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Auch auf der Strasse haben Kinder Rechte

Kleinere Arbeiten bewahren Strassenkinder in vielen Fällen vor Schlimmerem.

Seit den 1990er-Jahren betrachten Nichtregierungs-Organisationen Strassenkinder nicht mehr als Opfer, sondern als Akteure. Weltweit leben laut Schätzungen von Terre des Hommes zwischen 50 und 100 Millionen Kinder auf der Strasse.

Der Soziologe Daniel Stoecklin arbeitete von 1998 bis 2005 bei Terre des Hommes und ist spezialisiert auf Kinderrechte.

swissinfo: Welche Rolle spielt der Tag der Strassenkinder?

Daniel Stoecklin: Es geht vor allem darum, die Erwachsenen, aber auch die Jugendlichen zu sensibilisieren und zu zeigen, unter welchen Bedingungen die Menschen anderswo leben.

Mit Blick auf die sich abzeichnende Wirtschaftskrise geht es auch darum, sich zu vergegenwärtigen, dass auch in einem stabilen Land wie der Schweiz die Menschenrechte täglich eingefordert werden müssen.

swissinfo: Gleichen sich die Strassenkinder in den verschiedenen Ländern?

D.S.: Nein, die Vielfalt ist gross, es gibt eine Verknüpfung von politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Gründen. Auch die Profile der Strassenkinder unterscheiden sich stark.

Strassenkinder können einflussreiche Bandenchefs sein, die auch Delikte vorbereiten und organisieren. Es gibt aber auch Kinder, die zu Hause ausreissen und nach einigen Wochen oder Monaten wieder nach Hause gehen. Überall präsent sind jedoch Armut und Verelendung.

swissinfo: Sie haben sich auch in China mit dieser Problematik beschäftigt. Wie sieht die Situation dort aus?

D.S.: Dort gibt es ja das Phänomen der grossen Wanderbewegungen innerhalb der Bevölkerung. Laut den letzten Schätzungen aus dem Jahr 2000 sind 150 Millionen Menschen von den Dörfern auf dem Land in die Städte gezogen. Unter ihnen sind 23 Millionen Kinder. Dazu kommen all die Kinder, die bei ihren Grosseltern zurückgelassen wurden. Sie alle leben in einer grossen Wehrlosigkeit.

Im Vergleich zu Brasilien, wo viele Nichtregierungs-Organisationen aktiv sind, hat China in dieser Beziehung grossen Nachholbedarf. In den vergangenen 15 Jahren hat sich in dieser Hinsicht aber auch China entwickelt und es gibt auch Institutionen, die sich um die Strassenkinder kümmern.

swissinfo: Wie sieht diese Arbeit im Alltag aus?

D.S.: Das Ziel besteht darin, den Kindern eine möglichst positive Entwicklung zu ermöglichen. Das heisst aber nicht, dass man versucht, sie möglichst schnell von der Strasse wegzubringen. Das ist in den meisten Fällen zudem gar nicht möglich. Dies aus dem einfachen Grund, dass vielfach keine konkreten Alternativen existieren.

Es geht also darum, realistischere Lösungsansätze zu finden, wie beispielsweise bessere Bedingungen für die Arbeiten, welche die Kinder auf der Strasse verrichten. Um die Situation langfristig zu verbessern, setzen sich die Nichtregierungs-Organisationen auch bei den Behörden für die Rechte der Kinder ein.

swissinfo: Welche Rolle spielt die Kinderrechts-Konvention der UNO für die Arbeit der Organisationen?

D.S.: Seit mehr als zehn Jahren arbeiten die Organisationen auf der Basis dieser Konvention. Die Konvention erleichtert die Arbeit, denn die Staaten, welche die Konvention unterzeichnet haben, haben sich verpflichtet, die Rechte der Kinder zu schützen. Diese Rechte umfassen Bereiche wie Erziehung, Gesundheit, Ausbildung und den Schutz vor Gewalt.

swissinfo, Carole Wälti
(Adaption und Übertragung aus dem Französischen: Andreas Keiser)

UNO-Konvention

1997 Jahren hat das Schweizer Parlament die Kinderrechtskonvention der UNO ratifiziert.

Die Konvention postuliert drei Kategorien von Rechten: Schutzrechte (Schutz vor sexueller Ausbeutung), Förderungsrechte (Recht auf Bildung und Versorgungsrechte (Recht auf Nahrung und Wasser).

Von Bedeutung ist die Konvention, weil ihr ein historisch neuartiges Verständnis von Kindheit zugrunde liegt.

Kinder werden nicht mehr als unmündige Wesen betrachtet, die der Verfügungsgewalt von Erwachsenen unterstellt werden, sondern als Individuen, die respektiert und ernst genommen werden müssen.

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