbüro von Genf - mit acht Stellen gesamtschweizerisch am besten dotiert - bei jeder Budgetdebatte ins Zittern. "Das Gleichstellungsanliegen hat eben keine starke Lobby wie der Umweltschutz oder die Landwirtschaft", bedauert die Genfer SP-Nationalrätin Maria Roth-Bernasconi.

Der Nutzen der Genfer Stelle werde jedoch grundsätzlich nicht in Frage gestellt, sagt Roth-Bernasconi. Einzige Ausnahme sei die SVP, welche noch immer das "unrealistische" Modell vertrete, wonach der Vater die Familie ernährt und die Mutter zu Hause bleibt.

Mehr als eine Generation

Die Genfer Nationalrätin Liliane Maury-Pasquier schätzt gegenüber swissinfo die Bilanz nach 25 Jahren als "durchzogen" ein. "Bei der Gleichstellung haben sich Fortschritte ergeben, aber die ursprünglichen Ziele sind weit davon entfernt, erreicht zu sein."

"Es braucht zweifellos noch mehr als eine Generation, um diese Ziele zu erreichen", schätzt die Genfer Sozialdemokratin.

Studien in Frage gestellt

Auch im Kanton Zürich ist die SVP die einzige Partei, welche das Gleichstellungsbüro frontal angreife, erklärt dessen Leiterin Kathrin Arioli. So würden regelmässig der Sinn von soziologischen Studien und deren Finanzierung in Frage gestellt. Die Zukunft des Büros mit 3,4 Stellen sei jedoch zumindest momentan sicher gestellt.

An die Zukunft der Gleichstellungsbüros glaubt auch Patricia Schulz, Leiterin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau. "Nebst dem politischen Willen der Kantone ist auch die Unterstützung der Bevölkerung vorhanden", ist Schulz überzeugt.

Schulz bedauert jedoch den bescheidenen Umfang der zur Verfügung stehenden Mittel. Der Anteil der Gleichstellungsbüros an den Kantons- und Gemeindebudgets betrage bloss ein bis fünf Promille. "Das ist angesichts der vielfältigen Aufgaben zu wenig."

Langsamer Wandel

Für Maria Roth-Bernasconi gibt es in Sachen Gleichstellung noch viel zu tun: "Die Denkmuster verändern sich nur sehr langsam", sagt die Genfer SP-Nationalrätin. Zudem wirke sich die Polarisierung der Politik nicht gerade förderlich aus.

Die selbe Meinung vertritt auch Patricia Schulz vom Eidgenössischen Gleichstellungsbüro. Mit der zunehmenden Berufstätigkeit der Frauen hätten sich zwar die bürgerlichen Parteien bereits etwas bewegt. "Echte Fortschritte sind aber nur dann möglich, wenn sich über die politischen Lager hinweg Mehrheiten finden lassen."

Auch Natalie Imboden, Sekretärin für Gleichstellung beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB), sagt, dass "sich das Gleichstellungsgesetz und der Verfassungsartikel nicht von selber in die Realität umsetzen." Die Gleichstellungsbüros seien unbedingt nötig.

"Ihre Arbeit im Bereich der rechtlichen Gleichstellung und der Informationsarbeit ist nicht wegzudenken."

Imboden sagt gegenüber swissinfo, dass sich die Lohndifferenzen nur minim verbessert hätten. Auch seien Familie und Beruf schwierig in Einklang zu bringen, weil auch die Arbeitszeiten nicht familienfreundlich seien.

swissinfo

Fakten

1979: 1. Büro für Gleichstellung (kantonal, Jura).
1981: Annahme des Gleichstellungsartikels in der Verfassung (Bund),
Schaffung einer Stabsstelle für Frauenfragen,
1988: Bundesrat gründet Büro für die Gleichstellung.
2004: 14 Kantone und 4 Halbkantone verfügen über Gleichstellungs-Stellen.

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