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Ägypten in der Schweizer Presse: "Perfider Pharao"



Der Schrei nach Demokratie in Ägypten dominiert auch die Titelseiten der Schweizer Presse.

Der Schrei nach Demokratie in Ägypten dominiert auch die Titelseiten der Schweizer Presse.

(swissinfo.ch)

Mit Sorge berichtet die Schweizer Presse über die Revolte in Ägypten. Die Plünderungen von Läden und dem Ägyptischen Museum werden als von Mubaraks Regime inszeniert eingeschätzt. Ein Schlüsselfaktor sei die Haltung der Armee.

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) schreibt: "Wer die Plünderer sind, lässt sich nicht feststellen, doch sind die meisten Ägypter überzeugt, dass es sich um Polizisten, Spitzel und aus den Gefängnissen freigelassene Kriminelle handelt, die im Auftrag des Regimes Angst verbreiten." Die Botschaft, die das Regime damit verbreiten wolle, laute, so die NZZ: "Wir oder das Chaos."

Nach Einschätzung der Zürcher Tageszeitung zeigt die Ernennung Omar Suleimans zum Vizepräsidenten, dass das Regime versuche, den von den Amerikanern verlangten Übergang  unter eigener Kontrolle zu behalten.

Auch La Liberté aus Freiburg schreibt: Der Regierung sei es lieber, wenn die Medien über die Plünderungen schrieben, als über politische Reformen. Das sei ein Weg, vergessen zu machen, dass bereits mehr als 100 Menschen in diesem Aufstand gestorben seien.

"Vor Gericht"

Auch Tages-Anzeiger und Der Bund sind besorgt, dass die Revolte doch nicht zu einer Demokratisierung führen könnte. "Wenn die Ägypter die Anarchie mehr fürchten müssten, als sie ihre unvollendete Revolution lieben können, könnten sie den Präsidenten und seinen Polizeistaat schnell zurückwünschen", meint der Kommentator der beiden Zeitungen.

Mubarak habe deshalb Anweisungen gegeben, dass seine eigenen Polizisten und Schläger mit Plünderungen beginnen sollten. Er wolle das Bild der Revolte beschmutzen.

"Nun, nach dem Verfall von Recht und Ordnung, prägt der Mob das Bild von Ägypten", stellt die Tageszeitung fest. Mubarak sei es egal, ob sein Land zu Grunde gehe oder nicht.

Sollte es soweit kommen, dass die Armee die Macht übernimmt, müsse diese sich fragen, ob sie den ehemaligen Präsidenten lieber ausfliegen wollten, oder dorthin bringen, wo er längst hingehöre: "Vor Gericht".

Beleidigung für das Volk

Die Basler Zeitung betitelt Mubarak als "Pharao" und bezeichnet den Einsatz von bewaffneten Elementen des Regimes als "perfid". Es sei die Absicht, die Hunderttausenden von Demonstranten und ihre Anliegen zu desavouieren.

Dass Mubarak fünf Tage geschwiegen habe, sei für das Volk eine einzige Beleidigung gewesen und seine Ernennungen seien nichts anderes als ein letzter Versuch, das Überleben des Regimes zu sichern.

Heute Montag, so prognostiziert die Basler Zeitung, werde sich entscheiden, auf welche Seite das Pendel ausschlägt, ob für den Schiessbefehl oder für das Abdanken.

Was macht die Armee?

In der Luzerner Zeitung wird das Verhalten der jüngeren Armeemitglieder als Schlüsselfrage betrachtet. "Werden sie, die einfachen Soldaten. Die Waffen gegen Demonstranten erheben oder sich Befehlen widersetzen und sich mit dem Volk solidarisieren?", fragt die Innerschweizer Tageszeitung.

Auch die Westschweizer Tageszeitung Le Temps sieht im Verhalten der Armee einen Knackpunkt der gegenwärtigen Revolte in Ägypten. "Stellt sich die Armee für oder gegen die Strasse?", will die Zeitung wissen. Die Generäle sollten schnell Termine für Wahlen aufstellen und Mubarak opfern. Die Armee sei nun der Hauptpfeiler der Stabilität in Ägypten. Nach der Meinung des Kommentars ist es nicht wahrscheinlich, dass sich die Armee gegen das Volk und den von den Amerikanern verlangen Übergang stellt.

Dilemma der Amerikaner

Der Corriere del Ticino sieht die Amerikaner in einem Dilemma. Sie müssten sich entscheiden zwischen der Verteidigung der demokratischen Prinzipien und dem Verlust eines treuen Verbündeten Der Spielraum sei schmal. Wenn die Amerikaner Mubarak aufgeben würden, würden sie risikieren, ins Leere zu springen, auch, weil die Gruppen radikaler Islamisten aus der Instabilität ziehen können und damit die Absichten der Demonstrierenden in einen tragische Falle verwandeln könnten.

Ägypten und die Schweiz

Das Schweizer Parlament hat im Dezember 2008 Ägypten als Schwerpunktland der wirtschaftlichen Entwicklungs-Zusammenarbeit bestätigt.

Die Schweiz exportiert namentlich pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen, chemische Grundprodukte, Uhrmacherwaren sowie optische und medizinische Instrumente nach Ägypten.

2009 beliefen sich die Schweizer Ausfuhren auf 656 Millionen Franken, die Importe auf rund 109 Mio.

Die wichtigsten Exportprodukte Ägyptens sind: Öl- und Gasprodukte, Rohöl, Baumwolle, Textilien, Aluminium, Eisen- und Stahlprodukte sowie der Tourismus.

In der Schweiz leben 1600 Ägypter.

In Ägypten leben 1400 Schweizer.

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swissinfo.ch


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