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Abmagerungskur für Ascom

CEO Urs T. Fischer orientiert über die "Schrumpfkur" für Ascom.

(Keystone Archive)

Der Berner High-Tech-Konzern Ascom will weiter schrumpfen. Das Unternehmen sucht für rund die Hälfte seiner bisherigen Geschäftsfelder neue Lösungen.

Der Telekommunikations-Markt sei relativ anspruchsvoll, sagte Verwaltungsrats-Präsident Juhani Anttila am Freitag vor den Medien in Zürich. Ascom habe nicht das Geld und die technologischen Mittel, um in Massenmärkten Grosskonzernen Paroli zu bieten, die um ein Mehrfaches grösser seien. In Nischenmärkten könne das Berner Unternehmen allerdings eine solide Position aufbauen.

Für die investitionsintensiven Technologiesparten, die nicht mehr zum Kerngeschäft gehören, würden Gemeinschafts-Unternehmen, Allianzen oder ein Verkauf angestrebt, hiess es weiter. Da die Verhandlungen aber erst teilweise angelaufen seien, wäre es verfrüht, Spekulationen über das Resultat zu machen, sagte Anttila.

Zu wenig Geld für Ausbau

Der Bereich Energy System solle veräussert und in eine grössere Unternehmensgruppe eingebunden werden, ergänzte Konzernleitungs-Präsident Urs Fischer. Zwar habe Ascom als europäische Nummer zwei im Energiegeschäft eine starke Position. Der Markt unterliege aber einem "brutalen" Selektionsprozess.

"Wir haben nicht die finanziellen und innovativen Kapazitäten, um Ascom Energie unter die fünf führenden Unternehmen der Welt zu bringen", sagte Fischer.

Für die Telefonvermittlungs-Anlagen (PBX) sucht Ascom einen strategischen Partner, mit dem der Bereich führend werden und globale Präsenz erlangen könne. "Wenn der Preis stimmt, sind wir auch bereit, uns von PBX zu trennen." Ascom wolle sich aber auf jeden Fall den Zugriff auf die Technologie sichern, die als Basis für weitere Bereiche diene.

"Powerline Communications ist und bleibt ein Start-up-Geschäft", sagte Fischer. Die Geschäftschancen würden weiterhin abgeklärt. Die "solide" Technologie, welche Internet aus der Stromleitung erlaubt, soll mit Partnern wie Telekom-Anbietern, Content Providern oder Energieunternehmen kommerzialisiert werden.

Verkauf von IT-Security

Von IT-Security will sich Ascom trennen. Ein Verkauf an das Management sei eine Möglichkeit, sagte Fischer. Im dritten Quartal 2002 solle die Lösung vorgestellt werden.

Von den neuen Plänen der Unternehmensleitung sind rund 2200 Angestellte betroffen, die meisten im Energiebereich (1300 Personen). Für die Telefonvermittlungs-Anlagen arbeiten 750 Menschen. Deutlich kleiner sind die Bereiche Powerline Communications (80 Angestellte) und IT-Security (60 Mitarbeiter).

Bis Ende 2003 dürfte der Konzern etwas unter 6000 Personen beschäftigen, sagte Fischer. Ende des letzten Jahres waren es noch über 10'000 gewesen. Seither sind bereits mehrere Bereiche veräussert worden.

Umsatz halbieren - mehr profitieren

Übrig bleiben im Berner Konzern die vier Kernbereiche Network Integration, Security Solutions, Wireless Solutions und Transport Revenue. Dadurch werde Ascom mittelfristig einen Umsatz von rund 1,5 Mrd. Franken erzielen - im letzten Jahr betrug der Umsatz 3,14 Mrd. Franken.

Bis 2005 will der Berner Konzern deutlich profitabler werden. Man strebe eine EBITDA-Marge (Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen) von mindestens 8% in sämtlichen Geschäftsfeldern an.

Um die Bilanzstruktur zu verbesseren, will Ascom zudem in den nächsten 18 Monaten Immobilien mit einem Buchwert von 300 Mio. Franken veräussern. Ausserdem sollen die beiden Produktionsstätten Bern und Valence rechtlich eigenständige Einheiten werden. Ein Verkauf sei nicht ausgeschlossen.

Per Ende Mai steht das Unternehmen netto mit 420 Mio. Franken in der Kreide. Im Herbst waren es noch rund 750 Mio. Franken gewesen. Die Kosten stünden weiterhin überall auf dem Prüfstand. "Wir haben keine Entscheide getroffen, dass wir einen grossflächigen Personalabbau durchführen", sagte der Konzernchef.

Kritik von Arbeitnehmerseite

Der Angestelltenverband VSAM und die Gewerkschaft SMUV kritisieren die schnelle Abfolge von Strategiewechseln bei der Ascom. Gleichzeitig sehen sie Chancen, dass die Ausrichtung als internationaler Nischenanbieter gelingt.

VSAM-Geschäftsführer Vital Stutz ist enttäuscht darüber, dass es dem Management, inklusive dem aktuellen Verwaltungsrat, bisher nicht gelungen sei, die Ascom genügend zu rekapitalisieren.

Dies sei nun innert kurzer Zeit der vierte Um- und Abbau bei der Ascom. Diese Entwicklung drücke auf die Motivation der Arbeitnehmer. Demotivierte Mitarbeiter seien für eine Unternehmung aber Gift. Zusammen mit den Verbänden und der Arbeitnehmer-Vertretung müsse die Ascom dieses Problem nun angehen.

Risiken für Werkplatz Schweiz

Der wiederholte Strategiewechsel sei für die Belegschaft und die Kunden problematisch und verunsichere, sagte SMUV-Geschäftsleitungs-Mitglied Beda Moor. Die strategische Neuausrichtung bringe eine Halbierung des Umsatzes. Dies löse Ängste über Personalabbau aus.

Im übrigen könne sich der Telekombereich in der Schweiz keinen weiteren grossen Aderlass leisten. Sonst sei am Ende auf dem Werkplatz Schweiz kein Know-how in dieser Zukunftsindustrie mehr vorhanden.

swissinfo und Agenturen

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