Abschwächung noch in diesem Jahr?

Der Euro soll bald schon stärker werden, sagen Fachleute voraus. Keystone Archive

Die Export-Wirtschaft darf hoffen: Ökonomen rechnen mit einer baldigen Abschwächung des Schweizer Frankens und einer Normalisierung der Lage.

Dieser Inhalt wurde am 20. Februar 2002 - 11:51 publiziert

Der Krieg in Afghanistan, die Wirtschaftskrise in Argentinien und der Konkurs des US-Energiehandels-Riesen Enron hatten in den letzten Monaten dazu beigetragen, dass die Frankenstärke andauerte. In den kommenden Monaten könnte sich das Bild wandeln, prognostizieren Ökonomen.

Wunsch-Szenario

Sollte sich die Wirtschaft der Eurozone rasch und nachhaltig erholen, sei mit einer Abschwächung des Frankens bis Ende Jahr zu rechnen, sagte François Savary, ehemaliger Analyst der Deutschen Bank, der heute als unabhängiger Ökonom und Berater tätig ist.

Der Euro dürfte damit gegen die Marke von 1,51 bis 1,52 Franken zurückgleiten. Zurzeit beträgt der Wert für einen Euro bloss rund 1,48 Franken. Dieses Szenario war Mitte Januar auch von Nationalbank-Vizepräsident Bruno Gehrig als wünschenswert bezeichnet worden.

Die Spitze der Nationalbank hatte in jüngster Zeit aber immer wieder darauf hingewiesen, dass sie keine Wechselkurs-Politik betreibe. Der Markt bestimme den Wechselkurs.

Sollte sich der Franken gegenüber dem Euro tatsächlich abschwächen, könnte die Schweizer Exportindustrie aufatmen. Ihre Schmerzgrenze liegt bei einem Franken-Euro-Kurs von 1,50 Franken. Die Wirtschaft klagt entsprechend über schrumpfende Margen und verlorene Aufträge.

Geteilte Meinungen

Ob die Franken-Abschwächung wirklich eintritt, darüber sind die Meinungen dennoch geteilt. Nach Ansicht von Jean-Pierre Béguelin, Chefökonom der Genfer Privatbank Pictet & Cie, ist der Franken nicht überbewertet. Folglich gebe es keinen Grund für eine Gegenbewegung.

Das Pendel sei nach dem 11. September mit Kursen von unter 1,45 Franken zum Euro etwas stark zu Gunsten des Franken ausgeschlagen. Die Lage habe sich aber bereits wieder normalisiert. Diese Meinung teilt Alexandre Salvadori, Analyst der Waadtländer Kantonalbank.

Schwächerer Dollar

Litt die Exportindustrie in den letzten Monaten unter dem schwachen Euro, so verlieh ihr der starke Dollar eine Stütze. Dies könnte sich nach Ansicht des Beraters Savary in den kommenden Monaten umkehren. Der Dollar könnte unter Druck geraten.

Savary rechnet damit, dass sich die amerikanische Währung auf 1,59 Franken abschwächen dürfte verglichen mit 1,68 bis 1,70 Franken heute. Die Gründe sieht der Ökonomen in den verhaltenen Aussichten für die US-Börse sowie im enormen Leistungsbilanz-Defizit der USA.

Eine grosse Unbekannte bleibt für die befragten Ökonomen Japan. Die Wirtschaft befinde sich unverändert tief in der Krise. Die Japaner sähen es gern, wenn der Yen zum Dollar gegen die Marke von 150 (derzeit 133) Yen gleiten würde. Das aber könnte die Exporte in den gesamten asiatischen Raum beeinträchtigen, warnt Savary.

swissinfo und Philippe Lebet (sda)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen