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Ansteckung vermeiden Gesundheits-"Detektive" sollen Coronavirus in der Schweiz stoppen

addetto all'ambulanza con maschera e tuta bianca

Krankenwagenfahrer in der Tessiner Region Mendrisiotto. Im Kanton südlich der Alpen wurde am 25. Februar 2020 der erste Fall von Covid-19 in der Schweiz festgestellt.

(Keystone / Elia Bianchi)

Um die Ausbreitung des Covid-19-Virus in der Schweiz zu verlangsamen, müssen alle Menschen aufgespürt werden, die in engem Kontakt mit den infizierten Personen standen. Eine Detektivarbeit, die einer Handvoll Experten anvertraut wird.

Eishockeyspiele ohne Zuschauer, abgesagte Fasnachts-Veranstaltungen und verschobene Schulreisen ins Ausland: Das sind die Massnahmen, welche die Regierung des Kantons Tessin am Mittwoch nach der Entdeckung des ersten Falls von Coronavirus in der Schweizexterner Link beschlossen hat. Und nun wurde auch der allseits beliebte Engadiner Skimarathon abgesagt.

Während sich die Politik auf Interventionen zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus konzentriert – weitere Fälle wurden heute in Graubünden und Genf bestätigt –, leistet ein Team von Gesundheitsfachleuten eine nicht weniger wichtige Arbeit im Hintergrund. Diese wird von den Medien aber weniger thematisiert.

Im Jargon nennt man sie "Contact Tracer", Experten, welche die Ansteckungskette zu rekonstruieren versuchen. Ziel sei es, herauszufinden, ob eine infizierte Person schon andere angesteckt habe, erklärte Daniel Koch, Leiter der Sektion "Übertragbare Krankheiten" im Bundesamt für Gesundheit, gegenüber dem Deutschschweizer Radio- und Fernsehen SRFexterner Link.

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Die Frage der Quarantäne

Die epidemiologische Untersuchung beginnt mit der Befragung des Patienten oder der Patientin, der oder die alle Personen auflisten muss, mit denen er oder sie in den letzten zwei Tagen vor dem Auftreten der Symptome in engem Kontakt stand.

Besonders werden jene Personen genauer angeschaut, mit denen eine Interaktion von insgesamt mindestens 15 Minuten in einem Abstand von weniger als zwei Metern stattgefunden hat oder die im gleichen Haushalt leben, schreibt Thomas Hasler, Arzt am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich, auf unsere Anfrage. Diese gelten als hoch risikogefährdet.

Die Befragung kann je nach den Gewohnheiten und der Mobilität der infizierten Person Dutzende von Menschen umfassen. So legte einer der Patienten, die in Frankreich positiv auf das Coronavirus getestet wurden, eine Liste mit etwa 60 Namen vor.

Sobald diese Personen identifiziert sind, werden sie telefonisch kontaktiert und informiert. Diejenigen, die ein hohes Infektionsrisiko haben, müssen zu Hause bleiben und die Behörden alarmieren, wenn Symptome auftreten. Die Quarantäne dauert 14 Tage. Wer von den angesprochenen Kontakten dem Patienten tatsächlich gefährlich nahe gekommen sei, müsse als Verdachtsfall in Quarantäne gehen, sagte der Kantonsarzt Brian Martin gegenüber der Neuen Zürcher Zeitungexterner Link (NZZ).

Anders sieht das Szenario aus, bei dem eine Gruppe von Menschen in Quarantäne gehen müsste. Zum Beispiel diejenigen, die im selben Flugzeug oder Bus wie die infizierte Person (Indexpatient genannt) sassen. In diesem Fall werden Unterkünfte des Katastrophenschutzes zur Verfügung gestellt.

Menschen, die weniger gefährdet sind, können das Haus verlassen, aber sie müssen ihre Körpertemperatur überwachen und jede Veränderung sofort melden.

"Die Schwierigkeiten dieses Ansatzes sind einerseits, dass nicht immer alle Personen, die engen Kontakt zu dem Indexpatienten hatten, identifiziert werden können, insbesondere wenn der Indexpatient den öffentlichen Verkehr benutzt oder Massenveranstaltungen besucht hat", schreibt Hasler weiter. "Ausserdem ist die Identifikation der Kontaktpersonen von den Aussagen des Indexpatienten und der möglichen Kontaktpersonen abhängig. Weiter beruht die aktuelle Definition von Kontaktpersonen auf den zurzeit verfügbaren epidemiologischen Daten. Da der Zeitraum der Kontagiösität ist noch nicht mit Sicherheit bekannt ist, wurde der Zeitraum aus Sicherheitsgründen länger definiert."

Ausbildung neuer "Detektive"

Das "Contact Tracing", also die Ermittlung von Kontaktpersonen von Infizierten, ist nichts Neues und gehört zur normalen Tätigkeit der kantonalen Ärztedienste. Zum Beispiel auch dann, wenn eine Person positiv auf das Masernvirus getestet wird.

Die epidemiologischen Untersuchungen folgen standardisierten Protokollen der Weltgesundheits-Organisationexterner Link. Auf internationaler Ebene wurden sie auch bei anderen Epidemien eingesetzt, darunter bei Sars in den Jahren 2002-2003 und Ebola im Jahr 2014.

Mitte Februar waren im Kanton Zürich gemäss NZZ 17 "Contact Tracer" einsatzbereit. Um die derzeitige Ausbreitung von Covid-19 zu bewältigen, bilden die Gesundheitsbehörden weitere Experten aus. Darunter Infektiologen des Universitätsspitals Zürich und Fachpersonal des universitären Zentrums für Reisemedizin und der Lungenliga.

Sollte das Virus jedoch eine grosse Anzahl Menschen infizieren und sich ähnlich wie bei einer typischen saisonalen Grippe in grossem Umfang ausbreiten, wäre eine Kontaktverfolgung nicht mehr sinnvoll. Es wäre dann schlicht unmöglich, alle potenziellen Ansteckungen aufzuspüren.


(Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub)

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