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Amerikaner wollen keine Hilfe von der Schweiz

Das Hilfsmaterial der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit bleibt in der Schweiz. Keystone

Zweieinhalb Wochen nach dem verheerenden Hurrikan Katrina haben die USA das Hilfsangebot der Schweiz für die Opfer der Naturkatastrophe ausgeschlagen.

Dieser Inhalt wurde am 15. September 2005 - 15:43 publiziert

Das Angebot werde nicht mehr benötigt, sagte die US-Botschaft in Bern.

Vor fast zwei Wochen waren die USA zunächst auf das Angebot der Schweiz eingetreten. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) stellte daraufhin 50 Tonnen Hilfsgüter wie Decken, Zelte, Plastik-Abdeckfolien und Hygiene-Sets bereit.

Auch mehrere Schweizer Experten sollten im Katastrophengebiet zum Einsatz kommen. Auf das grüne Licht der US-Behörden für die Auslieferung des Materials wurde seither aber vergeblich gewartet.

USA beschwichtigen

Botschaftssprecher Daniel Wendell sagte am Donnerstag dazu, die USA seien "dankbar für die Geduld", die die Schweiz aufgebracht habe. Das Ausmass der Katastrophe nach dem Hurrikan Katrina und die vielen Hilfsangebote aus 121 Staaten hätten enorme Anforderungen an die Logistik gestellt.

"Die USA haben sich die letzten zehn Tage auf Nothilfe fokussiert. Und dies hat sich nun gerändert, weil das Logistik-Management-System nun effektiver arbeitet und mit maximaler Kapazität," sagte er. "Die USA konzentrieren sich nun auf mittel- und langfristige Bedürfnisse."

Reaktionen der DEZA und des Bundesrates

DEZA-Sprecher Andreas Stauffer zeigte sich gegenüber swissinfo nicht überrascht: "Wir haben verschiedene Waren offeriert, Spezialisten zur Verfügung gestellt und dann, Anfang letzte Woche, hat die staatliche Agentur FEMA alle Operationen gestoppt, nicht nur unsere."

Stauffer weiter: "Wenn unser Material und unsere Spezialisten dort nicht gebraucht werden, ist alles bereit für die nächste Operation."

So denkt auch der Schweizer Bundespräsident Samuel Schmid, der sich im Moment am UNO-Gipfel in New York aufhält: "Ich habe Präsident Bush am Donnerstag getroffen und er war von der Schweizer Hilfsofferte sehr angetan," sagte er gegenüber swissinfo.

"Aber vorläufig seien die USA nicht darauf angewiesen. Er sagte, er sei sehr dankbar für das Angebot gewesen."

Mühe, Hilfe zu akzeptieren

Daniel Warner, US-Bürger und Vizedirektor des Institut des hautes études internationales de Genève, sagt gegenüber swissinfo: "Ich bin überhaupt nicht überrascht. Auf dem Niveau ihres Ego haben die Vereinigten Staaten grosse Mühe, Hilfe von anderen zu akzeptieren, egal ob es sich um ein anderes Land handelt oder eine internationale Organisation."

Weiter müsse man sich fragen, ob die Schweizer Hilfe den USA überhaupt genützt hätte, weil in der Schweiz die Armee für den Katastrophenschutz vorbereitet sei. "Das amerikanische Militär-System basiert ausschliesslich auf dem Einsatz im Konfliktfall, nicht im Zivilen."

Warner meint, dass man vielleicht nachdenken könnte, wie die Schweiz künftig Hilfe leisten könnte, nicht nur im technischen Sinn, sondern auch im Bereich der Organisation.

Auf politischer Ebene sei die Macht der Regierung viel grösser als in der Schweiz. Man habe aber gesehen, dass die Beziehungen zwischen dem Bürgermeister von New Orleans, der Regierung des Bundesstaates und den Instanzen der Bundesregierung nicht funktionierten.

"Das ist vielleicht ein Punkt, bei dem die Amerikaner Hilfe benötigen", sagt Warner weiter und: "Vielleicht auch deshalb, weil sie nicht fähig sind, auf einander zu hören." In all dem stecke eben auch viel Politik.

710 Tote bestätigt

Inzwischen haben die Behörden bislang 710 Tote bestätigt. Die meisten Opfer gab es im US-Staat Louisiana mit der überfluteten Stadt New Orleans.

Damit steht Katrina an 7. Stelle der Naturkatastrophen in den USA. Die bislang folgenschwerste Katastrophe war ein Hurrikan in Texas, der im Jahr 1900 schätzungsweise 8000 Menschen das Leben kostete.

Noch ein Schweizer vermisst

Im Katastrophengebiet wird noch ein Schweizer vermisst. Insgesamt habe es rund 90 Suchmeldungen gegeben, sagte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Bis auf einen Fall seien alle Meldungen aufgehoben worden, weil entweder Behörden oder die Verwandten die Vermissten kontaktieren konnten.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

121 Länder haben den USA Hilfe beim Wiederaufbau nach dem Hurrikan Katrina angeboten.

Die Schweiz stellte vor zwei Wochen 50 Tonnen Hilfsgüter wie Decken, Zelte, Plastik-Abdeckfolien und Hygiene-Sets bereit.

Daneben wollte sie acht Experten in das Katastrophengebiet senden.

Am Donnerstag teilten die USA mit, sie bräuchten die Unterstützung der Schweiz nicht mehr.

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