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Alpentransit : immer teurer – und keine Reserven

Die Tunnels durch die Alpen verschlingen immer mehr Geld.

(Keystone)

Die Rechnung geht nicht auf: Die Neue Alpentransversale (Neat) wird mindestens 2 Mrd. Franken Mehrkosten bringen.

Bereits im März wird der Nationalrat die Rechnung erneut unter die Lupe nehmen

Die Ankündigung hatte am Donnerstag-Abend für lange Gesichter gesorgt. 700 Mio. Franken soll die Neue Alpentransversale (Neat) zusätzlich kosten. Damit würde der Gesamtbetrag von ursprünglich 13,6 auf 15,5 Mrd. Franken steigen.

Nach dem ersten Schrecken wird in der Schweiz nun nach Kompensations-Möglichkeiten gesucht. Wo sind Abstriche möglich, um die Rechnung wieder in den Griff zu bekommen?

Die BLS Alptransit, die den Bau des Lötschberg-Tunnels leitet, hat allfällige Abstriche am Tunnelbau umgehend zurückgewiesen.

Der Lötschberg ist fast fertig

Von den 700 Mio. Franken Neat-Mehrkosten entfallen 200 Mio. auf den Lötschberg. Diese Einsparungen müssten bei anderen Projekten erfolgen. Eine Kürzung bei den Tunnelarbeiten sei nicht möglich, erklärte BLS-Alptransit-Direktor Peter Teuscher.

Der Tunnel komme gut voran und könne wie geplant 2007 eröffnet werden - vorausgesetzt, der Bund stelle die notwendigen Mittel zur Verfügung.

Die Mehrkosten seien einerseits auf Nachforderungen seitens einiger Lieferanten, andererseits auf eisenbahntechnische Aspekte zurückzuführen, sagte Teuscher weiter. Die von der BLS Alptransit ständig vorgenommenen Anpassungen und Einsparungen reichten aber nicht aus, die Mehrkosten zu decken.

Die Informationen kamen spät

Die Vorwürfe des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK), die Bauunternehmen hätten zu spät informiert, wies Teuscher zurück.

Die BLS Alptransit habe das Bundesamt für Verkehr (BAV) seit September über jede Kostenüberschreitung informiert, und es hätten regelmässig Diskussionen stattgefunden. "Es trifft allerdings zu, dass einige Beträge erst im Januar auf den Tisch kamen, und dass die vorangehenden Summen nicht bedeutend waren."

Wer trägt die Verantwortung?

Nach den neusten Zusatzforderungen der Neat-Bauunternehmen in der Höhe von 700 Mio. hat das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Neat-Bauunternehmen zu einem klärenden Gespräch gebeten.

Das Bundesamt verlangt von den Unternehmen eine Erklärung dafür, warum sie ihre bisherigen Prognosen nach oben korrigierten, nachdem der Bundesrat erst im letzten Herbst einen Zusatzkredit von 900 Mio. Franken für die erwarteten Mehrkosten der Neat vorgelegt habe.

"Verantwortlich für die kosten- und termingerechte Realisierung sind die Erstellerfirmen, die Alptransit Gotthard AG und die BLS Alptransit AG", schreibt das Departement. Es stelle sich die Frage, weshalb die Mehrkosten nicht bereits bei der Vorbereitung des Zusatzkredits gemeldet worden seien.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat die Verwaltungsräte der Alptransit Gotthard und BLS Alptransit deshalb zu einer Aussprache eingeladen. Am Freitag war die Reihe als erstes an der BLS Alptransit. Am kommenden Donnerstag wird sich die Alptransit Gotthard erklären müssen.

Zur Aussprache vom Freitag vereinbarten die Parteien Stillschweigen.

Die Suche nach Sparmöglichkeiten

Nach der Hiobsbotschaft, wie es der Präsident der parlamentarischen Neat-Aufsichtsdelegation (NAD) Andrea Hämmerle nannte, wird nun nach Sparmöglichkeiten gesucht.

Wesentliche Kürzungen am Tunnelbau schliesst auch er aus. "Tunnels können nicht verkürzt werden, weil sich der Berg nicht verkleinern lässt", meint Hämmerle. Gefragt sei jetzt eine grundsätzliche Verzichtsplanung: "Alles, was bis jetzt nicht beschlossen und fertig ist, das steht zur Disposition." Zur Disposition stünden der Ceneri-, der Hirzel- und der Zimmerbergtunnel.

Davide Demichele, der Sprecher des Bundesamtes für Verkehr, sagt, dass es unmöglich sei die Arbeiten zu stoppen. Bei den beiden Basistunnels am Gotthard und am Lötschberg sei der "point of no return" erreicht. "Wir können nicht 90% der Tunnels bauen."

Entscheiden muss der Nationalrat

Über die weiteren Gelder für die Neat wird der Nationalrat schon im März diskutieren können. Dabei geht es zunächst noch um den ersten Kreditantrag vom vergangenen Herbst in der Höhe von 900 Mio. Franken. Dieser Nachtrag ist erst vom Ständerat bewilligt worden. Der Nationalrat hat noch darüber zu entscheiden. Die mögliche Forderung nach einem erneuten Nachtragskredit, wird die Debatte im Ratssaal zusätzlich beleben.

Mit dem neuen Zusatzkredit würden sich die Gesamtkosten der Neat auf 15,5 Mrd. Franken erhöhen. 1998 bewilligten die Stimmberechtigten für das Eisenbahnprojekt 13,6 Mrd. Franken.

Die Lötschberglinie soll im Jahr 2007 eröffnet werden, diejenige am Gotthard 2014.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Ausbau der Lötschberg-Simplon-Achse

Zwischen Frutigen BE und Raron VS entsteht der 34,6 km lange Lötschberg-Basistunnel; der Bau hat 1999 begonnen.

Die Inbetriebnahme des Basistunnels ist Mai 2007 vorgesehen.

Von den insgesamt 88 km Tunnelröhren des Gesamt-Systems sind heute ca. 91 % ausgebrochen.

Zwischen Erstfeld UR und Bodio TI entsteht der 57 km lange Gotthard-Basistunnel; der Bau hat ebenfalls 1999 begonnen und dauert voraussichtlich bis ca. 2014.

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