Analytisch und charmant: Der neue Schweizer UBS-Chef

Sergio Ermotti. Keystone

Sergio Ermotti leitet nach dem Rücktritt von Oswald Grübel zumindest interimistisch die UBS-Gruppe. Der Investmentbanker aus dem Tessin krönt damit eine Bilderbuchkarriere. Wer ist Sergio Ermotti?

Dieser Inhalt wurde am 26. September 2011 - 14:07 publiziert
Gerhard Lob, Lugano, swissinfo.ch

Mit Ermotti hatte man gerechnet. Dass der 51-jährige Tessiner aber so schnell die Nachfolge von Oswald Grübel antreten würde, hat für Überraschung gesorgt. Vorläufig amtet er als CEO der UBS nur interimistisch, doch viele Beobachter gehen davon aus, dass er die Leitung der Grossbank mit ihren weltweit 65‘000 Angestellten wohl definitiv übernehmen wird.

Erst im April dieses Jahres stiess Ermotti zur UBS in Zürich - als Chairman und CEO für Europa, Middle East und Africa (EMEA). "Ich habe das Gefühl, nach Hause zu kommen", hatte er damals gesagt. Eine nachvollziehbare Aussage, denn der Tessiner hat praktisch seine ganze Karriere bei grossen Bankinstituten im Ausland gemacht.

Bereits anlässlich seiner Ernennung war er mit Vorschusslorbeeren überhäuft worden. Manche Kommentatoren bezeichneten ihn neben Josef Ackermann als den erfolgreichsten Schweizer Banker im Ausland. Und vor allem: Kein anderer Schweizer hat es im angelsächsisch dominierten Investmentbanking so weit gebracht wie Ermotti. Sein Werdegang stellt dies eindrücklich unter Beweis.

Bankenlehre in Lugano

Angefangen hat Ermotti ganz unten in seinem Heimatkanton – mit einer Banklehre bei der Cornèr Bank in Lugano. Er erwarb das eidgenössische Diplom als Bankfachexperte und absolvierte das Advanced Management Program an der Universität Oxford.

Er arbeitete dann bei der Citygroup und von 1987 bis 2003 bei der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch vorab in London und war als Leiter des Kapitalmarktgeschäfts auch in die Konzernleitung eingespannt.

2005 erfolgte Ermottis Wechsel zur italienischen UniCredit, eine der grössten Bankengruppen der Welt, als Chef der Division Multinationals/Investment, bevor er unter Alessandro Profumo bis zum Vize-Chef des Konzerns aufstieg.

Nach Profumos undurchsichtiger Absetzung im Jahr 2010 verliess Ermotti die UniCredit, weil er sich bei der Nachfolgeregelung übergangen fühlte.

Der smarte Banker

Doch schon bald kam ein Anruf von Oswald  Grübel, der ihm ein Angebot machte, das Ermotti relativ rasch annahm. Grübel lobte in einer Medienmitteilung vom 3. Dezember 2010 ausdrücklich Ermottis "grosses Wissen in der Finanzdienstleistungsbranche".  Und in der Fachpresse orakelte man bereits, ob Grübel da nicht seinen eigenen Nachfolger rekrutiert habe.

Tatsächlich werden Ermotti neben Fachwissen auch hohe analytische Fähigkeiten, ein natürliches Charisma und gute menschliche Qualitäten nachgesagt. Neben seiner Muttersprache Italienisch spricht er fliessend Englisch, Deutsch und Französisch.

Nicht unzuträglich für seine Karriere dürfte auch sein gutes Aussehen gewesen sein. Nicht nur Frauen drehen sich um, wenn Ermotti einen Raum betritt. Der Vater zweier Söhne erscheint ausgesprochen distinguiert und zugleich sympathisch. Man hätte ihm auch eine Karriere als Schauspieler zutrauen können.

Mit dem Tessin verbunden

In der Sache allerdings ist Ermotti ein harter Banker geblieben, der die Geschäftsinteressen mit wachem Geist verfolgt. Dies unterstrich er auch kürzlich an einem Vortag in Lugano, bei dem er vor einer Überregulierung der Bankenbranche in der Schweiz warnte.

Seinem Heimatkanton ist Ermotti – ein erklärter  Fussballfan - in all den Jahren, in denen er hauptsächlich in London und  Mailand  arbeitete, stets eng verbunden geblieben. Er hat massgeblichen Anteil am Aufbau der so genannten Tessal-Gruppe, die vier Luxushotels – darunter das Principe Leopoldo in Lugano – betreibt und teils mit Millionenaufwand renoviert.

Und er präsidiert auch die regionale Fluggesellschaft Darwin, die unter anderem im Auftrag von Swiss die Verbindung Zürich-Lugano betreibt. Dies kommt ihm gelegen, um die Wochenenden in seinem Haus in Montagnola zu verbringen.

Sergio Ermotti

Geburtsdatum: 11. Mai 1960

Staatsangehörigkeit: Schweiz

Ausbildung: Absolvent des Advanced Management Program, University of Oxford

Eidg. dipl. Bankfachexperte

Beruflicher Werdegang:

24.9.2011: Interimistischer CEO der UBS AG

01.04. 2011: CEO of UBS Group Europe, Middle East and Africa

2005-2010, UniCredit Group, zuletzt als Head of Markets & Investment Banking Division

1987-2005: Merrill Lynch & Co, zuletzt als  Co-head of Global Equity Markets.

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Altlast in Italien

In Zusammenhang mit seiner Fluggesellschaft Darwin hat Ermotti eine Altlast am Hals.

Die Staatsanwaltschaft von Vicenza (Italien) hat Ende 2010 gegen den Schweizer Banker Ermittlungen aufgenommen.

Dabei geht es um den Konkurs der italienischen Billig-Fluglinie MyAir, die im Jahr 2007 vorübergehend 20 Prozent der Darwin-Aktien hielt, nachdem UniCredit der italienischen Fluggesellschaft einen Kredit gewährt hatte. Ob dabei alles mit rechten Dingen zuging, ist Gegenstand der Untersuchungen.

Ermotti hat den Vorwurf von möglichen Betrügereien umgehend zurückgewiesen und seine volle Bereitschaft zu einer Kooperation mit den Ermittlungsbehörden erklärt.

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