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Altersvorsorge ohne Jugend

Altersrenten sind nicht mehr unumstritten.

(Keystone)

In der Schweiz wird die berufliche Vorsorge revidiert. Doch wird die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Avenir Suisse kritisiert dies und schlägt einen Tabubruch vor.

In der Schweiz beruht die berufliche Vorsorge, die sogenannte Zweite Säule, auf dem Kapitaldeckungs-Verfahren. Das heisst, der Versicherte häuft sich sein Kapital über die Jahre hin selber auf, und bis 80 Prozent des Gesamtguthabens stammen zuletzt aus den Erträgen dieses Kapitals.

Schweiz: Viel Lob, aber das genügt nicht

Die meisten europäischen Länder wenden dagegen das Umlageverfahren an, das in der Schweiz nur in der Ersten Säule, der AHV, eingesetzt wird: Hier finanziert der beitragspflichtige Beschäftigte die Rentner direkt. Das funktioniert, solange viele Junge wenige Alte finanzieren. Dies ist aber in Europa wie auch in der Schweiz immer weniger der Fall.

Die Schweiz holte sich im europäischen Vergleich viel Lob mit ihrer Zweiten Säule, weil sie damit die Zeitbombe der Überalterung etwas abschwächt: Geld bleibt Geld, auch wenn die Bevölkerung langsam vergreist, befanden die Pensionskassen-Experten noch bis vor kurzem. Nun kommt auch hier vermehrter Zweifel auf.

Der Think Tank denkt weiter

Der Think Tank Avenir Suisse hat eine Studie in Auftrag gegeben, welche die gegenwärtig laufende Gesetzesrevision rund um die Zweite Säule stark kritisiert (Revision der beruflichen Vorsorge, BVG). Heinz Zimmermann vom Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Uni Basel bemängelt an der laufenden Gesetzesrevision, dass sie den Wechselwirkungen zwischen Kapitalmarkt und Vorsorgesystem nicht Rechnung trage.

Finanzmarkt gibt nie Garantien

Mit anderen Worten: Die Parlamentarier wollen Mindestverzinsungen und Einkommen garantieren, die an den Finanzmärkten vorbeilaufen. Die Pensionskassen würden damit Rentenleistungen versprechen, die in keinem Verhältnis zu den langfristigen Anlagerisiken stehen. Das führe zu Finanzierungslücken.

Staatlich festgesetzte Mindestverzinsungen dränge die Portefeuille-Manager von Pensionskassen geradezu in risikoreiche Investitionen, anstatt auf Nummer sicher zu gehen. Als Beispiel wird die gegenwärtige Lage genannt: Nach den lange anhaltenden Kurskorrekturen an den Börsen sank der Deckungsgrad der Pensionskassen inder Schweiz ganz deutlich.

Verzicht auf garantierte Renten

Avenir Suisse empfiehlt deshalb den Parlamentariern, keine gesetzlich garantierten Rentenbeträge mehr vorzuschlagen. Dies kommt einerseits einem Tabubruch gleich, andererseits ist es eine Anpassung des Asset-Management an die internationalen Kapitalströme, an die Mobilität der Arbeitskräfte und die Realität der Finanzmärkte. Dafür sollten die Parlamentarier den Versicherten bei den Pensionskassen grössere Freiheiten in Sachen Freizügigkeit, Wahlfreiheit, Wettbewerb und Flexibilität abringen.

Nähern wir uns in der Schweiz in Sachen Pensionskassen der Situation mit den Krankenkassen?

swissinfo und Alexander P. Künzle


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