Abgasgrenzwerte beeinflussen Palladiummarkt

Die erratischen russischen Palladium-Exporte waren eigentlich nur der Katalysator für die Entwicklung des zunehmend unberechenbar gewordenen Edelmetallmarktes.

Dieser Inhalt wurde am 27. August 2001 - 11:06 publiziert

Auslöser seien im Jahr 1995 massive Investitionen einer grossen amerikanischen Fonds-Gesellschaft gewesen, sagte Werner Leuthard, Leiter des Edelmetallhandels der Credit Suisse First Boston (CSFB). Diese habe auf Grund der absehbaren Erhöhung der Abgasgrenzwerte für Autos ein grosses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage für Palladium vorausgesehen und mit dem Aufkaufen des Edelmetalls begonnen.

Die Unze kostete damals rund 150 Dollar. Durch die Preisbewegungen aufgeschreckt, begann auch die Automobilindustrie, ihre Palladium-Vorräte aufzustocken. Folglich stieg der Palladium-Preis weiter. Zu diesem Zeitpunkt seien die Russland-Exporte immer unregelmässiger geworden, sagte Leuthard.

Etwa 60 Prozent der weltweiten Nachfrage an Palladium wird von den Automobilherstellern bestimmt. Im vergangenen Jahr wurden 5,65 Mio. Unzen des Metalls in Abgaskatalysatoren verarbeitet, etwa vier Prozent weniger als noch 1999, wie aus einer Aufstellung von Johnson Matthey hervorgeht. Trotz der Suche nach Ersatzmaterialien werde Palladium als Hemmer für den Ausstoss von Kohlenwasserstoff ein wichtiger Bestandteil für Katalysatoren bleiben, glauben die Londoner Edelmetall-Spezialisten.

Zweitgrösster Abnehmer ist die Elektronikbranche mit 2,14 Mio. Unzen im vergangenen Jahr. Hier wird das Metall vor allem in mehrschichtigen Keramik-Kondensatoren verwendet. Für das Jahr 2001 sah Johnson Mattheys auf Grund des Abschwungs in der Elektronikbranche eine sinkende Nachfrage voraus.

Drittgrösster Palladium-Abnehmer ist die Branche für Dental-Implantate. Im vergangenen Jahr sank der Verbrauch wegen des Preisanstiegs allerdings um fast 27 Prozent auf 820'000 Unzen. Auch in den übrigen Branchen fiel die Nachfrage nach Palladium ab. Ölraffinerien recyclen das Metall mittlerweile aus ihren Katalysatoren. Juweliere sind nach dem Preisanstieg wieder vermehrt auf das billigere Weissgold umgestiegen.

swissinfo und Agenturen

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